Der General, Teil 3

Was bisher geschah: Eines Abends klingelt es an der Tür und als Lisa öffnet, beginnt ein Alptraum. Der ekelhafte, gefährliche Psychopath Ronny, der ihr schon in der Schule nachgestellt hatte, dringt in ihr Haus ein und erschießt kaltblütigen ihren Mann. Sie wird vergewaltigt und entführt. Seit Wochen ist sie bereits in Ronnys Keller gefangen und angekettet, muss seine grausamen Übergriffe erdulden. Ihr einziger Freund und Tröster in dieser Hölle ist der „General“ – eine hochintelligente Ratte mit telepathischen Fähigkeiten, die aus der Zukunft kommt. Kann der General Lisa retten?

(Der General)

Wir übernahmen die Weltherrschaft langsam, unmerklich, schleichend. Es gab keine Revolution, keinen Krieg. Die Menschen selbst bereiteten uns den fruchtbaren Boden. Irgendwann waren die Städte nahezu unbewohnbar – Müll, Abfälle und Kloake beherrschten das Straßenbild. Ein wahres Rattenparadies. Von Generation zu Generation wurden wir stärker und größer, gegen die diversen Menschengifte waren wir längst immun. Meine Art vermehrte sich in irrwitziger Geschwindigkeit. Aber wir wurden nicht nur mehr, wir wurden auch klüger. -Zig Milliarden Ratten stellten zwar eine Macht dar, doch wir waren nicht organisiert. Also schlossen sich die intelligentesten unter uns zusammen, zeugten Nachwuchs, der wiederum selbst noch klügere Ratten in die Welt setzte, und so weiter. Sie wissen, was ich meine. Eines Tages hatten wir eine Elite-Generation, welche die menschliche Sprache verstehen konnte, und die mit dem Aufbau sozialer Strukturen begann. Ich selbst entstamme dieser elitären Schicht. Mein Vater ist der Commodore, ich selbst werde General genannt. Es gibt nur wenige unter uns, denen die Ehre eines Namens zuteil wird.

Eines Abends kam mein Vater nach Hause – wir wohnten sehr komfortabel im Heizungskeller einer verlassenen und geplünderten Herrschaftsvilla – und rief mich zu sich. „Sohn“, sagte er. „Wie uns zu Ohren gekommen ist, haben die letzten verbliebenen klugen Köpfe unter den Menschen in den letzten Jahren an einer Zeitmaschine gearbeitet, die nun vor ihrer Fertigstellung steht. Offenbar will man rund 250 Jahre zurückreisen, um das Schicksal zu korrigieren… um Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe zu treffen, um die Mega-Konzerne zu zerschlagen. Einzelheiten sind uns nicht bekannt. Ich habe aber beschlossen, dass du dich als blinder Passagier an Bord dieser Zeitmaschine schleichen wirst. Du gehörst ja zu den wenigen unter uns, der nicht nur die Sprache der Menschen versteht, sondern auch mittels Telepathie mit ihnen kommunizieren kann. Sobald die Zeitreisenden etwas unternehmen, was das Emporkommen unserer Rasse gefährdet, wird es dein Auftrag sein, ihre Pläne mittels telepathischer Suggestion zu manipulieren und zu verhindern.“

Wir landeten auf einem verrotteten, längst unfruchtbaren Maisfeld eines scheinbar verlassenen Bauernhauses. Ich wollte mich im Schutz der Dunkelheit an die Fersen der Crew heften, doch dann kam der Mond hinter den Wolken hervor und Dr. Fred Martens, der Politik- und Sozialwissenschaftler im Menschen-Team, entdeckte mich. „Verdammte Mistviecher!“ fluchte er und warf einen Stein nach mir. Ich flüchtete in das baufällige Gehöft… und landete im Keller, wo ich eine junge Frau namens Lisa kennenlernte.

(Lisa und Ronny)

„Zeit fürn bisschen Spaß“, grinste Ronny sie an und begann an seinem Gürtel zu fummeln.

„Ronny, bitte lass mich gehen!! Ich werde niemandem etwas verraten und auch nicht zur Polizei gehen! Das schwöre ich!!“ flehte Lisa.

Er lachte kurz auf und schüttelte den Kopf. „Du hast mich in der Schule schon für nen Idioten gehalten, daran hat sich scheinbar nix geändert.“

Ängstlich kauerte sie am kalten Steinboden, die angezogenen Beine fest umschlungen. Ich kann es nicht tun, dachte sie, ich bringe es nicht fertig. Unauffällig schaute sie nach dem losen Stein in der Wand, ihrem Versteck.

„Nein, ich halte dich doch nicht für einen Idioten… damals in der Schule… du musst verstehen, ich wollte einfach noch nichts von Jungs. Meine Mutter hätte mich umgebracht. Aber das hatte nichts mit dir zu tun…“ versuchte Lisa Zeit zu gewinnen.

„Du bist ein eingebildetes, kleines Dreckstück. Hältst dich für was besseres oder so.“ Ronny schälte sich umständlich aus seinen fleckigen Jeans, dann zog er mit einem Ruck auch den Slip runter. Wie ein weißer, dicker Blutegel baumelte sein Glied in einem wuchernden Wald aus Schamhaaren. Sofort begann er, daran herumzukneten. Er machte ein paar Schritte auf sie zu, bis er knapp vor ihrem Gesicht stand.

