Hasch mich…

… ich bin der Frühling! Lautet ein um 1910 entstandener, vorwiegend von Männern gebrauchter Spruch, wenn sich eine ältere, nicht mehr ganz taufrische Dame jugendlich gab, um attraktiv zu erscheinen. Das heute etwas rar gewordene „haschen“ bedeutet in diesem Fall etwas schnell ergreifen, fangen (beispielsweise einen Schmetterling), der Frühling steht sinnbildhaft für die Jugend. Wie diese Redensart eine Dame mittleren Alters mit dem heutzutage gebräuchlichen „haschen“ zusammenführt, demonstriert ein Vorfall aus der Fischkonservenfabrik in anschaulicher Weise.

Gestern am frühen Vormittag trieben mich drei Tassen von Heidis hausgebrühtem Kaffee auf das Personal-WC der Herren. Nichtsahnend und schwungvoll öffnete ich die Tür… und erstarrte. Am offenen Fenster stand Editha, unsere ukrainische Putzperle, in der Linken einen Wischmopp, in der Rechten etwas, das wie eine selbstgedrehte Zigarette aussah – aber wie ein Joint roch. Ich war in jüngeren Jahren auch auf Hardrock-Konzerten und in verruchten Clubs, daher ist mir der Geruch von Cannabis durchaus vertraut (ich habe nicht inhaliert, ich schwöre!). „Editha!“ rief ich zwar nur halblaut, aber nicht minder entsetzt. „Was machen Sie hier?! Ist das Mariahuana?“ „Nein“, entgegnete die Reinigungsfachkraft gelassen, „ist kein Gras! Keine Angst. Ist nur Haschisch, von Bruder von meine Cousin, was ist Tirsteher in Club Roter Stern.“ Dazu lachte sie wie ein Pate der russischen Mafia: „Chua, chua, chua!“ „Aber Editha, Sie können hier im Betrieb nicht Drogen konsumieren, das ist illegal!“ Ich packte sie am Aufschlag ihres Putzkittels und schüttelte sie. „Wenn man Sie erwischt, fliegen Sie hochkant raus!“ „Präsident Pfotenchauer ist nix Undercover Boss, hat eigene Klo gleich neben seine Biro. Chua chua chua!“ Editha nahm einen tiefen Zug, hielt ein paar Sekunden die Luft an und blies dann den Rauch aus dem Fenster. Sie hielt mir den fast aufgerauchten Joint hin und frug: „Du auch, Moser? Ist gutes Hasch, aus Marokko. Macht genial daneben!“ Panisch wehrte ich ab: „Sind Sie wahnsinnig? Ich habe in 20 Minuten eine Besprechung mit Pfotenhauer, ich brauche einen klaren Kopf!“ „Verstehen Sie Spaß? Chua, chua, chua!“ lachte Editha und zog noch einmal an der Tüte.

„Weißt du Moser, ich putze chier jede Tag, von frih bis finfzehn Uhr. Eire Schreibtisch, eire Boden, eire Fenster, eire Heisl. (Häusl = wienerisch für Klo, Anm.) Ist Scheißjob. Ist besser mit bissl Piffpaff.“ Sie warf die aufgerauchte Haschzigarette in eine der Klomuscheln und spülte. „Aber wenn Sie erwischt werden!“ warnte ich händeringend. „Arbeit weg, Polizei, Anzeige, Drogenmissbrauch, Gefängnis! Das geht Ruck Zuck! Auf Streife, Strafgericht, Hinter Gittern!“ Editha grinste, als hätte ich ihr einen Karibikurlaub in Aussicht gestellt, steckte die Kopfhörer in die Ohren und meinte: „Jetzt Werbung, dann Frihstickspause.“ Sie schulterte den Wischmopp und verließ mit leicht geröteten Augen die Toilette. Dabei pfiff sie „Happy“ von Will Pharrell.

Verwirrt und überrascht von den Geschehnissen folgte ich dem Ruf der Natur und stellte mich zur Bedürfnisverrichtung an das Pissoir. Kurz darauf betrat mein Kollege Cerny die Keramikausstellung. Er platzierte sich neben mir (aufdringlicher Kerl!) und starrte auf die schwarz-weißen Fliesen. Mitten im schönsten Plätschern rümpfte er plötzlich die Nase: „Herr Moser, haben Sie hier heimlich einen durchgezogen?“ Ich schüttelte ab und ging zum Waschbecken, um mir die Hände zu waschen. „Was meinen Sie, Herr Dr. Cerny?“ frug ich unschuldig. „Sie wissen schon, haben Sie ein Gerät geraucht?“ „Gerät?“ „Hier riecht´s nach Pot, Shit…“ „Wir befinden uns auch am WC!“ konterte ich und trocknete meine Hände mit einem rauen, grauen Stück Papier. „Aber außer Ihnen war ja niemand hier, nur die Putzfrau hab ich vorhin rauskommen sehen. Und die wird ja wohl kaum gekifft haben!!“ ereiferte sich mein Kollege. „Wohl kaum“, sagte ich beiläufig, „aber sie hat ein neues Duftspray ausprobiert, irgendetwas mit marokkanischem Sandelholz oder so.“ Auf dem Weg zurück ins Büro lachte ich laut und russisch: „Chua, chua, chua!!!“

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13 Kommentare zu „Hasch mich…“

  1. Lieber herr Moser!

    Möglicherweise hat der dreiste Cerny Ihnen ein wenig von dem üblen Zeug ins Essen gemischt, so dass Sie sich das mit Editha nur eingebildet haben. Denn wie Sie schon richtig sagten, wird solch eine Putzperle wohl kaum gekifft haben.
    Oder war da etwa etwas in Heidis hausgebrühtem Kaffee? 🙂

    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    Gefällt 4 Personen

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