Fingerspiele

Mag. Erwin Pfotenhauer, mein Vorgesetzter in der Fischkonservenfabrik, wurde dem lieben Leser bereits in meinem Beitrag „Darts mit Pfotenhauer“ vorgestellt. Er schickt mich bekanntlich per Anfang August nach Schweden, um die dortige Produktion von Heringen in Dillsauce in die Gewinnzone zu bringen. Dieses Vertrauen ehrt mich nicht, da mit zwei Flügen nach und von Stockholm verbunden und ich wiederum den silbrigen Himmelsvögeln nicht traue.

Besagter Herr Pfotenhauer lädt seine Abteilungsleiter samt weiblicher Begleitung alljährlich im Juli zu einem Grillabend, um uns die Größe seines Anwesens, die unschlagbare Qualität seiner aus Japan importierten Steaks, die wohlgeformten Proportionen seines Eheweibes aus Bratislava und seine Jovialität als Chef zu demonstrieren. Wir müssen diese großzügige Einladung dankbar annehmen, um uns nicht den Zorn des Direktors zuzuziehen. Diesmal gab es noch einen anderen Grund zum Feiern – Frau Svetlana Pfotenhauer war kürzlich mit einem Mädchen niedergekommen. Stolz trug sie das neugeborene Bündel wie eine sündteure Chanel-Handtasche spazieren. Frau Moser frug beflissen: „Wie heißt denn die Kleine?“ Die wasserstoffblonde Frau Direktor antwortete: „Kim!“ Ich kitzelte die Kleine am Näschen und  ergänzte: „Kim? Ahh, so wie der nordkoreanische Diktator?!“, was mir einen heimlichen Fußtritt von meiner liebreizenden Gattin im schwarz-weiß geblümten Sommerkleid eintrug.

Ehe die Situation ins Peinliche abgleiten konnte, schlug mir der Gastgeber derb auf die Schulter: „Moser! Fein, dass Sie es einrichten konnten!“ und ergriff meine rechte Hand, wo er augenblicklich mit meinen Fingern herumzuspielen begann. Ich blickte Frau Moser fragend an während Pfotenhauer polternd dröhnte: „Wußten Sie, dass ein längerer Ring- als Zeigefinger beim Mann von Potenz, Erfolg und Männlichkeit zeugt?“ und zog dabei an meinem eheberingten Fingerglied. Am liebsten hätte ich dem grinsenden Pfotenhauer auf die männlich haarigen Wurstfinger gehauen. Stattdessen angelte ich mir ein Räucherlachshäppchen vom Tablett und murmelte anerkennend: „Ausgezeichnetes Fingerfood, Herr Direktor!“

 

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