Die wilde Maus

Dieser Tage übertrumpt in Österreich ein Mann die Medienpräsenz jenes unsäglichen Präsidenten, der immer so aussieht, als hätte man ihm gerade fünf Liter Kürbissuppe ins Gesicht geschüttet: Josef Hader. Der österreichische Kabarettist und Schauspieler ist momentan allgegenwärtig – in Kultursendungen, Talkshows, Radio-Interviews, auf Facebook, Twitter und im Rahmen der Berlinale: An Josef Hader führt derzeit kein Weg vorbei. Das Multitalent der heimischen Kulturszene hat mit der filmischen Tragikkomödie „Die wilde Maus“ nämlich ein neues Werk am Start, bei dem er nicht nur das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle verkörperte, sondern erstmals auch Regie führte. Und wer den melancholisch-bissigen Schmäh und seine feine Klinge des Humors liebt, darf sich auf einen großen Wurf freuen. Jedenfalls machen die im Fernsehen vorgeworfenen Appetithäppchen in Form von Trailern und Ausschnitten Lust auf mehr.

Selbst Editha, unsere ukrainische Putzperle in der Fischkonservenfabrik, liegt bereits im Hader-Fieber. Als ich sie am Freitag beim Fensterputzen im 2. Stock antraf und ihr ein freundliches „Hallo! Was gibt es Neues?“ zurief, antwortete sie: „Guten Morgen, Damen und Cherren! Radio Arabella schenkt dir zweimal zwei Tickets fir neie Film Wildes Maus! Rufst du an und antwortest richtig die Gewinnfrage: Wer isser Regisseeer von Wildes Maus? Gehst du Kino, gratis!“ Editha strahlte. „Und haben Sie angerufen, Editha?“ frug ich. „Der Hader Josef ist richtig“, kam es wie aus der Pistole geschossen. „Jetzt Werbung, dann Frihstickspause!“ Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, erlernt unsere Reinigungsfachkraft die deutsche Sprache vorwiegend bei Radio- und Fernsehsendungen.

Herr und Frau Moser zählen ebenfalls zum Kreis der Hader-Bewunderer, wir lieben seine Live-Programme, seine „Brenner“-Krimis (nach Romanvorlagen von Wolf Haas) und ganz besonders den inzwischen zum Kult erhobenen Streifen „Indien“ an der Seite seines kongenialen Kollegen Alfred Dorfer. Nachdem uns also seit Tagen der Mund wässrig gemacht worden war, hatte ich als alter Romantiker den Geistesblitz, meine liebe Heidi zum Valentinstag mit einem Kinobesuch zu überraschen. Da wir aber am 14. Februar, dem Tag der Liebenden, bereits anderweitige Verpflichtungen haben, schnappte ich Adelheid am gestrigen Sonntagabend und verfrachtete sie verschwörerisch lächelnd ins Auto. Ab ins nächste Lichtspieltheater zu den Hader-Festspielen. Ab ging die wilde Maus!

„Zwei Mal letzte Reihe Mitte für den Hader-Film!“ orderte ich an der Kinokassa. „Freitag und Samstag sind schon ausverkauft, wollen Sie Karten für Sonntag?“ frug das Fräulein am Schalter und lüpfte ihr linkes Augenbrauen-Piercing. „Nein, für heute, jetzt, um 18:30.“ „Tut mir leid, der Film läuft erst ab Freitag, den 17. Februar.“ Mein Blick wanderte zu dem Wilde-Maus-Filmplakat im Foyer. KINOSTART 17. 2. stand hier in dicken Lettern. Uuups, da war mir doch im Vorfeld tatsächlich ein winziges Detail entgangen. Die Überraschung war im Eimer, doch meine Frau hauchte mir eines ihrer entzückenden Heidi-Bussis auf die Wange und meinte tröstend: „Der Wille steht für das Werk, gehen wir halt ein anderes Mal.“

Wenigstens hat uns das Mädchen an der Kinokasse diesmal nicht nach dem Seniorenrabatt gefragt.

Foto: Wega Film

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6 Kommentare zu „Die wilde Maus“

  1. Lieber Herr Moser!

    Das ist ja wirklich schade, dass Ihnen der Kinobesuch und somit das Betreten der dortigen angenehmen Toilettenräume entgangen ist. Aber spätestens, wenn Ihnen das Kürbissuppendatschgesicht wieder vor die Augen kommt, dürften Sie das WC wieder aufsuchen 🙂

    Herzliche Grüße nach Wien
    Mallybeau

    Gefällt 2 Personen

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