Heringe furzen

Heidi salzte nach. (Zugegeben: Diesen Eröffnungssatz habe ich unter leichter Abwandlung bei Günter Grass geklaut, der seinen Roman „Der Butt“ einst mit den legendären Worten „Ilsebill salzte nach.“ begann. Dieser in seiner Schlichtheit ergreifende Satz wurde 2007 von der Stiftung Lesen und der Initiative Deutsche Sprache zum schönsten ersten Satz in der deutschsprachigen Literatur gewählt.) Um mich ein wenig im Glanz des Literaturnobelpreisträgers von 1999 zu sonnen und dem Leser das gute Gefühl zu geben, er läse hier preisverdächtige Literatur, lasse ich meine brave Heidi die sonst recht anständige Hühnersuppe mit Gemüseeinlage also nachsalzen. In friedlicher Eintracht löffelten wir das leichte, aber doch stärkende Abendessen. Hin und wieder bliesen wir zwecks Temperaturregulierung in die gefüllten Löffel, ich konnte mir ein paar Spritzer Maggi nicht verkneifen.

Mitten in diese, fast schon banal zu nennende Reihenhausidylle platzte meine Angetraute mit der Feststellung, dass ich den von mir am 24. August angekündigten Praktikanten in der Fischkonservenfabrik noch mit keinem Wort im Blog erwähnt hätte. Warum?? „Aus Gründen, liebe Heidi, aus guten Gründen“, winkte ich verächtlich ab. „Wir hatten keinen guten Start. Mir wurde schon am zweiten Tag das Sorgerecht für den jungen Mann entzogen. Auf seinen Wunsch! Unerhört! Er wurde schon am Dienstag meiner fürsorglichen Obhut entrissen und zu Frau Schwingenschlögel ins Controlling gesteckt.“ Ich schenkte mir ein Glas Bier ein und begann zu erzählen.

Der junge Maturant stürmte an jenem denkwürdigen Montagmorgen eine Minute vor 9:00 in unser Büro. Schnurstracks steuerte er Cernys Schreibtisch an, reichte ihm die Hand und meinte: „Guten Morgen! Ich bin der neue Praktikant und soll mich bei Ihnen melden, Herr Moser. Ich freue mich auf gute Zusammenarbeit!“ Schlechter Start. Erst als ich mich vernehmlich räusperte und Cerny hilflos eine Handvoll Schuppen von seinem Sakko kehrte, bemerkte er seinen Irrtum. Er machte auf dem Absatz kehrt und streckte mir seine verschwitzte Hand hin: „Entschuldigen Sie, Herr Moser! Ich wusste nicht… also ich bin der Simon, Simon Jäger. Aber Sie können mich gern duzen.“ „Also gut DUmon, ich bin der Herr Abteilungsleiter Moser. Das Fischkonservenbusiness ist eine harte Branche, es gibt viel zu tun. Hol dir einen Kaffee aus dem Automaten am Gang, dann legen wir gleich los.“ Na warte, Bürschchen!

