Sieger der Herzen

Mein Auslandseinsatz in Schweden stellt mich täglich vor neue Herausforderungen, nicht nur in beruflich-fachtechnischer, vielmehr auch in sozial-kultureller Hinsicht. Die Interaktion mit fremden Menschen, das Verbrüdern und Schließen neuer Kontakte ist meine Sache nicht. Speziell die Wochenenden in dieser fremden Stadt sind eine Tortour de Tristesse für mich. Letzten Samstag sprang ich über meinen eigenen Schatten und unternahm einen Spaziergang in den Straßen der schwedischen Metropole, ich knipste ein paar Bauwerke und Denkmäler, die verdächtig nach Historie und Kultur rochen. Danach verzehrte ich in einem bürgerlichen Restaurant erstmals in meinem Leben ein Elch-Carpaccio und wollte anschließend wieder meine fein ausgestattete Dienstwohnung aufsuchen (es lebe das überaus soziale Schweden!).  Leider machte mir mein schwach ausgeprägter Orientierungssinn einen Strich durch die abendliche Rechnung, und ich landete 40 Minuten später im Stockholmer Hafen, der entgegengesetzt zu meinem Appartement liegt. Schließlich musste mich ein eifriger und geschwätziger Taxifahrer gegen einen fürstlichen Obolus nach Hause kutschieren.

Dieser teure und beängstigende Ausflug war mir eine Lehre und ich werde dieses Wochenende keinen Fuß vor die Tür setzen. Auf meinem farbigen und großflächigen Fernsehbildschirm pulsiert diesmal der Sport in all seinen merkwürdigen Facetten. Olympische Spiele im brasilianischen Rio. Es wird geschossen, gerudert, gerungen, geturnt, gesprungen, gelaufen, gestoßen, gefochten, gejubelt, geweint. Meine Heimat Österreich schlägt sich bei diesem Großevent wieder einmal sehr tapfer, aber unglücklich, wovon zahlreiche vierte und fünfte Plätze zeugen. Wir sind die große Pechnation, die Sieger der Herzen. Die Haaresbreiten-Sportler. Österreich hält sich streng an das olympische Motto Dabeisein ist alles! Als Gast-Schwede darf ich mich wenigstens über vier blau-gelbe Medaillen freuen. Ihre Heringfilets in Dillsauce mögen zwar nur Mittelklasse sein, im Wettschwimmen und Wettsingen (Song Contest) sind sie gar nicht mal schlecht.

 

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