Glatteis

Meine liebe Mama Fritzi (von Friederike) vollendete letztes Wochenende ihr 77. Lebensjahr, und lud aus diesem festlichen Anlass die ganze große Moser-Familie samt Anhang und Freunden in eine vortreffliche Schenke in einem Vorort von Wien. Die Tafelrunde war ausgelassen und fröhlich, wir schmausten Gesottenes und Gebratenes und ließen uns den einen oder anderen Schoppen Wein schmecken. Man überreichte der Jubilarin gar prächtige Blumengebinde und sparte nicht mit Komplimenten ob des fabelhaft jugendlichen Aussehens von Mama Moser. Ja, die alte Dame ist wahrlich noch gut in Schuss und selbst Papa Poldi (von Leopold) hat noch das gewisse Glitzern in den Augen, wenn seine Fritzi ihren Charme spielen lässt. Der liebe Gott hat es wirklich gut mit ihr gemeint, denn auch im Oberstübchen stehen noch alle Tassen unversehrt im Schrank. Um der Wahrheit die Ehre zu geben sei erwähnt, dass sie sich im Lauf der Jahre natürlich auch ein paar Macken zugelegt hat. Nichts liegt mir ferner als ihr Hypochondrie zu unterstellen, doch hat sie zuletzt ein gewisses Faible für Arztbesuche entwickelt. Getreu dem Motto „Vorbeugen ist besser als Heilen“ sucht sie bei jedem Zwicken und Zwacken den zuständigen Spezialisten auf, und kennt alle Schul- und Alternativmediziner im Umland mittlerweile beim Vornamen. Ihr persönlicher Medizinschrank ist größer und umfangreicher als so mancher Schuhschrank modebewusster Damen. Darin finden sich nicht nur Salben und Pillen jeglicher Farbe, Form und Größe, auch Gerätschaften wie Blutzucker- und Blutdruckmessgerät oder Defibrillator gehören zur Grundausstattung. Und auch wenn sich unsere Mutter-Sohn-Telefonate anhören mögen wie die Fachsimpeleien zweier Primarärzte, ist Mama Moser eine wunderbare Frau und ich liebe sie über alles.

Nach dem überaus reichhaltigen Geburtstagsessen lagen mir das Schweinerne und die schokoladige Torte schwer im Magen, sodass ich daheim im warmen Bett kaum in den Schlaf finden konnte. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Auch frug ich mich, welche Marotten ich im höheren Alter wohl an den Tag legen werde. Würde ich an eiskalten Tagen wie diesen am Fenster sitzen und Passanten beobachten, wie sie am blanken Eis ausrutschen und hinfallen? Würde ich eine Liste Männer/Frauen anlegen, damit die Sache spannender wird?  Und wenn es schließlich Rummms! einen Mann mit Einkaufstaschen erwischt, und die Männer uneinholbar 6:3 in Führung liegen – würde ich das Fenster öffnen und rufen: „Nicht traurig sein liebe Frauen, morgen ist wieder ein neues Spiel!“

Aber ich kann Sie beruhigen: Meine Frau würde dies nie zulassen. Bekanntlich ist ihr Name Adelheid, was aus dem Althochdeutschen kommt und so viel wie „von edlem Wesen“ bedeutet.  Und ein edles Geschöpf wie sie würde mir solche Flausen schnell austreiben. Also werde ich an der Seite von Heidi in Würde altern. Mit dem Gedanken, dass ich die Glatteis-Stürze auf Video festhalte und mit den lustigen Filmchen bei „Pleiten, Pech und Pannen“ ein kleines Vermögen verdiene, schlief ich endlich ein.

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5 Kommentare zu „Glatteis“

  1. Lieber Herr Moser!
    Und wenn die Liste „Männer/Frauen“ später mal unausgeglichen ist und die Damen uneinholbar in Führung liegen, legen Sie sich am besten die Macke des Eisausrutschers zu. Einfach vors Haus gehen und selbst auf die Schnauze fallen lassen, während Ihre Adelheid nun wohl oder übel ein Pünktchen auf der Männerseite addieren muss 🙂
    Herzliche Grüße von der frostigen Alm
    Mallybeau

    Gefällt 3 Personen

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