Süchtig!

Hallo. Mein Name ist Moser, Herr Moser. Und ich bin süchtig, süchtig nach Maggi.

Ich vermute, dass sich bei diesem erschreckenden Geständnis alle Food-Blogger, Gourmetkritiker und kulinarischen Feinspitze mit angewiderter Miene abwenden werden. Aber ich bin der braunen Droge aus der Schweiz („Das gewisse Tröpfchen Etwas“) seit frühen Kindertagen verfallen. Schon als Dreikäsehoch schlich ich nachts heimlich in die Küche, tränkte eine Scheibe Schwarzbrot mit ein paar Spritzern Maggi, und schwelgte im Schein der offenen Kühlschranktür im Rausch der speziellen Speisewürze. Eine Suppe – gekocht mit Rindfleisch, Knochen und Wurzelgemüsen – wird erst mit einigen Tropfen Maggi on top zum ultimativen Gaumenkitzler. Da feiern Mosers Geschmacksnerven eine fette Riesenparty inklusive Feuerwerk.

Und eine eben solche Suppe, gekrönt von einem handgeformten Leberknödel, zauberte Adelheid auf unseren sonntäglichen Mittagstisch. Voll hungriger Vorfreude beugte ich mich über den Teller, nahm den herrlichen Duft mit allen Sinnen auf, und griff zur ebenso charakteristischen wie obligatorischen Maggi-Flasche. Die Ernüchterung kam schlagartig, denn das dunkelbraune Fläschchen war so leer wie mein Magen. Keinen Tropfen ließ es sich mehr abringen und ich war der Hysterie nahe.

Heidi erkannte die Gefahr und hatte den rettenden Einfall: „Frag doch mal die Kalteneggers!“ Unsere Reihenhaus-Nachbarn haben uns mit Augentropfen, einer Tasse Gries oder einer rostfreien Drahtschere schon aus so mancher Patsche geholfen und ich vermute, dass sie in ihrem Keller ein riesiges, perfekt sortiertes Warenlager unterhalten. Es bestand also Hoffnung und ehe die Suppe kalt werden konnte, stand ich bei Kalteneggers vor der Tür und klingelte.

„Servus Sybille“, begrüßte ich die Frau des Hauses. „Fraaage: Könnt ihr uns vielleicht mit einer Flasche Maggi aushelfen?“ „Tut mir leid Moser, aber so etwas haben wir nicht.“ Sie hatte tatsächlich so etwas gesagt. Mir klappte die Kinnlade runter und ich bohrte nach: „Sicher nicht? Könntest du bitte nachschauen, eventuell habt ihr ja doch irgendwo…“ „Nein, solche gesundheitsschädlichen Geschmacksverstärker kommen uns nicht ins Haus“, fiel sie mir ins Wort. „Tut mir leid, Mahlzeit!“ Bleich und bereits leicht zitternd kehrte ich ohne Schuss Maggi an unseren Esstisch zurück.

Für die Leberknödelsuppe musste als Ersatzdroge dunkle Sojasauce herhalten, die mir aber nicht den nötigen Kick verpassen konnte. Meine Geschmacksnerven feierten keine rauschende Champagnerparty mit Feuerwerk, sondern einen müden Kindergeburtstag mit Himbeersaft und Luftballons.

Advertisements

14 Kommentare zu „Süchtig!“

  1. Herr Moser! „Eine Suppe – gekocht mit Rindfleisch, Knochen und Wurzelgemüsen“ und dann noch obendrauf sozusagen als Sahnehäubchen Maggi? Jetzt übertreibenS aber, das kauf ich Ihnen nicht ab.

    Maggi ist ein vegetarisches Extrakt, um Rinderbrühe zu simulieren! Wenn Sie eh schon eine Rindersuppe gemacht haben, brauchts kein Maggi mehr. Das noch Reinschütten ist wie Eulen nach Athen tragen.
    Aber Herr Moser!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s