Well done!

Meine liebe Frau Moser, Nabelschnur zur alten Heimatstadt Wien, ließ gestern Abend zu später Stunde mein südkoreanisches Smartphone im Takt des Donauwalzers bimmeln (der spezielle Heidi-Klingelton für meinen schwedischen Aufenthalt).  Nach dem obligatorischen Wie-gehts-dir und Wie-war-dein-Tag Eröffnungsgeplänkel erzählte sie mir aufgeregt von ihrem tollen Abendessen, das sie gemeinsam mit ihrer Freundin Uschi-Maus bei der Floridsdorfer Lokalgröße Zum Wiedehopf genossen hatte, wobei eine Spur Weinseligkeit in ihrer Stimme mitschwang.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Adelheid Moser punkto Ernährungsgewohnheiten eine typische Vertreterin der Gattung Frau ist. Zur Vorspeise liebt sie Tomate-Mozzarella mit Basilikum und ein paar Spritzern Balsamico. Gottlob ist sie keine Vegetarierin oder gar Veganerin, sondern fleischlichen Genüssen durchaus zugetan. Dennoch schlägt beim Thema Fleisch auch ihre Tierliebe durch und Babytiere, wie sie Kälbchen, Lämmchen, Reh & Co. zu nennen pflegt,  sind ein absolutes No Go. Auch ein geschmortes Häschen in Weißwein-Pfeffersauce auf dem Teller würde sie schreiend in die Flucht schlagen. Und beim Rinderfilet ist sie besonders heikel, da dieses stets gut durchgebraten (well done) sein muss – der Anblick nur weniger Tröpfchen roten Fleischsaftes ruft nämlich Bilder von weinenden Kühen und todbringenden Schlachtschussapparaten in ihrem hübschen Köpfchen hervor. Wie überhaupt die Liste jener Zutaten, die bei ihr Augenrollen und Naserümpfen erzeugen, länger als die „Bürgschaft“ von Schiller ist und von Curry über Knoblauch bis Heidelbeeren reicht. Inzwischen ist Heidi ob ihrer Sonderwünsche bei den Servicekräften und Köchen des Wiedehopf gefürchtet wie ein Kritiker des Gault Milliau.

An diesem Abend hatte man sich besondere Mühe gegeben, um die Strohwitwe Moser samt Uschi-Maus lukullisch zu umschmeicheln. Das Filetsteak war knochentrocken und braungrau bis zur Unendlichkeit durchgebraten worden, sogar den verhassten Rosmarin habe man bei den Rosmarin-Kartoffeln ihr zuliebe weggelassen, erzählte Adelheid voller Stolz. Nur bei den Schoko-Nuss-Palatschinken habe sich der Koch geweigert, die geriebenen Haselnüsse aus dem Pfannkuchenteig zu sieben. Ich spendete meiner Gattin fernmündlich ein paar Worte des Trostes, ehe ich ihr Ach Heidi und Måltid (schwed. „Mahlzeit“) zuraunte und mein Ohr vom Handy aufs Kopfkissen verschob. Morgen wird ein harter Tag, ich erwarte die neuen Absatzzahlen unserer rundumerneuerten Heringsfilets in Dillsauce.

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7 Kommentare zu “Well done!”

      1. Mein Mitspieler erfährt einiges auch durch Lesen der Reisebericht. .. Er lacht bis jetzt immer darüber und kommt stets vergnügt nach Hause. Hoffe es bleibt so😎
        Von deiner Heimkehr und deren „Folgen“ werden wir ja früher oder später erfahren😀😀😀

        Gefällt 2 Personen

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