Das Dusch-Experiment

Ich berichte Ihnen heute von einem investigativen Experiment, das ich unter dem Titel „Die Werbeversprechen der Duschgel-Industrie“ unternommen habe – aus rein privatem Interesse. Ich bekomme dafür keinen einzigen Cent, alles im Dienste der Wissenschaft. Der Versuchsaufbau war simpel: Ich habe mir in einem namhaften Drogeriemarkt einige der aktuellen Duschgels for Men eines gewissen Herstellers, nennen wir ihn einfach F., besorgt. Aufgabe: Überprüfe die darauf genannten Angaben auf ihren Wahrheitsgehalt. Hier die Ergebnisse.

Attraction Force: „Das Besondere an F. Attraction Force liegt in der Kombination des aphrodisierenden Duftes mit einem männlichen Pheromon. Der verführerische Duft mit dem Hauch von frischer Bergamotte und Limette stimuliert die Sinne“, so die Beschreibung auf der dynamischen, rot-schwarzen Plastikflasche, auf der die Silhouette einer ungemein wilden, schlanken, nackten Frau abgebildet war. Ein Versprechen, das meine männlichen Ur-Instinkte ansprach. Ich schäumte den ganzen Moser von Kopf bis Fuß tüchtig ein. In meiner Vorstellung riss mich Heidi bereits zu Boden, sobald ich im Adamskostüm der Dusche entstieg. Heiser würde sie mir ins Ohr flüstern: „Ach du, meine kleine Bergamotte!“

Als die liebe Adelheid ins Badezimmer kam, hatte ich bereits ein Handtuch um die Hüften geschlungen, das nasse Haar nach hinten gekämmt und sah ihr mit meinem unwiderstehlichsten Robbie-Williams-Blick in die rehbraunen Augen. Sie beschwerte sich über den beschlagenen Spiegel, die Wasserpfützen auf dem Fliesenboden und meine achtlos in die Ecke gepfefferte Unterwäsche. Dezent rückte ich ein wenig näher und hob meinen Arm, um die maskulinen Duftnoten und die versprochenen Pheromone freizulassen. Heidis Reaktion: „Warum musst du immer so einen Saustall hinterlassen? Und deine Bartstoppeln im Waschbecken! Schau dir das an! Beeil dich, du kommst zu spät in die Fabrik…“

Als nächstes versuchte ich Dark Passion, das mir mit dem verführerischen Duft von Sandelholz ein maskulines Duscherlebnis und sinnliche Frische versprach.  Das Ergebnis war um keinen Deut besser. Die dunkle Leidenschaft auf der geduschten Haut, scharwenzelte ich um Frau Moser und sprach sie sogar direkt auf meine neugewonnene Männlichkeit an: „Na, merkst du was?“ „Zieh dir bitte die Hausschuhe an und hol die Post rein!“ „Riech mal meine Sinnlichkeit mit orientalischer Note…“ „Den Mistkübel kannst du auch gleich ausleeren!“

Wie Sie sehen sind die Versprechen der Körperhygiene-Industrie Schall und Rauch. Denn ganz ähnlich erging es mir mit den übrigen Duschgels dieser Serie. Ob Zitronengras, die kraftvolle Frische von Taurin oder die belebende Formel mit verwöhnender Ingwer-Note – weder Heidi noch ich selbst merkten irgendeinen Unterschied. Darum setze ich nun ein Schreiben an den Hersteller Schwarzkopf & Henkel auf, in dem ich den Herrschaften von meiner Versuchsreihe berichte und auf ihren Irrtum hinweise. Denn wenn ich nur einen Mann vor einer herben Enttäuschung bewahren kann, hat sich der ganze Aufwand und mein Werk gelohnt.

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20 Kommentare zu “Das Dusch-Experiment”

  1. Lieber Herr Moser!
    Meine Hochachtung, dass Sie sich wagemutig dieser Herausforderung gestellt und der Menschheit diese erschreckenden Erkenntnisse mitgeteilt haben.
    Geben Sie nun das einseifen gänzlich auf oder arbeiten Sie unermüdlich in Ihrem Hobbykeller an einem neuen Duschgel, dass Ihnen die Welt gierig aus den Händen reissen wird? 🙂
    Saubere Adventsgrüße
    Mallybeau

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  2. Lieber Herr Moser
    Ich habe heute die Erklärung bekommen.Die Gefahr lauert bei der Verwendung von Shampoo!! Wenn ich unter die Dusche gehe,wasche ich
    immer gleich meine Haare.Normalerweise rinnt dann der Schaum vom Shampoo über meinen Körber und ich denke mir nichts dabei…

    Heute habe ich mal gelesen was auf der Flasche steht:“für extra Volumen
    und mehr Fülle“
    SCH…!! Kein Wunder,dass es mir so schwer fällt,mein Gewicht zu kontrollieren!

    Ich werde ab sofort nur noch Geschirrspülmittel benutzen,weil da steht drauf:“…entfernt auch hartnäckiges Fett“ Gruß Alois

    Gefällt 5 Personen

  3. Nun seien Sie mal froh, dass Sie keine Frau sind!
    Denn die sollen – so die Duschgelkreateure – immer nach Joghurt, Mango, Schokolade, Pina Colada oder anderen Fressereien riechen! Frauen essen nachgewiesenermaßen mehr Süßkram als Männer. Ja aber…
    Während des Schreibens fällt mir eben auf, dass die wahren, männlichen Aufreißer vielleicht einfach mal zum Damenduschgel greifen sollten um vielleicht ein „Hab dich zum Fressen gern!“ zu hören?
    Öhöm und ab.
    Herzlichst,
    Meermond

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  4. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass das nur Werbefloskeln sind. Im Schwimmbad würde ich mich sonst womöglich den männlichen Kampfschwimmern an den Hals werfen. Und das sind viele. Noch schlimmer, es schwimmen da auch Omis. Das sind noch mehr. Wenn da das Duschgel wirken würde, wären die vielleicht noch schneller als ich … 🙂
    Herr Moser, seien sie auf der Hut! Wenn Sie es regelmäßig anwenden und es wirkt eines Tages, meiden Sie zu bestimmten Uhrzeiten Cafés und Supermärkte sowie die Schwimmhallen! Die Wirkung könnte Ihnen nicht gefallen.

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  5. Sehr geehrter Herr Moser, so ein Versuchsaufbau muss aber auch ein bisserl variieren….ich traue mich nicht es zu sagen….vielleicht mal an anderen Frauen testen? Den Versuchsort wechseln, z.B. Hallenbad. Ach, da ist so viel Musik drin 😉 es grüßt hikeonart

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