„Los, jetzt kannste mal was anderes als Trübsal blasen…“ lachte er und packte sie an den Haaren. „Und komm nicht auf irgendwelche Dummheiten, Schlampe. Sonst siehste deinen Buchhalter schneller wieder als dir lieb ist.“

Lisa schloss die Augen und kämpfte mit der aufsteigenden Übelkeit. „Wenn ich jetzt kotze, bringt er mich um“, dachte sie.

Plötzlich meldete sich der General. Laut und deutlich hörte sie ihn sagen: „Tu es! Wenn du weiterleben willst, weißt du, was du zu tun hast. Denn eines Tages, wenn er genug von dir hat, wird er dich töten.“

Sie nickte und flüsterte: „Okay.“

Ronny grinste: „Na also.“

Sie versuchte, alle Gedanken und Gefühle abzuschalten. Sie war nur noch ein Organismus, der funktionieren musste, der überleben wollte. Um jeden Preis. Der kleine Ronny war hart geworden und vergnügte sich in ihrem Mund. Lisa bemerkte, wie sein Atem schwerer wurde. Vorsichtig schielte sie nach oben. Der besoffene Fettsack hatte die Augen geschlossen und lächelte, als wäre er soeben ins Himmelreich aufgestiegen.

„JETZT!“ Wie ein heller Blitz schoss das Wort durch ihren Kopf.

Langsam tastete sie mit der Rechten nach hinten, wo hinter dem lockeren Ziegelstein das Geschenk des Generals wartete – eine etwa 20 Zentimeter, spitz zulaufende und scharfkantige Glasscherbe. Dann ging alles sehr schnell. Mit voller Kraft biss Lisa zu, sofort spürte sie den salzig-eisigen Geschmack seines Blutes im Mund. Ronny schrie auf, laut, ungläubig, unmenschlich. In dieser Sekunde schnappte sich Lisa die Scherbe und stieß sie mit aller Kraft in die Brust ihres Peinigers – dorthin, wo sie sein Herz vermutete.

(Der General)

Das war vor etwa zwei Wochen. Das Arschloch ist binnen weniger Minuten gestorben, hatte noch ein bisschen geröchelt und gezuckt, während das Mädchen hysterisch schluchzte. „Es war richtig, Lisa. Gut gemacht“, sprach ich ihr Trost zu.

Nachdem sie ein paar Mal zögerlich auf den leblosen Körper hingetreten hatte, um sicherzugehen, dass Ronny wirklich tot war, begann sie seine auf dem Boden liegenden Jeans zu durchsuchen.

„Wo ist dieser verdammten Schlüssel??!!!“

Zitternd und fluchend griff sie in alle Taschen, förderte aber nur ein Feuerzeug, einen Flaschenöffner, 35 Cent und ein benutztes Papiertaschentuch zutage. Dann tastete sie den Boden ab, vielleicht war er ja rausgefallen. Nichts. „Er hat den Scheiß-Schlüssel nicht bei sich!!“ schrie Lisa und rüttelte wie eine Irre an ihrer Fußfessel. Wieder und immer wieder.

Die junge Frau balancierte in den nächsten Tagen am Rande des Wahnsinns. Die meiste Zeit hockte sie wimmernd am Boden oder starrte schweigend vor sich hin. Auch für meine Worte war sie nicht mehr empfänglich. Ich sendete ohne Unterlass, aber ihr Empfänger war abgeschaltet. Ihr Durst muss höllisch gewesen sein. Neben ihr verweste der aufgedunsene Körper von Ronny Paulsen und verströmte einen bestialischen Gestank. Es war heiß.

Gestern ist Lisa gestorben, sie hat sich mit der Glasscherbe die Pulsadern aufgeschnitten. Ich konnte es nicht verhindern. Die Zukunft ist offenbar Schicksal und lässt sich nicht verändern. Diese Lektion habe ich gelernt. Ich werde meine Zeitreise-Mission abbrechen und hier bei euch bleiben. Wahrscheinlich werde ich mir ein hübsches, kluges Weibchen suchen und eine Familie gründen.

 

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23 Kommentare zu “Der General, Teil 3”

  1. Da fragt man sich doch… wenn ich darf – also warum hat sich der General denn überhaupt um Lisa gekümmert, wenn er dann nichts weiter macht? Oder wollte er mit Ronny nur eine extra große Portion (nicht ganz so)-Frischfleisch? Und mit Lisa dann noch den Nachtisch? Versteh einer die Ratten ^^

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      1. Na gut, weiter oben schreibst du, dass es nur ein Experiment war. Also ging es vielleicht um die Elemente Sex, Gewalt und Untergang des Menschen und ich will dir hier nicht deine Geschichte auseinander pflücken. Dennoch finde ich, dass eine hochintelligente Ratte mit telepathischen Fähigkeiten doch mehr zustande bringen sollte als eine Glasscherbe zu Lisa zu bringen. Wobei natürlich immer noch die Frage bleibt, warum der General Lisa überhaupt hilft, da Ratten Menschen nicht unbedingt mögen und er in seiner Zeit und Welt sicher viel mehr menschliches Elend gesehen hat. Fragen über Fragen 😉 Ich bin gespannt auf dein nächstes Experiment.

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  2. Sogar das Schwanz-Abbeißen muss Frau generalstabsmäßig planen, wenn es nicht schief gehen soll. Sie hätte eben – so es denn möglich gewesen wäre bei diesem Fiesling – den Schlüssel für die Fußfesseln vorher erobern sollen.
    Aber dann wäre ja ein ganz anderes Ende rausgekommen.
    Eklig war es schon, wenn ich mir diese Situation bildlich vorstelle.

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