Frohbotschaft

Es ist vollbracht. Unser Reihenhaus erstrahlt außen wie innen in vorweihnachtlichem Glanz, ergänzt von riesigen duftenden Blumengebinden, die meine brave Gattin Adelheid zu ihrem Geburtstag von nah und fern (Wien und Umgebung) entgegen nehmen durfte. Ich war gerade mit dem Aufbau unserer kleinen Weihnachtskrippe befasst und stellte die Niederkunft der Jungfrau Maria mit kleinen Plastikfigürchen nach, platzierte eben die drei Weisen aus dem Morgenland stilsicher neben Ochs und Esel, als mir Heidi eine Küchenschürze entgegenstreckte und verkündete: „Jetzt backen wir Weihnachtskekse!“ Wie ich mit meiner Geburtstagstorte unter Beweis gestellt hatte, gehört das Backhandwerk zu den vielen Talenten, über die ich nicht verfüge. Daher übernahm meine Liebste das Kommando und ich die Rolle des Handlangers.

Im CD-Player tastete der Laserstrahl The Best of Christmas Pop Songs ab,  während ich 75 Gramm geriebene Haselnüsse abwog und mit Mariah Carey ein gefälliges Duett trällerte. Keks-Kommandantin Adelheid bediente die zahlreichen Knöpfchen der gewaltigen Teigrühr- und Knetmaschine, und walzte anschließend den süßen Brocken zu einem flachen Fladen. Ich erhielt kleine Tannenbäume und Herzen zum Ausstechen, und bald darauf schoben wir das erste Backblech voll mit kleinen Leckereien in den heißen Ofen. Ein himmlischer Duft durchzog das festlich geschmückte Heim als wir das Gebäck mit Marillen- und Ribiselmarmelade bestrichen und mit Puderzucker bestäubten.

Zufrieden blickten wir auf unser Werk, das ganz unfallfrei, ohne Verbrennungen und andere Missgeschicke das Kerzenlicht der Moser´schen Weihnachtswelt erblickt hatte. „Das werden mir meine Leser nie glauben“, sagte ich und strich Heidi etwas Vanillezucker aus dem Haar. „Eine Keksbackgeschichte ohne Katastrophen.“ Glücklich nahm ich meine süße Adelheid in den Arm und küsste sie, während im Ofen die erste Ladung Vanillekipferl verbrannte.

Foto: Adelheid Moser

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11 Kommentare zu „Frohbotschaft“

  1. Lieber Herr Moser!
    Ich glaube es Ihnen. Fantastisch sieht das Gebäck aus. Ihre Kommandeurin könnte sich auch sehr gut bei uns in der Küche nützlich machen und die entscheidenden Kommandos geben, dann müssten wir nicht immer auf Kekse aus der Packung zurückgreifen ! 🙂
    Herzliche Adventsgrüße
    Mallybeau

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  2. Herr Moser, sie können sich glücklich schätzen!
    Meine Angetraute weigert seit Jahren Plätzchen zu backen.
    Mir bleibt nur, bei anderen Frauen auf die Tränendrüse zu drücken. So kommt Mann dann auf Umwegen zu seinem Recht! 😉

    Gefällt 1 Person

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