Chorizo

Nach längerem Auslandsaufenthalt dauert es bei Herrn Moser eine Weile, bis er sich punkto Sprache, Kultur und Essgewohnheiten wieder in der alten Heimat einfindet. Ich dachte mir also nicht viel dabei, als ich heute Morgen an die Wursttheke unseres örtlichen Supermarktes trat, und bei Frau Fachverkäuferin Sonja Heinisch meine Wünsche in Spanisch deponierte. In einer Woche Guatemala hatte ich mir doch einige Grundkenntnisse angeeignet, die mir wie selbstverständlich in Fleisch und Wurst übergegangen waren. „Hola, buenas dias Senora Heinisch! Quiero cien grammos de chorizo por favor! Pero muy fino.“ (Hallo, guten Tag Frau Heinisch! Ich hätte gerne 100 Gramm Chorizo bitte! Aber sehr dünn geschnitten.“) Gestatten Sie mir an dieser Stelle den Hinweis, dass man die würzige spanische Rohwurst mit Paprika und Knoblauch Tschoriso ausspricht, und nicht Schorizo – ein Fehler, der selbst gelernten Sterneköchen nicht auszutreiben ist.

„Guten Morgen Herr Moser!“ grüßte Frau Heinisch freundlich. „Warn´S auf Urlaub?“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Na, weil´S so gut italienisch sprechen!“ „Es war weniger ein Urlaub, mehr ein Gipfeltreffen geschäftlicher Natur. In Guatemala. Und das war auch nicht italienisch, sondern spanisch.“ „Ui! Aber des Wetter war net schön, oder? Sie sind ja blass wie eh und je.“ „Ich war die meiste Zeit im Hotel. Mein Koffer ging verloren, und dann suchte mich Montezumas Rache heim.“ „Jessasmariaundjosef!“ zeigte die Wurstthekenfrau ehrliche Anteilnahme. „Der Montezuma??! Von dem hab i scho ghört. Für was hat sich der jetzt gerächt? Is der vom IS?“ „Nein, so nennt man eine Verdauungsirritation aufgrund außergewöhnlicher, hygienischer Umstände. 10 Deka Tschoriso bitte!“ deutete ich auf die schmackhafte Wurst, die rötlich und mit großen, weißen Fettstückchen in der Theke ein unbeachtetes Dasein fristete. „Ahh, Sie meinen die Schorizo!“ erkannte Frau Heinisch endlich mein Begehr. Wenn selbst eine gelernte Fleischerei- und Wurstfachverkäuferin die Chorizo nicht richtig auszusprechen vermag, ist wohl Hopfen und Malz verloren. Ich nickte: „Ja, bitte dünn aufschneiden.“

„Wollen´S die Wurscht in ein Gebäck rein?“ frug Frau Heinisch. „A frisches Tschiabatta hätt ma heute.“ Liebe Leute, lasst euch gesagt sein, dass man dieses herrliche Brot aus Italien richtigerweise Tschabatta – ganz ohne i!!! – ausspricht. Man sagt ja auch nicht Dschiovanni für Giovanni, sondern Dschovanni. Oder Tagliatelle, die Taljatelle gesprochen werden. Das i vor einem Vokal entfällt im Italienischen. Da ich mit der rührigen Verkäuferin keinen Lebensmittel-Fremdsprachenkurs anfangen wollte, ließ ich mir die Corizo in zwei Semmeln legen.

„An guadn Appetit und hasta la vista, Senjor Moser!“ verabschiedete mich die Thekenkraft und sprach das H bei hasta la vista tatsächlich hörbar aus, obwohl es ein stummes h ist. „Wiederschaun Frau Heinisch!“ Langsam fühle ich mich wieder zu Hause.

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9 Kommentare zu „Chorizo“

  1. Sei nicht so streng 😂 mit Leuten, die nicht so korrekt „ausländisch“ sprechen. Ich kenne es von mir. Hört sich schlimm an, ja, aber Spanier und Italiener können ja oft auch kein perfektes Deutsch 😆 Hab eine Freundin, die *Baiser* genau so spricht wie es da steht. Sie lässt sich das auch nicht ausreden. Hauptsache alle verstehen, was gemeint ist. 😃

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