Eitelkeiten

Die gute Nachricht: Ich verfüge, im Gegensatz zu vielen meiner Alterskollegen, noch über dichtes, kaum ergrautes Haupthaar. Die schlechte Nachricht: Es ist von einer Struktur und Beschaffenheit, die einen achtstündigen Schlaf nicht unbeschadet übersteht. Am Morgen spiegelt meine Frisur jede kleinste Bewegung, die ich des Nachts vollführt habe, wider. Und da ich meist unruhig und traumreich schlafe, sieht mein Kopf nach dem Erwachen aus wie ein zerbombtes Weizenfeld nach einer Wühlmausattacke. Und dem haarigen Chaos ist dann auch nicht mit Kamm und Bürste beizukommen, widerspenstig behalten die Haare jene Form, in die ich sie nachts gepresst habe. Ich kann also niemals das Haus verlassen, ohne mir vorher die Haare gewaschen zu haben. Andernfalls würde ich mich dem Gespött des beauty-versessenen Mobs preisgeben.

Da ich am liebsten bettwarm frühstücke und nicht sofort unter die Dusche taumle, um die Haare zu waschen und in Form zu fönen, muss meine liebe Heidi seit Jahr und Tag zum Morgenkaffee den Anblick eines Struwwelmosers erdulden. Erst heute wieder, nach einer traumreichen Nacht über Kühe mit Kniestrümpfen, konnte sich Adelheid ihr Schmunzeln über meine Punkfrisur kaum verkneifen. Ich bin eine sensible Seele und fühlte mich in meiner Eitelkeit tief getroffen.

Jahrelang habe ich über eine Lösung dieses Problems nachgedacht. Nun ist eine Entscheidung gefallen: Ich werde mir eine Morgenperücke zulegen.  In Form, Länge und Farbe meinem eigentlichen Schopf möglichst ähnlich, soll sie griffbereit am Nussholz-Nachttisch liegen. Nach wenigen Handgriffen werde ich dann frisch gestylt und wie aus dem Ei gepellt Heidi gegenübertreten können, ohne ihr spöttisches Lächeln ertragen zu müssen. Oder?

Wichtig: Das obige Foto hat nur Symbolcharakter und mit Herrn Moser nichts gemein! 

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11 Kommentare zu „Eitelkeiten“

  1. Lieber Herr Moser!
    Ich fühle mit Ihnen. Vielleicht sollten Sie es wie ich machen, und sich morgens ein paar Hörner überstülpen. So einem Kuhgesicht am Morgen kann man sicherlich mit einem Lächeln gegenübertreten, aber niemals spöttisch. Vielleicht helfen auch Kniestrümpfe über den Kopf 🙂
    Herzliche Grüße
    PS: Die Vorstellung, Wühlmäuse im Haar zu haben, gefällt mir 🙂
    Mallybeau

    Gefällt 2 Personen

  2. Nun, zu Heidis Belustigung wäre die Perückenidee auf jeden Fall vortrefflich. Nichts ist besser als morgens schon einmal aus vollem Herzen lachen zu dürfen.
    Billiger als die Perücke und sicher nicht weniger lustig wäre es, eine morgendliche Mützenmode einzuführen.
    Oder aber Heidi weiterhin ein sanftes Schmunzeln zu gönnen. Ich glaube, sie macht sich weit weniger Gedanken über Ihren Anblick als Sie daselbst 😉

    Gefällt 1 Person

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