Fax mal wieder!

Hätte man mir in den 80er Jahren die Frage gestellt: „Was hat drei Buchstaben, endet mit X und ist saugeil??“ wäre meine Antwort mit Sicherheit wie aus der Pistole geschossen gekommen: das FAX! Viele meiner älteren Leser werden das Gerät, das damals unseren Büroalltag revolutionierte, noch kennen. Voller Wehmut erinnere ich mich zurück, als in unserer traditionsreichen Fischkonservenmanufaktur die Faxgeräte Einzug hielten. Ihr Herr Moser war seinerzeit natürlich noch bei weitem kein Abteilungsleiter, sondern bloß ein junger Bürohengst, doch als die ersten Faxmaschinen bei uns installiert wurden, bekam mein Arbeitstag plötzlich einen Sinn. Alles wurde gefaxt, Sätze wie „Natürlich Herr Direktor, ich fax Ihnen das gleich rüber!“ oder „Ja klar, schick mir einfach ein Fax“ wurden tausend Mal täglich ausgesprochen und gehörten bald zum Standard-Sprachschatz der Bürokultur. Ich erinnere mich weiters, dass der größte Teil meiner Arbeitszeit für die Produktion von Schriftstücken draufging, die nur einen Zweck hatten: gefaxt zu werden. Auf meiner elektrischen Schreibmaschine fabrizierte ich Briefe, Aufstellungen und Kalkulationen als Munition für das Faxgerät. Und am Nachmittag fütterte ich die Wundermaschine mit dem am Vormittag Geschriebenen, lauschte dem Rauschen und Zirpen der Telefonleitung und erfreute mich an der Vorstellung, dass mein Brief in dieser Sekunde 1:1 am anderen Ende der Welt aus einem Fax quillt. Natürlich trieben wir mit dem Gerät auch Schabernack, kopierten das Foto eines Revolvers auf ein Blatt Papier, schrieben darunter: Das ist ein ÜBERFAX! Faxen Sie uns sofort Ihr gesamtes Bargeld – keine Polizei! und faxten es an die Bankfiliale vis-à-vis, die heute schon längst ein Wettcafé ist. Den ersten Faxgeräten wohnte auch ein Zauber namens Thermopapier inne und ich staunte nicht schlecht, als mich Direktor Pfotenhauer eines Tages bat, ihm den Vertrag zu bringen, den ein gewisser Kornheisl im Vormonat gefaxt hatte. Der Vertrag bestand aus einer kaum zu glättenden Papierrolle und die Schrift war wie bei Zaubertinte nahezu unsichtbar geworden. Magic! Ich liebte unser Faxgerät und wähnte mich im Olymp der modernen Telekommunikation, endlich in der Zukunft angekommen. Doch dann kamen wenig später die ersten leistbaren Heimcomputer auf den Markt, irgendwann erfand so ein Klugscheißer das Internet und E-Mail, und mein geliebtes Fax verschwand in der Versenkung, nutzlos geworden wie die Tageszeitung von letzter Woche. Oh, wie vermisse ich dieses schrille Pfeifen im Telefonhörer, wenn man irrtümlich die Fax-Durchwahl gewählt hatte!

Ein ähnliches Schicksal war übrigens auch dem in den 80er und 90er Jahren sehr beliebten Anrufbeantworter beschieden. Ein absolutes Must have – als Heidi und ich unsere erste kleine Wohnung bezogen, kaufte sie ihren Zimmerpflanzen pastellfarbene Übertöpfe und ich unserem Festnetzanschluss einen Anrufbeantworter, kurz und hipp AB genannt. Wer damals auf sich hielt, trug Sakkos mit aufgestelltem Kragen, umgekrempelten Ärmeln und Schulterpolstern, die Dauerwelle als „Frisur“ am Kopf, hörte Falco, Nena und Opus und war telefonisch nur über den AB erreichbar. So demonstrierte man damals, wie wichtig und gestresst man war. Wer in den späten Achtzigern bei Familie Moser anrief, bekam bloß Max Raabe ans Telefon, der „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau intressiert sich für mich“ näselte und danach Heidi mit wohlklingendem Timbre: „Hallo, hier sind die Mosers. Wir sind derzeit leider nicht erreichbar, bitte hinterlassen Sie uns eine Nachricht nach dem Biep-Ton! Wir rufen sobald als möglich zurück.“ Eine feine Sache. Nach außen demonstrierte man Unabkömmlichkeit, gleichzeitig konnte man in Ruhe entscheiden, ob man überhaupt zurückrufen will. Doch dann kamen die ersten leistbaren Handys und irgendwann erfand so ein Klugscheißer das Smartphone, und mein geliebter AB verschwand in der Versenkung.

Doch zurück zum Fax. Aus welcher Zeit stammt diese wundervolle Erfindung, was würden Sie spontan schätzen? Wahrscheinlich werden viele von Ihnen auf Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre tippen, oder? Falsch. Das Faxgerät geht zurück auf die 40er Jahre, allerdings nicht 1940 – sondern bereits 1840!! Am 27. Mai 1843 bekam nämlich der schottische Mechaniker und Erfinder Alexander Bain das britische Patent für seine „Verbesserungen in der Herstellung und Regulierung von elektrischen Strömen und Verbesserungen in Uhren und in elektrischen Druck- und Signaltelegrafen“, genauer für einen Kopiertelegrafen. Das war das erste Faxgerät, mit dem man Handschriften oder Zeichnungen elektrisch übertragen konnte. Wir feiern also morgen das unglaubliche Jubiläum „175 Jahre Fax“. Dieses sensationelle Wissen teile ich gerne mit Ihnen und Sie können die kleine Anekdote über die Entstehung des Faxgerätes gerne unentgeltlich als Kracher beim nächsten Party-Smalltalk zünden. Ich verlange dafür kein Honorar, keine Gage, keine Urheberrechtsentgelte, da ich mit diesem kleinen Internet-Tagebuch keine Gewinnabsichten hege und kein Geld verdiene.