Nachdem sich Simon vulgo Dumon mit Koffein versorgt hatte, erhob ich mich und schritt würdevoll vor dem erwartungsfrohen Praktikanten auf und ab. „In einem solch komplexen Gewerbe ist es wohl am besten, wenn wir mit einigen Basics beginnen, mein lieber Dumon. Wusstest du eigentlich, dass Heringe furzen? Sie werden aber nicht durch Verdauungsgase zum Furzen angeregt. Denn egal, ob sie gerade gegessen haben oder nicht, so blähen sie in regelmäßigen Abständen. Dazu drücken sie Luft aus ihrer Schwimmblase in den Analtrakt und erzeugen so pulsierende Töne, die zwischen einer halben und 7,5 Sekunden lang sind und bei bis zu 22 Kilohertz mehr als drei Oktaven umfassen. Wenn die Flatulenz der Fische nicht im Zuge der Verdauung passiert, welchen Nutzen hat diese dann, fragten sich kanadische und schottische Meeresforscher und kamen zu dem Schluss, dass die Pupserei den Heringen wohl zur Kommunikation dient! Besonders häufig waren die Lautäußerungen nämlich dann zu hören, wenn die Fische sich in der Nacht in Schwärmen sammelten.“ Stolz hielt ich inne, um meine bedeutsamen Worte wirken zu lassen. Verdutzt ist wohl die passende Beschreibung für den Gesichtsausdruck des Duz-Freundes Simon. „Hast du das gewusst, Dumon?“ frug ich unter strengem Blick den Praktikanten. Als er, wie zu erwarten war, verneinte, fuhr ich mit den Grundlagen unserer Branche fort und ging zur Historie der Konservierungstechnik über. Nach einem kurzen Referat über die Erfindung der Konservendose – 1810 auf Anregung Napoleon Bonapartes, der dringend haltbare Lebensmittel für seine Soldaten benötigte, gelang dem Paris Konditor Nicolas Appert „die Kunst alle animalischen und vegetabilischen Substanzen nämlich alle Gattungen Fleisch, Geflügel, Wildpret, Fische, Zugemüse, Kuchen – Arzneygewächse, Früchte, Sulzen, Säfte; ferner Bier, Kaffe, Thee u.s.w. in voller Frische, Schmackhaftigkeit und eigenthümlicher Würze mehrere Jahre zu erhalten.“ Er erhitzte dafür luftdicht verschlossene Glasflaschen. Erst der britische Kaufmann Peter Durand kam auf die Idee, die Methode von Appert mit Blechkanistern umzusetzen, die Konservendose war geboren. „Hast du das gewusst, Dumon?“ frug ich den gähnenden Praktikanten. Der hielt sich scheinbar für etwas Besseres, schüttelte gelangweilt den Kopf und meinte: „Ich würde lieber Einblick in die wirtschaftliche, in die kaufmännische Seite einer solchen Fabrik bekommen. Weniger furzende Heringe und Napoleon, dafür mehr Controlling, Marketingstrategien, Kalkulation, Key Account Management und dergleichen.“

Diese ungeduldige Jugend von heute! Alles muss auf Knopfdruck und sofort geschehen, am besten per Smartphone und App. „Gut Fisch braucht Weile!“ ließ ich ihn wissen und suchte die Kantine für ein frühes Mittagessen mit paniertem Leberkäse und Bratkartoffeln auf. Am Nachmittag hielt ich für Simon-Dumon meinen berühmt-berüchtigten Vortrag über die von mir initiierten fischlosen Fischkonserven, der mir schon im Rahmen unseres Betriebsausfluges nach Guatemala zu Ruhm und Ehre verholfen hatte. Der undankbare Bengel schlief ein, sodass ich ihm meinen Faber Castell Bleistift grip 2001 HB in die mageren Rippen bohren musste. Tags darauf ließ mich Direktor Mag. Erwin Pfotenhauer wissen, dass der Praktikant Simon Jäger bei ihm interveniert und dringlich gebeten hatte, in eine andere Abteilung versetzt zu werden. Nun glotzt er bei Irene Schwingenschlögel über die Controller-Schulter auf Excel-Tabellen, und ich bin den Kerl los. Alle sind glücklich.

Heidi trug die Suppenteller ab. Moser schenkte nach.

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Die Übersiedlung

Während in Australien aufgrund des Nord-Südhalbkugelphänomens gerade der Frühling seinen lauen Einzug hält, die Eukalyptusbäume erblühen, die ersten Kängurus schlüpfen und leise Didgeridooklänge durch das Outback wabern, trommelt in lovely Austria pünktlich zum meteorologischen Herbstbeginn der Regen an die Schlafzimmerfenster. Verschlafen lüpfe ich ein Augenlid und nehme auf dem Radiowecker die Ziffern 07:21 wahr. Mich schaudert. Nicht nur des Regens wegen, auch der anstehende Umzug des Kollegen Cerny, bei dem ich leichtsinnigerweise meine Hilfe zugesagt habe, liegt mir schwer im Magen. Das nasskalte, ungemütliche Wetter kommt strafverschärfend hinzu und ich beginne, die Liste der glaubwürdigsten Ausreden durchzugehen. Gerade als ich bei Punkt 19 angekommen bin (19a: „meine alte Ellbogenfraktur von 1998 schmerzt  aufgrund des Wetterumschwungs so stark, dass ich unmöglich schwer heben kann“), befördert mich Heidi mit zärtlichen Tritten aus der warmen Bettstatt: „Aufstehen Moser! Und denk nicht mal daran, dir irgendwelche Ausreden einfallen zu lassen! Du hast es Cerny versprochen, sei ein Mann!“ Ach Heidi, wie sehr ich dich liebe!!

