Alles Gute, Heidi!

Meine geliebte Adelheid begeht heute ihr Wiegenfest. Als echter Gentleman verschweige ich an dieser Stelle natürlich ihr wahres Alter, nur so viel: Es ist kein runder Geburtstag, auch kein eckiger, eher so oval. Jedenfalls hatte ich mir eine ganz besondere Überraschung ausgedacht… ich würde für Heidi erstmals in meinem Leben eine Torte backen. Das Konditorhandwerk ist kein Zuckerschlecken, und darum bereitete ich mich gründlich auf dieses (wahrscheinlich einmalige) Experiment vor. Meine treusorgende Gattin liebt Sachertorte, und wenn Heidi Sachertorte liebt soll sie Sachertorte bekommen. Also durchpflügte ich nächtens heimlich das Internet nach Rezepten, studierte Backanleitungen und zog mir auf Youtube die Lehrfilmchen talentierter Hobbybäcker rein. Dabei wurde mein Gesicht immer länger und ich stellte fest, dass diese Wiener Spezialität in so einer Art Königsklasse der Torten spielt und die Erfolgsaussichten für einen blutigen Anfänger eher gering sind. Daher schwenkte ich auf Schwarzwälder Kirschtorte um. Erstens ist es meine Lieblingstorte und zweitens mag sie mein Heidilein auch ganz gern. Die paar Zutaten zusammenrühren, den Teig backen, und das Ganze mit Sauerkirschen und Schlagobers dekorieren – das konnte ja wahrlich kein Hexenwerk sein.

Der 8. Dezember ist in Österreich arbeitsfreier Feiertag, und so hatte ich genügend Zeit und Muße, mich meiner süßen Überraschung zu widmen. Also verbannte ich Heidi ins Wohnzimmer (sie wollte ohnehin vor Weihnachten noch die Vorhänge abnehmen und waschen) und ging in der Küche optimistisch ans Werk. Das aus dem Internet ausgedruckte Rezept klebte ich in Augenhöhe gut sichtbar an einen Hängeschrank. Ich will nicht verheimlichen, dass mir das eine oder andere Missgeschick passierte, ich Eigelb mit Eiklar und Zucker mit Salz verwechselte, und der erste Tortenboden als Grillkohle dienen hätte können. Aber schon der zweite Versuch brachte ein durchaus respektables Ergebnis zutage, wie Sie auf obigem Beweisfoto sehen können.

Stolz stellte ich das Meisterwerk auf den Wohnzimmertisch, gleich neben den Strauß roter Rosen und die Sektflasche. Dann rief ich nach Heidi, die im Badezimmer noch immer mit den meterlangen Vorhängen kämpfte. Als sie vor den Gabentisch trat, kämpfte sie allerdings mit Tränen und einem aufkeimenden Lachkrampf. Ich rief laut „Tataaaa!“ und warf eine Handvoll Konfetti in die Luft. Dann nahm ich meine Liebste in den Arm, flüsterte ihr meine Glückwünsche ins heiße Damenohr und sagte: „Und jetzt lassen wir es richtig krachen!“ Heidi sah mich entrüstet an: „Moser, doch nicht am helllichten Nachmittag!“ „Nein, wir köpfen den Sekt!“ klärte ich das Missverständnis auf. „Ach so“ lächelte sie und wirkte irgendwie erleichtert.

Wie in Dutzenden Filmen gesehen, schüttelte ich die grüne Flasche ein wenig, richtete sie schräg nach oben und ließ es knallen. Der Korken schoss mit lautem Plooppp!! an die Decke, hinterließ dort eine kleine Delle und kehrte als Querschläger an den Tisch zurück. Leider stand die filigrane Blumenvase im Weg und der harte Plastikstöpsel zerlegte sie in hunderte Glassplitter, die als Verzierung auf der Schwarzwälder Kirschtorte landeten. Dekorativ, aber ungenießbar. Meine schönen roten Rosen lagen wie tot in ihrem Blumenwasser, das langsam vom Tisch tropfte. In meiner Hand spuckte die Sektflasche weißen Schaum.

Während Adelheid das Desaster beseitigte, meinte sie nur: „Moser, Moser! Irgendwie habe ich so etwas befürchtet und selbst einen Schokokuchen gebacken. Bring ihn doch bitte rein, steht im Kühlschrank.“ Sie ist halt einfach die Beste. Ach Heidi, alles Gute zum Geburtstag!

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13 Kommentare zu “Alles Gute, Heidi!”

  1. Sachertorte, Schwarzwälderkirsch mit oder ohne Glassplitter, Ihre Adelheid wird Ihre wundervolle Geste sicher zu würdigen wissen und wie schön, dass auch Sie wissen, was Sie an ihr haben. Herzlichste Glückwünsche für Ihre Frau auch von mir

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