Tunga Bunga

Herr Moser genießt mit Heidi seine letzten Urlaubstage im Reihenhäuschen, gönnen wir ihm ein wenig Ruhe. Ich möchte Ihnen daher an dieser Stelle wieder mal eine kleine Kurzgeschichte aus meiner Feder präsentieren. Die Idee dahinter: Die Abenteuer der Duck-Sippe aus Entenhausen habe ich in meiner Jugend mit Begeisterung verschlungen. Wie mir nun erst bewusst wurde, ist das ganze Setting im Stil der 50er, 60er-Jahre oder noch früher angesiedelt. Keine Handys, keine Computer, uralte Wandtelefone und Autos, Dagobert mit Zylinder und Zwicker, … Geschichten aus einem anderen Jahrhundert. Was, wenn man Donald & Co in unsere heutige, moderne Zeit transferiert und versucht, aus einem Comic eine kleine Abenteuergeschichte zu machen? Seien Sie gespannt…

Das Handy klingelte den Ententanz. Ein Blick auf das Display. „Oh verdammt“, murmelte er. Sein Onkel. Das verhieß nichts Gutes. „Entschuldige bitte. Das scheint wichtig zu sein, ich muss rangehen.“ „Hallo Onkelchen“, meldete er sich.“Donald, gut dass ich dich erwische. Beweg deinen faulen Bürzel – wir treffen uns in einer Stunde am Hafen. Pier 13, bei meinem Wasserflugzeug. Verstanden?““Das passt mir jetzt aber gar nicht, Onkelchen.“ Er senkte die Stimme zu einem Flüstern. „Ich hab da eine heisse Chicka am Start. Da geht heute noch was, du verstehst?“ „Und ob ich verstehe!!!“ kreischte es aus dem Hörer. „Wenn du in einer Stunde nicht am Hafen bist, siehst du nicht einen Taler von meinem Erbe, du verdammter Nichtsnutz! Wir brechen zu einer wichtigen Mission auf – wenn alles klappt, sind wir in zwei oder drei Tagen wieder zurück.““Da gibt es aber noch ein kleines Problem, Onkelchen. Die Kinder haben doch Ferien, und ich kann sie nicht einfach ein paar Tage allein lassen.““Dann pack die kleinen Quälgeister ein und nimm sie mit! Vielleicht sind sie sogar ganz nützlich. Und jetzt gib Gas.“ Tüt tüt tüt. Aufgelegt. Verdammte Entengrütze.“Daisy, wir müssen unser Date verschieben“, säuselte Donald mit seiner sanftesten Süßholzraspelstimme. „Mein Onkel braucht mich. Wir verreisen. Und ohne mich bringt der alte Knacker nichts auf die Reihe, kennst ihn ja. Ich muss los.“Er nahm noch einen Schluck von seinem Blubberlutsch, warf ihr eine Kusshand zu und weg war er. Daisy seufzte. Seufz.

Dagobert knallte den Hörer auf die Gabel. Dieser Neffe raubte ihm den letzten Nerv. Ein Faulpelz und Tunichtgut der Sonderklasse. Er nahm die Brille vom Schnabel und rieb sich müde die Augen. Es war herrlich, so reich zu sein, und er liebte seine Talerchen und Kreuzerchen – jeden einzelnen. Und er hatte mehr als genug davon. Selbst Bill Ganter, dieser Computer-Fuzzi von Macrohard, war mit seinen paar Milliarden ein armer Schlucker im Vergleich zu ihm. Aber etwas gab es, das nicht im Besitz des Entenhausener Krösus war: Der Heilige Stift. Seit Jahrzehnten jagte er der sagenumwobenen Reliquie, die von unschätzbarem Wert war, hinterher. Jetzt hatte Dagobert endlich eine heiße Spur und schon bald würde der Stift das neue Prunkstück in seinem Schrein sein, gleich neben dem ersten selbst verdienten Taler. Der Alte zupfte seine letzten weißen Federn am Kopf zurecht, drückte auf einen Knopf der Sprechanlage und schnarrte: „Verbinden Sie mich mit Gustav. Und dann mit Daniel. Pronto!“

Donald stürmte ins Haus. „Kinder!“ rief er. „Los, packt ein paar Sachen! Wir müssen los.“ Aus dem Wohnzimmer hörte er seltsame Geräusche. Zawooong! Ratatata! Didldü Didldü. Ziiiiiing! Selbst bei schönstem Wetter saßen die drei Racker vor dem Fernseher und spielten ihre seltsamen, lauten Videogames. „Tick! Trick! Track!“ Keine Reaktion. Typisch. Da half nur eines. Er musste sie dort treffen, wo es am meisten weh tat. Donald zog das Stromkabel des Fernsehers aus der Steckdose.“Onkel Doooonald!“ tönten die Jungs vorwurfsvoll wie aus einem Mund.“Game over! Onkel Dagobert braucht unsere Hilfe. Wir müssen in 40 Minuten am Hafen sein – hopp hopp!“ „Geil!“ –  „Krass!“ – „Swag!“ Ein neues Abenteuer lockte.

