Morgengabe

Ich vertrete die vielleicht etwas altmodische Meinung, dass man sein treusorgendes Eheweib ab und an mit einer kleinen Überraschung erfreuen sollte – nicht zuletzt, um Pluspunkte für eventuell kommende Missgeschicke und Katastrophen zu sammeln. Und so beschloss ich heute früh am Morgen, als unsere kleine Reihenhaussiedlung noch im Dämmerschlaf lag, meiner lieben Adelheid ein bombastisches Frühstück ans Bett zu servieren. Ich hielt die Luft an, wälzte mich mit zwei geschickten Umdrehungen aus der ehelichen Federstatt und schlich mich raubkatzengleich auf nackten Füßchen in die Küche, während Heidi selig lächelnd weiterschlummerte.

Ich brühte brasilianischen Kaffee, schäumte österreichische Milch auf, kochte ein weißwandiges Hühnerei exakt 3 Minuten 55 zur Perfektion, befüllte ein Glas mit Orangensaft und bestrich eine knusprig-warme Semmel aus dem Backofen mit Butter und Ribiselmarmelade. All die Köstlichkeiten verschachtelte ich auf unserem Serviertablett und dekorierte die kulinarische Morgengabe noch mit drei violetten Blümchen aus dem Garten. Dann balancierte ich damit nach oben, Richtung Schlafzimmer.

Unter der Decke lugte ein verstrubelter Haarschopf hervor, die Äuglein fest geschlossen, der Mund halb offen. Um Adelheid sanft zu wecken, räusperte ich mich leise. Ein schwerer Fehler, denn aus dem elegant angelegten Räuspern wurde ein handfester Raucherhusten-Anfall, der mir die Augen aus den Höhlen und das Blut ins Gesicht trieb. Mit einem Schlag war Heidi wach, blickte auf den puterroten, tränenden und spuckenden Moserkopf  – und schrie so laut sie konnte. Dabei schlug sie mir mit einer hektischen Bewegung das ohnehin bereits gefährlich schwankende Frühstückstablett aus der Hand. Heißer Kaffee schwappte auf die Blümchendecke und das malvenfarbene Nachthemd, was ihren Schrei in noch eindrucksvollere Höhen trieb.

Zwanzig Minuten später saßen wir geduscht in der Küche bei frischem Kaffee und rauchten unsere Morgenzigarette. Mein Husten hatte sich deutlich gebessert. „So geht das nicht weiter, Moser“, schüttelte Heidi den Kopf, und trug in ihrem Terminkalender für den 9. Oktober mit Rotstift  RAUCHFREI!!!  ein. „In einem Monat hören wir auf. Gemeinsam schaffen wir das.“ Seufzend drückte ich meine Zigarette im Aschenbecher aus und wünschte mir, ich hätte das Frühstück gleich am Tisch angerichtet.

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11 Kommentare zu “Morgengabe”

      1. Es gibt nur zwei Optionen: Entweder rauchen oder nicht rauchen.
        Ich wollte es bislang noch nie aufgeben und viele Gründe sprechen dafür…. Um mir das `Raucherdasein´ zu erleichtern, hab ich folgendes gelernt (kein Spaß):
        Kräftig und gut abhusten (ganz wichtig). Zeitweise mal Eukalyptusöl inhalieren.
        bis demnächst mal.
        PJP
        P.S. Werd mir mal`n `Smokerfotoriddle´ ausdenken 😉

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  1. Lieber Herr Moser,
    würde sie sich freundlicherweise mit diesem Artikel so lange zurückhalten, bis ich gefrühstückt habe?
    Meine bessere Hälfte duscht und ich sterbe vor Hunger. Das Foto ist echt gemein. Ich muss erst mal eine rauchen…
    Schönen sonnigen Sonntag!!
    PJP
    P.S. Der anstehende rote Popo ist eine Tomate aus meiner kläglichen Ernte.

    Gefällt 1 Person

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