Zentralfriedhof

Wie sich der fantasiebegabte Leser vorzustellen vermag, war ich nach den Stockholmer Wochen punkto heimatlichen fleischlichen Genüssen schwerst auf Entzug – und damit meine ich nicht nur den Leberkäse. Auch meine treue Gattin Adelheid hatte mich in so mancher langen, einsamen Nacht auf das Schmerzlichste vermisst, und mit tränenerstickter Stimme „Ach Moser“ ins Kissen gehaucht.

Nachdem diese Qual nun ein Ende hatte und der Leberkäs verspeist war, wollte ich mich mit Heidi ein wenig vergnügen. Da sie ein Mensch mit ausgeprägtem Hang zur Romantik ist, entzündeten wir alle verfügbaren Duftkerzen (6 Stk. Vanille), strichen uns zärtlich durchs Haar und beobachteten verträumt die pittoresken Schattenspiele von Herrn und Frau Moser an der lindgrün getünchten Wand. „Soll ich ein bisschen Musik machen?“ frug sie rhetorisch und tastete in Richtung unseres Radioempfängers, der seit vielen Jahren auf dem Nussholz-Nachttisch seinen Dienst versieht und unsere Liebe mit sanften Klängen untermalt. „Aber ja“ krächzte ich erwartungsvoll mit aufgeregt belegter Stimme. Doch anstatt von Whiney Houston, Eros Ramazotti oder Julio Iglesias röhrte der von mir früher sehr geschätzte Wolfgang Ambros seinen Uralt-Hit „Es lebe der Zentralfriedhof“ in unser Schlafgemach.

In unserer Unterwäsche wurde es still wie auf besungenem Zentralfriedhof. Aber spätestens bei der Zeile

„… der Moser singts Fiakerliad

und die Schrammeln spün an Woiza…“

bebte die rot geblümte Bettdecke. Auch Lachen kann befreiend wirken.

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5 Kommentare zu “Zentralfriedhof”

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