Dosenfutter

Der Pariser Zuckerbäcker Nicolas Appert hatte um 1810 die Idee, Nahrungsmittel in luftdicht verschlossenen Glasflaschen zu erhitzen und dadurch haltbar zu machen. Diese Methode griff der britische Kaufmann Peter Durand auf, ersetzte die heiklen Glasbehältnisse durch Blechkanister und gilt somit als Erfinder der Konservendose. 1813 nahm die erste Konservenfabrik ihre Produktion auf, und fortan konnten englische Soldaten ihren spiced ham genießen, ganz ohne Maden und ranzigen Geschmack. Geneigte Leserschaft: Ihr Herr Moser gilt als einer der ganz großen Verfechter der Konservendose und glühender Durand-Fan. Dank dieser genialen Erfindung behalten Sardinen, Pfirsiche, gefüllte Paprika, Nudelsuppen, Hundefutter, Corned Beef oder Linsen über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, Frische und Geschmack. Es nimmt daher nicht Wunder, dass meine berufliche Karriere in einer Dosenfisch-Manufaktur begann und dort wohl auch enden wird. Allen Pfotenhauers dieser Welt zum Trotz.

Meine erste frühkindliche Erinnerung sind Dosenravioli auf einem Campingplatz, erhitzt von einem blitzblauen Propangaskocher. Mama Moser war eine hervorragende Zubereiterin österreichischer Hausmannskost und ihr Kaiserschmarrn in allen Ehren – aber nichts ging über die italienischen Teigtaschen im Weißblech-Mantel, denen eine seltsam säuerlich-süße Tomatensauce etwas Magisches verlieh. Noch heute bevorrate ich in unserem Küchenschränkchen drei Dosen Ravioli, um gegen Heißhunger-Attacken und unvorhergesehene Hungersnöte gewappnet zu sein.  Mit einer Prise getrocknetem Oregano und einem Schuss Tabasco erhebe ich dieses vermeintlich simple Gericht in den kulinarischen Olymp.

Wie man sieht, ist meine Verehrung für Dosenfutter nahezu grenzenlos. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Surströmming. Dabei werden Ostseeheringe in Salzlake eingelegt, wo sie zu gären beginnen. Dann wird der Fisch in Konserven verpackt, wo sich der Gärungsprozess fortsetzt, bis sich Boden und Deckel der Dosen wölben. Der Gestank, der einem beim Öffnen entgegenschlägt, ist bestialisch. Über den Geschmack kann ich nichts sagen, da kein Bissen Surströmming je die Moser´schen Lippen passiert hat. Und wer hat´s erfunden? Die Schweden.

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4 Kommentare zu „Dosenfutter“

  1. Danke für diesen schönen Text. Ist ewig her, dass ich Ravioli aus der Dose …
    Beschäftigte mich neulich mit ähnlichen Konservierungstechniken: dem Weck-Glas. Sind tolle Geschichten. Aber jetzt habe ich Hunger bekommen 🙂

    Gefällt 1 Person

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