The Butterfly Effect

Nach einem anstrengenden, nervigen (Cerny!) Arbeitstag im Fischkonserven-Management brauchte ich gestern dringend etwas Ruhe und Entspannung in unserem idyllischen Reihenhaus-Gärtchen. Ich schnappte mir einen Becher mit Schokopudding aus dem Kühlschrank und ließ mich im zitronengelben Liegestuhl nieder. Bereits nach ein paar Löffelchen des cremigen Genusses nickte ich, eingelullt vom Gesumse der braven Bienen, ein. Ich träumte von der reichhaltigen Insektenwelt Guatemalas, von eklig-weißen Larven, die ihre Eier unter der Haut ablegen, von riesigen Hornissen und juckenden Stichen, und von hubschraubergroßen Libellen.

Während ich im Traum von giftigen Waldameisen malträtiert wurde, verspürte ich plötzlich ein sehr reales Kitzeln um die Nase… und als ich die Augen aufschlug, starrte ich in die hässliche Fratze eines Zweibrütigen Würfel-Dickkopffalters (Pyrgus armoricanus), der sich flügelschlagend an meinen auf der Brust ruhenden Puddingbecher heranpirschte. In einer panischen Erstreaktion warf ich den Pudding wie eine scharfe Handgranate, begleitet von einem gellenden Warnschrei, weit von mir. Zu meinem Leidwesen landete die Schokobombe in Heidis frisch geföhnter Frisur. Meine ahnungslose Frau hockte gerade vor unserem neu angelegten Blumenbeet, und sprach mit den ersten bunten Wiesenblumen, die eben das grüne Köpfchen durch das dunkle Erdreich steckten. Ihr verschlug es vor Schreck im ersten Moment die Sprache, denn erst als die braune Pampe aus ihren Haaren auf die Blumenbabys tropfte, war sie zu einer Reaktion fähig, die ich hier nicht wortwörtlich wiedergeben möchte. Sinngemäß frug sie mich mit erhobener Stimme, ob ich noch ganz sauber ticke.

Nachdem ich ihre Frage wahrheitsgemäß mit JA beantwortet hatte, schlich ich reuig an Heidis Seite und leckte die Reste des Schokopuddings aus ihrem indianerschwarzen Haar. Sie tätschelte mir den Kopf wie einem Hund, der eben die Nachbarskatze ins Ohr gebissen hatte, und wollte wissen, was bloß in mich gefahren sei. „Der Schmetterlingseffekt!“ erklärte ich kleinlaut. „Der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien kann einen Tornado in Texas auslösen. Und der Flügelschlag eines Schmetterlings in einem Wiener Reihenhausgarten kann auch Frauenhaar schokoladig schmecken lassen. Quod erat demonstrandum.“

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28 Kommentare zu „The Butterfly Effect“

  1. Lieber Herr Moser!

    Die Geschichte ist ja grade nochmal gut ausgegangen. Ich hatte im ersten Moment schon die Befürchtung, der Schokopudding wäre auf dem Haupt des werten Erdmännchens Toni gelandet. Wie hätten sie sich da wohl aus der Affäre gezogen? 🙂

    Herzliche Grüße in den Garten
    Mallybeau

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    1. und ich hatte zu Beginn des Lesens die Befürchtung, dass der zitronengelbe Liegestuhl mit schokoladebraunem Pudding angeschmiert wird. Aber die Lösung, die Herr Moser uns anbietet, ist ja noch viel, viel aufregender.
      Ich frage mich voller Ernst: „Möchte ich mit einem becherwerfenden Puddingmonster, vor allem Schokoladenpudding, der so gar nicht mein Fall ist, ehelich verbunden sein????? – Die Antwort behalte ich für mich!

      Gefällt 2 Personen

      1. Liebe Clara!
        Der werte Herr Moser hat doch niemals absichtlich seine gute Heidi beworfen. man bedenke die Schrecksekunde der er ausgesetzt war. In solchen Situationen sind schon ganze Häuser eingestürzt und Ehen zu Bruch gegangen. Ich finde hierfür hat Herr Moser die Lage doch wirklich brilliant gelöst 🙂

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        1. Ach du Liebe, ich wollte dem Herrn Moser nichts Böses tun, auch nicht mit Worten. Es war nur unglücklich, dass es gerade Pudding war, den ich nun üüüüüüüüüberhaupt nicht mag, zumindest, wenn es gekochter ist. Und wenn es dann auch noch Schokopudding ist, den du so liebst, dann überkommt mich ein leichtes Schütteln.
          So unterschiedlich sind die Geschmäcker.

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                  1. Ich gehe trotzdem nicht in die Politik, auch wenn er noch so schnuckelig anzusehen ist (unter all den weniger ansehnlichen Politikern). 🙂
                    Allerdings weiß ich inhaltlich viiiiiiiiiiel zu wenig von ihm.

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