Shitwind

Als ich gestern an dieser Stelle die tragischen Umstände enthüllte, unter denen ich die heutige Frau Moser kennenlernte, brach zwar kein Shitstorm, aber doch ein kleiner Shitwind über mich herein. Keine zwei Stunden, nachdem ich publik gemacht hatte, wie ich anno dazumal den Tod von Adelheids Dackel Joschi verursachte (Hot Dog), polterte der Mob mit brennenden Fackeln und Heugabeln an meine virtuelle Haustür und forderte Mosers Kopf.

„Hundemörder!“ und „Dackelkiller!“ wurde ich gescholten, als unsensibler Tölpel, der brennende Bratpfannen durch die Gegend wirft, hingestellt. Die Lesergemeinde schrieb mir entsetzte Mails, ehemalige Freunde und Verwandte brüllten nicht druckreife Forderungen ins Handy. Selbst meine sorgende Schwiegermama Inge verlor kurzfristig die Contenance, als sie die wahren Hintergründe von Joschis Ableben erfuhr. Bisher hatten wir sie im Glauben gelassen, Heidis Dackel sei an Altersschwäche dahingeschieden. Durch zahllose Gerichtsshows gründlich gebrieft, konterte ich mit Einspruch! Es fehlen die Mordmerkmale, daher nur fahrlässige Tötung! Verjährt! Ich plädiere auf Unzurechnungsfähigkeit! Doch das aufgebrachte Volk war auf diesem Ohr taub, selbst mit meiner gütlichsten Richter-Hold-Stimme ließ sich nichts ausrichten. Aber eines wollten sie alle wissen: Warum zum Kuckuck fand die arme Heidi in die Arme des irren Dackelmörders??? Eine Frage, auf die ich selbst keine befriedigende Antwort wusste.

Abends nutzte ich die Gelegenheit und fragte mein liebendes Eheweib zwischen zwei Schlucken Gumpoldskirchner: „Ach Heidi, warum hast du dich damals eigentlich in mich verliebt? In den Henker des alten Joschi?“ „Moser, du hast eine brennende Pfanne aus dem Fenster geschmissen und meinen Dackel in die ewigen Jagdgründe geschickt. Und zwei Minuten später hast du die Chuzpe mich zu fragen, ob ich eine Feuerbestattung wünsche“, lächelte Adelheid weise wissend. „In diesem Moment dachte ich, du bist ein Riesendepp – aber ein sehr liebenswerter. Und du hast ein gutes Herz. Ich habe recht behalten.“

Herr und Frau Moser küssen sich innig, ein bombastisches Streichorchester geigt sich in höchsten Tönen zum Finale. Abblende.

The Happy End.

Illustration: literaryfictions.com

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6 Kommentare zu “Shitwind”

  1. Aber Herr Moser! Jetzt haben Sie sich doch zu einer Fortsetzung der Geschichte durchgerungen! Ist ja schier unglaublich. Aber, so war es nun einmal, ich glaube Ihnen. Nur das mit den zwei Schlucken Gumpoldskirchner, die nötig waren, um aus ihrer Gattin solch einen Satz herauszulocken, das erscheint mir etwas unglaubwürdig.

    MIt besten Grüßen von den Küchenereignissen!

    Gefällt 1 Person

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