Hot Dog

Oft werde ich gefragt, wie Herr und Frau Moser ein Paar wurden, wie die bodenständige und fest im Leben verwurzelte Adelheid ihr Herz an den weltoffenen Abteilungsleiter einer Fischkonservenfabrik verlieren konnte. Wie so oft in Liebesangelegenheiten hatte der Zufall seine launischen Finger im Spiel. Ich habe ihren Dackel auf dem Gewissen.

Ich war damals ein junger Spund, auf der Karriereleiter noch auf der untersten Sprosse, und natürlich ledig. Als Junggeselle war ich im Kochhandwerk nicht so richtig bewandert und nährte mich vorwiegend von Konservendosen und Nudeln mit Ketchup. An einem heißen Sommersonntag wagte ich mich an das herausfordernde Experiment, ein Wiener Schnitzel zuzubereiten. Ich drosch mit einem Holzhammer auf das inzwischen schmerzfreie Schweinestück ein, salzte und panierte vorschriftsmäßig. Dann setzte ich eine Pfanne mit reichlich Sonnenblumenöl auf. Just zu diesem Zeitpunkt rief mich meine liebe und sehr mitteilsame Mutter an, um über ihr und mein Befinden zu philosophieren. Ich saß im Wohnzimmer, seinerzeit noch an das Festnetz gefesselt, und tröstete Mama Moser über lästigen Fußpilz und steigende Milchpreise hinweg. Als ich nach geraumer Zeit in die Küche zurückkehrte, stand das Öl der Schnitzelpfanne in hellen Flammen. Ich wusste, dass in diesem Fall das Löschen mit Wasser nicht angebracht ist und zum Super-GAU führt. Also packte ich das feuerspeiende Ungetüm am Stiel und warf es in Panik aus dem offenen Küchenfenster im ersten Stock.

Jetzt kam der vorhin erwähnte Zufall ins Spiel. Adelheid führte ihren Dackel Joschi ausgerechnet zu dieser Zeit und ausgerechnet vor meinem Wohnhaus Gassi. Heidi kam mit ein paar kleineren Verbrennungen zweiten Grades relativ glimpflich davon, Joschi traf das brennende Geschoss leider tödlich. Quasi die letzte Ölung. Sofort stürzte ich auf die Straße und stellte mich kurz vor: „Tut mir leid. Moser mein Name.“ Dann nahm ich das zitternde und schluchzende, liebreizende Geschöpf in meine Arme und ließ sie meine Küchenschürze mit Rotz und Wasser benetzen. Um der peinlichen Situation etwas die Schärfe zu nehmen, flüsterte ich ihr leise ins Ohr: „Wollen Sie lieber ein Begräbnis oder eine Feuerbestattung? Ich bezahle.“

Sie bevorzugte eine traditionelle Beerdigung auf dem Hundefriedhof und gab mir im nächsten April das Ja-Wort.

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6 Kommentare zu „Hot Dog“

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