Mit quietschenden Reifen bremste Donald sein verbeultes, rostiges, rotes Uralt-Cabrio am Pier 13. Sprotz! Gerade noch geschafft, keine Minute zu früh. Uff. Dieser Verkehr wurde immer unerträglicher, ganz Entenhausen war eine Stauzone. Das silbrige Wasserflugzeug mit dem passenden Namen „Billion Taler Baby“ schaukelte auf den Wellen, am Steg warteten Onkel Dagobert, der Pilot und Daniel Düsentrieb. Die drei Jungs stürzten auf sie zu und riefen „Onkel Dagobert! Mr. D.!“ Für den reichen Onkel gab es eine Umarmung, für Mr. D. High Four. Düsentrieb, ein Nerd vom Scheitel bis zur Sohle, hatte einen riesigen Rucksack gepackt, unter dem Arm trug er wie üblich seinen Laptop. Natürlich das neueste Modell, von ihm liebevoll „Helferlein“ genannt. „Hallo Onkelchen!“ grüßte Donald betont freundlich und fügte im Geiste „Du alter Vogel“ hinzu. Dagobert ignorierte ihn und blickte missbilligend auf seine Apple Swatch. „Wo steckt Gustav?“ grummelte er und in dieser Sekunde flitzte Mr. Gans in einem nagelneuen BMW um die Ecke. „Hab ich letzte Woche bei einem Preisausschreiben gewonnen!“ deutete der geleckte Hallodri mit den gegelten Federn auf seine neueste Errungenschaft. „Und vorhin lag ein Fünfer mitten auf der Straße, einfach so! Darum gibts für die Kleinen jetzt ein schönes Eis“, lachte der ewige Glückspilz und zog drei Mal Eis am Stiel aus einer roten Plastiktüte mit dem gelben Schriftzug „Kreuzer Markt“.

Jetzt entdeckte Gustav seinen Cousin Donald. „Wenn das nicht der alte Hartzer Don ist“ flegelte er. „Na, immer noch auf Jobsuche?“ Donald kochte innerlich. Wie er diesen aufgeblasenen Fatzke hasste! Und ständig machte er Daisy schöne Augen… „Herrschaften! Wir sind nicht zum Vergnügen hier“, klopfte Multi-Billiardär Dagobert mit seinem Gehstock auf die Holzdielen des Stegs. „Also: Diesmal geht es nicht um Gold und Edelsteine, sondern um den wertvollsten Schatz, den unsere Kultur kennt – den Heiligen Stift. Meine Spionagesatelliten haben das lange verschollene Relikt auf Tunga Bunga aufgespürt, einer kleinen unerforschten Insel, etwa 900 Seemeilen von hier. Und es ist Eile geboten, ich will nicht, dass uns irgendwelche Schurken zuvorkommen! Alle Mann an Bord!“

Die drei Jungs warfen ihre Baseball-Käppis – rot, blau, grün – in die Luft und riefen: „Jippiiiieh!“

Fortsetzung folgt…

Bild: SZ/Disney

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3 Kommentare zu „Tunga Bunga“

  1. Lieber Herr Moser!
    Ich bin gespannt, wies weitergeht. Die guten alten Donald-Comics habe ich früher, und auch heute noch, mit Vorliebe verschlungen. Die aktuellen Ausgaben, die ja nun auch Handy und anderen Kram beinhalten, gefallen mir nicht mehr besonders. Auch die Dialoge sind leider nicht mehr so schön wie damals, finde ich. Aber vielleicht kommt auch nur mir das so vor…. 🙂
    Herzliche Grüße
    Quaak quaaak
    Mallybeau

    Gefällt 1 Person

    1. Mir ist durch Zufall ein uralter Jubiläumsband zu Donald 60 Geburtstag in die Hände gefallen, was mich zu dem kleinen Experiment inspiriert hat! Wie die Geschichten heute aussehen, weiß ich leider nicht! Viel Spaß und ein schönes Wochenende! 😉😊

      Gefällt 1 Person

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