McShopping

Wie dem treuen Leser gewiss noch erinnerlich, entrümpelte Frau Moser vor einiger Zeit meinen Kleiderkasten und spendete einen nicht unerheblichen Teil meiner Garderobe, inklusive origineller Fliegen- und Krawattensammlung, an das Rote Kreuz. Dies war ein schmerzlicher Prozess, da gerade mein dekorativer Halsschmuck aus den 80er und 90er Jahren datierte und einen persönlich-historischen Wert darstellte. Aber der grausamste Teil der Spendenaktion stand nun bevor. Adelheid zerstöre meine televisionären Samstagspläne mit den Worten: „Moser mach dich fertig, wir gehen shoppen! Du musst neu eingekleidet werden.“

Ich gestehe, dass ich kein begnadeter Shopper bin. Der Erwerb neuer Kleidung ist für viele Zeitgenossen und -innen ein Vorgang, der mit Lust und Befriedigung (im textilen Sinne) verbunden ist. Ich hingegen würde lieber für eine Kompanie Soldaten 100 kg Zwiebel schälen und schneiden, als mich stundenlang durch ein Einkaufszentrum zu quälen, die chemiegetränkte Luft der in Südostasien (von Kinderhand?)  gefertigten T-Shirts und Damenblusen einzuatmen, und mich in viel zu engen Umkleidekabinen von einer Hose in die andere zu quälen. Doch diese Alternative stand nicht zur Debatte.

Die von Adelheid ausgesuchten schwarzen Hosen Nummer 1 und 2 wollten sich partout nicht mit meinem kleinen Wohlstandsbäuchlein anfreunden, aber als sie mir das dritte Beinkleid durch den Kabinenvorhang reichte, war die Freude groß – die Hose passte. Mit emporgerecktem Daumen gab ich Heidi positiven Bescheid und wanderte Richtung Kasse. Aber zu früh gefreut: Mein liebes Eheweib nahm das gute Stück näher in Augenschein und meinte: „Die kostet ja 34,99! Viel zu teuer. Komm, wir sehen uns noch bei K+L und D&B (Namen von der Red. geändert) um!“

Drei Stunden später brannten meine Augen und Füße, außerdem war ich dem Hungertod nahe. Adelheid hingegen pflügte wie ein Schlachtschiff durch den Menschenozean und steuerte zielsicher eine „Schuhinsel“ an. Plötzlich schlich sich der Geruch gebratener Hamburger und knuspriger Pommes in die Moser´sche Nase. Und da sah ich auch schon das Wahrzeichen der amerikanischen Restaurantkette, die ich für mich gerne auch „Zur Goldenen Möwe“ nenne. Aus meinem linken Mundwinkel tropfte Speichel und ich warf Heidi flehentliche Blicke zu. Doch die war im Einkaufsrausch, ihre Augen leuchteten schnäppchengeil und durch eine Adrenalin-Überdosis aufgeputscht meinte sie zu mir: „Moser, ich finde Shoppen toll! Du nicht auch??“ Leise murmelte ich: „I´m lovin´ it.“

Foto: Stern.de

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20 Kommentare zu “McShopping”

      1. Ich hab mir vor einiger Zeit zwei Anzüge gekauft, Super günstig, keine Marke, Schnäppchen!
        Nur: Der Tragekomfort lässt zu wünschen übrig. Daher nie getragen.
        Nie wieder Schnäppchen! Den Preis für das Schnäppchen muss ich ja auf den ordentlichen Anzug drauf schlagen, wenn ich mir dann den kaufe. Es wird also noch teurer, wenn man „Schnäppchen“ kauft.

        Gefällt 1 Person

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