Weltnichtrauchertag

Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe – ob auf einem Online-Nachrichtenportal, auf Facebook oder in der Tageszeitung. Vielleicht habe ich es auch im Radio gehört, oder einen Beitrag in der Televison gesehen. Egal. Jedenfalls ist heute Weltnichtrauchertag und damit der geeignete Zeitpunkt, um Ihnen ein Geständnis zu unterbreiten. Möglicherweise erinnert sich der eine oder andere Stammleser noch an meine vollmundige Ankündigung, im Oktober 2016 gemeinsam mit Heidi den Zigaretten abschwören zu wollen. Ich habe dieses Thema nach dem Stichtag kein einziges Mal mehr erwähnt, und zwar aus einem guten Grund namens Scham. Der eiserne Wille, der gute Vorsatz löste sich nämlich schon nach wenigen Wochen in Schall und Rauch auf. Wir sind gescheitert, ganz klar. Jedoch hat die Sache auch etwas Gutes: Blies ich früher zirka eine Schachtel Tschik (die wienerische Entsprechung für Kippen) pro Tag in die Luft, bin ich heute nur mehr Gelegenheitsraucher. Im Klartext: Ich rauche nur noch bei passender Gelegenheit – nach dem Essen, nach den ehelichen Verrichtungen, bei einem Glas Wein, beim Warten auf Godot. So komme ich inzwischen auf nur noch rund 20 Glimmstengel pro Tag. (Obwohl es sich von „Stange“ ableitet, schreibe ich mit voller Absicht nicht Stängel, die Rechtschreibreform kann mich mal.)

Gestern Nacht und heute Vormittag haben ein paar gewittrige Regenschauer, wie es im Meteorologendeutsch heißt, die schwüle Luft über Wien ein bisschen abgekühlt. Es wehte ein angenehmes Lüftchen, sodass ich das gestern erlassene Fensteröffnungsverbot kraft des mir verliehenen Amtes als Abteilungsleiter wieder aufhob. Ich schenkte mir aus der Thermoskanne ein Tässchen Kaffee ein, und stellte mich an das offene Bürofenster, um genüsslich ein Frühstückszigaretterl zu rauchen. „Rauchen verstopft Ihre Arterien!“ ging der leidenschaftliche Nichtraucher und Hobby-Marathonläufer Jonas Cerny umgehend in Missionarsstellung. „Ich kann lesen!“ gab ich zurück und deutete auf meine Zigarettenpackung, wo dieser Spruch in riesigen, weißen Lettern auf todesschwarzem Hintergrund prangte. Demonstrativ blies ich eine Rauchwolke aus dem Fenster, ich lass mir doch meine Portion Nikotin zum Kaffee nicht vermiesen. Aber Cerny ließ nicht locker und predigte ausdauernd weiter über tödliche Gefahren, Impotenz, Lungenkrebs und Geldverschwendung. Ich zählte inzwischen alle silbergrauen Autos am Parkplatz und kam auf 14.

„Wie wollen Sie eigentlich den 16-Stunden-Flug nach Guatemala ohne Tschik überstehen, und das bei Ihrer Flugangst?“ fuhr Ungustl Cerny sein letztes und schwerstes Geschütz auf. „Kein Problem“, konterte ich. „Erstens hab ich keine Flugangst, sondern Absturzangst. Zweitens bin ich nicht süchtig, sondern Genussraucher. Und in einem Flugzeug mit Ihnen, werter Cerny, wo ich wiederaufbereitete Luft gemischt mit Hautpartikeln und Kopfschuppen atmen muss, vergeht mir ohnehin jeder Gusto. Drittens merken Sie sich bitte für den Fall eines Absturzes: Mein nikotinverseuchter Körper samt verstopften Arterien ist für den Verzehr absolut ungeeignet und gesundheitsschädlich. Also Finger weg!“

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17 Kommentare zu “Weltnichtrauchertag”

  1. Also, lieber Herr Moser, das Thema Guatemala treibt Sie um, ich lese das deutlich!
    Sie sollten sich vielleicht einen dieser Pseudo-Glimmstengel mit Flüssigzusatz für geheim auf dem Flugklosett anschaffen …
    Vorher aber dringend einpaffen, nicht dass das Ding in der Kabine Feuer fängt!

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  2. Lieber Herr Moser!
    Da muss ich mich nun das erste Mal auf die Seite des werten Herrn Cerny stellen. Was rauchen mit Genuss zu tun haben soll, war mir schon immer ein Rätsel.
    Nun ja, aber ich denke, solange Sie während des Fluges keinen Glimmstängel entzünden und als Flugzeugbomber in die Geschichte eingehen bleibt Ihr guter Ruf ja gewahrt. Und das ist schließlich die Hauptsache 🙂
    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    Gefällt 2 Personen

  3. Vielen herzlichen Dank für dieses Argument (mein Fleisch ist giftig!). Hätte ich heute gut brauchen können, musste ich doch, gemütlich in der Sonne bei Cappucci und Stengel (wahlweise Stängel) sitzend, von einer Schulklasse ins drastische Kreuzverhör genommen, das einen Two-Face beeindruckt hätte. Die von ihren Lehrern instrumentalisierten Kiddies arbeiteten tapfer und mich quälend ihren „Fragenkatalog“ ab – hätt ich da schon nur Ihren Text gelesen … 🙂 So konnte ich nur dafür plädieren, dass auf sämtlichen Weinflaschen abnorm vergrößerte Nieren abgebildet werden und auf jedem SUV ein Unfallfoto mit der Schrift: Dieses Auto kann töten …

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  4. Wie sagte schon mein Großvater, jener war einen Zigaretterl und einem Glaserl Wein nicht abgeneigt und ist dennoch alt geworten.
    Alkohol und Nikotin macht die halbe Menschheit hin.
    Ohne Wein und ohne Rauch stirbt die andere Hälfte auch.

    Gefällt 3 Personen

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