Dies führt mich zur Datenschutz-Grundverordnung DSGVO, die in den letzten Wochen für so viel Aufregung unter meinen werten Blogger-Kollegen gesorgt hat und die nun gestern endgültig in allen 28 EU-Staaten in Kraft getreten ist. Zeter & Mordio wurde gerufen, ich schließe meinen Blog, ein Wahnsinn, was muss ich tun, wie soll ich mir 20-Millionen-Abmahnungen leisten, ich hab die Schnauze voll und dergleichen mehr. Es wurde recherchiert, Anwälte und Spezialisten konsultiert, mehrteilige Serien über den richtigen Umgang mit der Verordnung wurden publiziert und die Verwirrung war groß. Wie der treue Leser sicher noch nicht bemerkt hat, gibt es seit dem gestrigen Freitag keinerlei Änderungen auf dem Blog von Herrn Moser. Nada, nix, niente. Ich stelle ein paar kleine Geschichten ins Netz und hoffe, dass sie euch gut unterhalten. Ich verdiene damit aber kein Geld, ich verarbeite keine personenbezogenen Daten und hege auch sonst keine unlauteren Absichten. Wer zur Sicherheit aber trotzdem gerne eine Datenschutzerklärung von mir hätte, kann mir nach dem Biep! gerne eine Nachricht hinterlassen. Ich faxe sie Ihnen dann zu. Biep!

Abbildung: SWR.de

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34 Kommentare zu „Fax mal wieder!“

  1. Moin. Vor dem „Biep“ war das „Ratatata“ des Fernschreibers.
    Als ich in den 70ern, noch in der Ausbildung, auf eine Dienststelle versetzt wurde um neben dem Theoretischen auch das Praktische zu lernen, war eine der ersten Fragen: „Kannst du mit dem Fernschreiber umgehen?“
    Natürlich konnte ich, welch Frage? Aber das war doch irgendwie die falsche Antwort. Denn von dem Zeitpunkt an schien ich für das Ratterding alleinverantwortlich zu sein.
    Und heute? 😉

    Gefällt 4 Personen

      1. Ja, das Ding war „geil“ – rückwirkend betrachtet. Für viel Gelächter hat folgende Situation gesorgt: Ein alter Kollege, also wirklich alt, vom Aussehen so, als wenn er schon 1914 bis 18 dabei war, kam an, wedelte mit einem Blatt Papier und forderte mich auf: „Meier, setzen sie ein Fernschreiben ab.“ Er übergab mir einen handschriftlich verfassten Text mit den Worten: „Das ist eine Geheimsache, also nicht lesen!“ Ähm ja …

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  2. Lieber Herr Moser!

    Sorry mein Fax ist kaputt. Jetzt schreibe ich halt ganz plump auf virtuelles Papier … beep:
    Haben Sie damals eigentlich von der Bankfiliale gefaxtes Papiergeld erhalten? Wäre ja die logische Konsequenz gewesen. Wie reich hätte man auf diese Weise werden können. Hätte bestimmt niemand gemerkt, aber derlei FAXen sind heute wohl nicht mehr möglich 🙂

    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende … beep
    Mallybeau

    Gefällt 5 Personen

    1. Hochgeschätzte Frau Mallybeau! Leider hat die Bank auf das Überfax nicht reagiert und es wurde nix aus dem Reichtum, sodass ich mich bis heute in der Fischfabrik verdingen muss 😳🐟 Dennoch ein sommerliches Wochenende wünscht Hr. Moser 😎😁

      Gefällt 2 Personen

  3. Vielen Dank für den zu meiner Allgemeinbildung beitragenden Beitrag. Da arbeite ich nun schon seit ca. 20 Jahren im Büro und kann immer noch was dazu lernen. Übrigens verfüge ich noch über ein Fax, nett verpackt im Multifunktionsgerät. LG, Susanne

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  4. Gut kann ich mich erinnern, wenn das Telefon klingelte und es einen kreischenden Ton abgab. Dann versuchte mal wieder jemand zu faxen und hatte die Telefon Nr. mit der Fax Nr. verwechselt. Manchmal ging das so vier bis fünfmal bis dann das Versehen bemerkt wurde. Aber trotzdem wäre ich manchmal froh, wenn wir noch einen alten Fax Apparat hätten. Schriftstück eingezogen, Nummer gewählt und ab die Post ! Herzliche Grüsse, auf den Fax gelegt !

    Gefällt 1 Person

  5. Schöner Trip in die Bürovergangenheit. Später verschwand ja das blöde Thermopapier und wurde durch normale weiße Seiten ersetzt.
    Der AB – gleich ins Festnetztelefon integriert – leistet noch heute gute Dienste bei mir, denn nicht alle wollen Geld ausgeben für ein Gespräche auf eine Handynummer, da es zum Glück immer noch Leute ohne Handy gibt – oder zum Erstaunen.

    Gefällt 1 Person

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