Emotional

He’s a desperate man in a world so cold
Und du weißt, ich habe ein Herz wie ein Löwe
He’s just longing for a woman to hold
Und das Herz geht so lange zum Messer bis es sticht

(Falco „Emotional“, 1986)

Am 19. Februar 1957 erblickte in Wien ein gewisser Johann Hölzel das Licht der Welt. Zum jungen Mann herangewachsen, zeigte er als Bassist und gelegentlicher Sänger einiger Wiener Szene-Bands (Hallucination Company, Drahdiwaberl, Spinning Wheel) schon früh sein musikalisches Talent, aber auch seine schon damals ausgeprägte exaltierte Seite. Ende der 70er Jahre wurde ihm klar, dass er zu Höherem geboren war, und er nannte sich fortan Falco. Als Vorbild diente ihm dabei der damals erfolgreiche DDR-Skispringer Falko Weißpflog, und es klang einfach internationaler als Hansi Hölzel. Er feilte an seiner Kunstfigur, kultivierte die Arroganz, und landete 1981 mit „Der Kommissar“ seinen ersten großen Hit. Der Rest ist Geschichte.

Heute hätte Falco seinen 60. Geburtstag gefeiert. Hätte. Denn am 6. Februar 1998 rammte in der Dominikanischen Republik, wohin er sich inzwischen geflüchtet hatte, ein Bus seinen Geländewagen. Ob in suizidaler Absicht bleibt wohl für immer Hansi Hölzels Geheimnis, fest steht jedoch, dass er reichlich Alkohol, Kokain und Cannabis im Blut hatte. Die Drogen forderten – wie schon so oft davor und danach – das Leben eines Ausnahmekünstlers, der mit Erfolg, Misserfolg und Einsamkeit nicht fertig wurde. Um den runden Geburtstag des großen Sohnes meiner Heimat gebührend zu feiern, laufen dieser Tage zahlreiche Dokumentationen im Fernsehen, die jeden noch so finsteren Winkel des Falken ausleuchten. Falcos Höhenflug, seine Abstürze, seine Frauen, seine Musik, der private Hans Hölzel, seine gespaltene Persönlichkeit, sein Kampf mit den Drogen, sein Welterfolg mit Rock Me Amadeus, die geheimnisvollen Umstände seines Todes, nichts wird ausgelassen. Und alle kommen sie zu Wort, seine Freunde, Wegbegleiter, Produzenten, Plattenbosse, Band-Kollegen, Ex-Frauen bis hin zur Puffmutter, an deren Schulter sich der einsame Hansi so manches Mal ausgeweint hatte.

Auch Heidi und ich haben die Sendungen rund um Falcos 60er verfolgt, denn er war über all die Jahre unser musikalischer Begleiter. Gestern Abend pomadisierte ich meine Haare, kämmte sie streng zurück, setzte meine schwärzeste Sonnenbrille auf und sagte zu meiner Liebsten: „Lass uns Falco gedenken und das Glas auf ihn erheben…“ Wir kramten Heidis analogen Plattenspieler und seine Vinyl-LPs hervor, tranken ein Gläschen Gumpoldskirchner und schwelgten in Erinnerungen.

Wir gedachten auch unseres ersten richtigen Rendezvous. Nachdem ich unseligerweise und unabsichtlich Heidis Hündchen Joschi in die ewigen Dackelgründe geschickt hatte (ich warf in Panik eine Pfanne mit brennendem Öl aus dem Küchenfenster und traf Joschi), bat ich das hübsche junge Frauchen um ein Date. Zu meiner Überraschung nahm sie an, und so saßen wir damals, Mitte der Achtziger, an einem lauen Frühlingsabend in einem verrauchten Wiener Szenelokal. Ich trug ein bunt gemustertes Sakko mit Schulterpolstern, die mich wie einen Rugby-Spieler aussehen ließen; Heidi hatte sich etwas Flitter in die geföhnte Dauerwelle gesprüht. Falco war zu dieser Zeit schwer angesagt, und als „Vienna Calling“ aus den Lautsprechern drang, sangen wir beide lippensynchron mit. Die erste Gemeinsamkeit war gefunden. Two, one, zero der Alarm ist rot – Wien in Not! Tscha Tscha Tscha! Wir tauten auf und kamen uns langsam näher. Schließlich ertönte der Song Emotional und bei der Zeile „Ich weiß, dass die Frau, die mich erträgt, noch nicht geboren ist, aber ich bitte dich: Komm zur Welt“ ergriff ich schweigend Heidis Hand, drückte sie und sah ihr tief in die Augen. Seit diesem Augenblick sind wir ein Paar und Falcos „Emotional“ ist unser Lied.

Und als sich gestern diese Scheibe auf unserem Plattenteller drehte, nahm ich Ach, Heidi! fest in meine Arme und küsste sie. „Danke, dass du mich immer noch erträgst“, flüsterte ich. Danke Hansi! Happy Birthday Falco!

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12 Kommentare zu “Emotional”

  1. Lieber Herr Moser!

    Zunächst einmal gratuliere ich natürlich Ihnen und Ihrer lieben Heidi, dass Sie zueinander gefunden haben.
    Doch wenn ich das hier so lese, hätte ich Sie weniger in die Falco-Ecke gesteckt, als vielmehr für einen Bud-Spencer-Fan erster Klasse gehalten. Er ist schließlich der ungekrönte Meister im Pfannen schmeißen mit Bohnen und Zwiebeln. Ich glaube, Sie verschweigen uns da was! 🙂

    Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag wünscht
    Mallybeau

    Gefällt 3 Personen

  2. bis auf die drogen
    ein feiner mensch
    er hat mich oft begleitet
    audiomäßig
    musikalisch
    war er anders wie andere
    nicht wirklich
    er hat nur versucht zu sein wie er sein mußte
    die wenigsten menschen trauen sich soetwas
    alle passen sich nur an
    ich gehöre auch dazu
    zu den anpassern
    obwohl ich manchmal ausbreche
    R.I.P. falko
    du hast deine fehler gemacht
    ich
    muß noch einige machen
    bis wir uns vllt dort oben oder unten
    oder wo auch immer treffen 🙂
    gruß ronny

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  3. Falko Weißpflog ist mir noch ein Begriff, obwohl ich Kind war, als er erfolgreicher Skispringer war. Und als Falco seine großen Hits hatte, die ich mochte – Falco irgendwie auch, irgendwie aber auch nicht -, hörte ich ein Interview, in dem er sagte, er hätte sich nach dem Skispringer benannt, weil er ihm ähnlich sehe. Als das Internet für jedermann kam, googelte ich nach Bildern des Skispringers. Eine Ähnlichkeit konnte ich eher nicht feststellen. Dennoch, es war und ist gute Musik – immer noch. Und bei Out of the Dark krieg ich immer Gänsehaut.
    Herzlichen Glückwunsch an die Mosers! Das war ein harter Anlass zum Kennenlernen.

    Gefällt 1 Person

  4. Das Leben vom Johann : ein verwirklichter Traum,der zu einem Albtraum wurde,leider.Von Österreich in die ganze Welt :Amadeus,Amadeus.Schade,dass er nicht einen anderen Weg eingeschlagen hat.Einen Weg.zum Leben nicht zum Tod.Jedenfalls wird er unvergessen bleiben.Was ihm nachtürlich nichts bringt,aber uns.Ich freue mich,dass Heidi und Du Euch getroffen habt.Wie es das Schicksal so wollte. Liebe Grüsse

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