Schlaflos in Vienna

Am kommenden Mittwoch habe ich einen Termin beim Zahnarzt. Zugegeben: Mein letzter Besuch in der Ordination von Dr. Schwingenschlögel liegt schon einige Zeit zurück. Aus gutem Grund, denn ich leide an einer ausgewachsenen Zahnarztphobie. Genau genommen bezieht sich meine Phobie nicht auf den Zahnarzt, sondern auf die schmerzhafte Behandlung. Man könnte auch von einer brutalen Dental-Oral-Odontophobie sprechen. Der Gedanke an Finger in Latex-Handschuhen, die in meinem Mund herumfuhrwerken, an Spritzen, Bohrer, Saugschläuche, Tampons und Arztpraxisgerüche löst bei mir schlimme Panikattacken aus. Und Schlaflosigkeit.

Einschlafen kann ich eigentlich immer. Nur letzte Nacht nicht. In meinem Kopfkino lief der Dental-Thriller „Die neuen Leiden des alten Moser“ in Farbe, Dolby Surround und 3D, und der Zahnarzt sah Sir Laurence Olivier  im „Marathon-Mann“ erschreckend ähnlich. Schweißgebadet wälzte ich mich von einer Seite auf die andere, an einschlafen war nicht zu denken. Schließlich ging ich zum Spiegel um nachzusehen, ob ich überhaupt müde bin. Ja, ich sah so müde aus wie immer. Komisch. Ich nahm mein Smartphone zur Hand und sagte sämtliche Verabredungen für die nächsten Tage ab.  Das Einschlafproblem hatte jetzt absolute Priorität. Ich musste fünf Anrufe machen, bis ich zumindest eine Verabredung hatte, die ich dann absagen kann. Danach lag ich weiter auf dem Bett, starrte an die Decke und bekam langsam Hunger. Es war 02:12 früh.

Ich rief bei unseren Nachbarn, den hilfsbereiten Kalteneggers an. Nach endlos langem Getute meldete sich der verschlafene Bruno: „Ha…. (räusper) …llo. Hallo?“ „Ja, hier Moser. Bruno, kannst du für mich den 24-Stunden-Pizzaservice anrufen?“ „Warum zur Hölle machst du das nicht selbst?“ „Ach weißt du, ich bestelle doch immer nur Salami-Pizza, das wird mir langweilig. Such du etwas für mich aus, überrasche mich! Dann hab ich etwas, worauf ich mich freuen kann!“ antwortete ich und legte auf. Immerhin lenkt der Hunger von der Angst ab. Ich wurde spürbar ruhiger, und beim Warten auf den Pizzaboten fast schon schläfrig. Damit ich das Läuten des Lieferanten nicht überhöre, kochte ich mir eine ganze Kanne starken, schwarzen Kaffees und goss sie mir über den Kopf.

Endlich klingelte es und ich öffnete. „Eine Vegetaria Familienpizza mit Extra Oliven und Knoblauch, der Herr! Macht 18 Euro 90.“ Ich gab ihm einen Zwanziger und schloss die Tür. Bruno wusste, dass ich Oliven in jeder Form und Ausprägung hasse. Vegetaria, also fleischlos. Mist. Ich hätte lieber Salami gehabt. Als ich mit der duftenden Pizzaschachtel zurück ins dunkle Schlafzimmer schlich, platzte Heidi der Kragen: „Moser, raus hier bevor ein Unglück geschieht! Vor deinem Zahnarzttermin setzt du keinen Fuß mehr ins Schlafzimmer.“

So saß ich für den Rest der Nacht im Arbeitszimmer, starrte die Wand an und überlegte, in welcher Farbe ich sie eines Tages streichen werde, damit meine Modellautos wirkungsvoll zur Geltung kommen.

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13 Kommentare zu „Schlaflos in Vienna“

  1. Zahnarzttermine sind auch für mich kein Spaß 😦
    Mit der Knofifahne nach dem vegetarischen Pizzagenuss hast (oder hattest? Termin schon überlebt?) Du dem Zahnarztgeruch aber wenigstens etwas entgegenzusetzen, lieber Herr Moser 😉

    Gefällt 1 Person

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