Countdown

Letzte Nocht woa a schware Partie für mi… (Seiler und Speer)

Am Montag schlägt die Stunde der Wahrheit, am Vienna International Airport wird meine Geschäftsreise nach Stockholm aufgerufen und der näher rückende Termin treibt mir den Angstschweiß direkt proportional aus den Moser´schen Poren. Die letzte Nacht war ein einziges Potpourri an bizarren Alpträumen, die sich allesamt um trudelnde Düsenjets, schreiende Menschen, angstvoll verzerrte Münder, herabfallende Sauerstoffmasken und zerfetzte Leiber drehten. „Moser“, jammerte meine herzallerliebste Adelheid während sie um 04:26 morgens drei meiner schweißdurchtränkten Pyjamajäckchen mit spitzen Fingern in den Trockner warf. „Moser, das geht so nicht weiter. Du musst etwas unternehmen und dir Medikamente gegen deine entsetzliche Flugangst verschreiben lassen!“ „Ach Heidi“, gab ich ihr einerseits recht, auf der anderen Seite zu bedenken, dass ich der Allmacht der Pharmaindustrie keinen Vorschub leisten wolle. „Egal, wenn´s hilft“, bügelte Frau Moser den Einwand hinfort.

Prüfend blickte mir Dr. Wolfi, wie ich meinen langjährigen Hausarzt Dr. Wolfram Wolf insgeheim nenne, in alle verfügbaren Körperöffnungen und nahm sich anschließend mittels Stethoskop, Hämmerchen und geübten Medizinerfingern meine Eingeweide vor. Ich musste hüsteln, tief ein- und ausatmen, mich bücken und in ein grelles Licht blicken. Dr. Wolfi tippte geheimnisvolle Worte und Zahlen in den Computer und lächelte: „Herr Moser, Sie sind gesund wie ein frisch geworfenes Ferkel! Jetzt aber raus mit der Sprache – was führt Sie zu mir?!“ Da Ärzte bekanntlich der Schweigepflicht unterliegen, beichtete ich Dr. Wolfi meine Aviophobie und bat um Hilfe. „S´Moserle hätt Flugangscht!“ ländelte der gebürtige Vorarlberger und betete mir eine Statistik vor, wie sicher das Fliegen im Vergleich zu anderen Fortbewegungsmitteln sei. Er faselte etwas von Bachblüten und Aromatherapien, was ihm einen vorwurfsvollen Blick seitens des Patienten eintrug.

15 Minuten später stand ich mit einem Rezept für Valium in der Äskulap-Apotheke. Stockholm, zieh dich warm an, ich komme.

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6 Kommentare zu “Countdown”

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