 

Pünktlich um 9:00 stand ich wie vereinbart vor Cernys dunkel gebeizter Wohnungstür im zweiten Stock ohne Lift. Dr. Jonas Cerny  prangte in verschnörkelten Lettern auf dem Messingschild. Angeber. Um mir Einlass zu verschaffen, hatte ich die Wahl zwischen einem mit billiger Goldfarbe bepinselten Löwenkopf, der einen Ring im Maul hielt, und einem unscheinbaren weißen Klingelknöpfchen. Ich atmete noch einmal tief durch und entschied mich dann für den kitschigen Türklopfer. Poch, poch, poch! Nichts geschah. Ich seufzte, verdrehte die Augen und betätigte die Klingel. Es erklang eine nicht enden wollende Xylophon-Version der Marseillaise. Wahrscheinlich ein Überbleibsel seiner frankophilen Freundin, die alles Französische vergötterte, wie mir Cerny mal in einer tränenreichen Mittagspause nach seiner Trennung gestanden hatte: „Sie liebte Paris, die Seine, Charles Aznavour, Froschschenkel, Schnecken, Jacques Brel, Baguette und Beaujolais…“ Nachdem die letzte Strophe der Marseillaise verklungen war, hörte ich ein müdes Schlurfen hinter der schweren Holztür. „Wer ist da?“ rief Dr. Jonas Cerny. Dieser Depp!! Wer wird um 9 Uhr läuten, wenn meine starken, helfenden Hände für 9 Uhr angekündigt waren? Die Zeugen Jehovas?? Ich ließ mich vom Teufel reiten und rief: „Die Zeugen Jehovas, die Soldaten des Himmels! Wir möchten gerne mit Ihnen über Gott sprechen.“ Stille. Dann Cerny: „Gehen Sie weg, ich habe zu tun! Ich ziehe um. Dieses Haus wurde von Gott verlassen!“ Du lieber Himmel. Mein Kollege steckte offenbar in einer schweren Abschiedsdepression. Möglicherweise haben ihn beim Packen der Umzugskisten die vielen Erinnerungen an seine Verflossene (wie hieß sie gleich nochmal?) übermannt, und nun ergab er sich weinerlich seinen Sentimentalitäten. „Cerny, Sie gottverdammter Idiot! Ich bin´s, Herr Moser! Machen Sie endlich auf.“ „Und wenn das ein Trick ist und Sie doch ein Soldat Gottes sind?! Nein, nein. Verschwinden Sie.“ „Wenn Sie nicht sofort die Türe öffnen, verschwinde ich wirklich und Sie können Ihren Krempel alleine schleppen! Schauen Sie doch durch den Spion, wenn Sie mir nicht glauben… unfassbar!“ „Ich habe keinen Türspion“, entgegnete Cerny. Ich: „Dann legen Sie sich einen zu!“ Er: „Zu spät. Das steht für die paar Stunden nicht dafür. Aber in der neuen Wohnung gibt es einen Spion! Vielleicht könnten wir uns dort treffen?“ „Ceeeerrrnyyy!“ Vorsichtig öffnete sich die Tür.

Der Kollege bot ein Bild des Jammers. Die überdimensionalen Augen hinter den dicken Brillengläsern schwammen trübselig über dunklen Augenringen, das schuppige Haar stand wirr in alle Richtungen. „Schlecht geschlafen?“ frug ich rhetorisch, Cerny nickte geistesabwesend. Mit Blick auf sein zerknittertes Hawaiihemd mit floralen Mustern und kleinen, hüpfenden Kängurus sagte ich möglichst unbekümmert: „Wussten Sie, dass in Australien gerade der Frühling beginnt?“ „Klar, Südhalbkugel“, antwortete der Wirtschaftsdoktor müde. Im nun folgenden peinlichen Schweigen ließ ich meinen Blick durch das Wohnzimmer schweifen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich hier gepackte und fein säuberlich beschriftete Umzugskartons (Bücher, Geschirr, Diverses, Wäsche, usw.) stapeln und auf ihren Abtransport warten. Doch nichts dergleichen. In einer Ecke standen fünf oder sechs leere Bananenschachteln, sonst deutete nichts auf den bevorstehenden Umzug hin. In den Regalen verstaubten Bildbände über Frankreich, Kunstbände über Monet, Manet und Toulouse Lautrec und Romane von Satre, Francois Villon oder Simone de Beauvoir, Kochbücher von Paul Bocuse. In einer Glasvitrine Nippes, natürlich aus Fronkreisch – Glaskugeln mit Eiffelturm und Triumphbogen, hässliche Püppchen, Fähnchen und Klimbim. An den Wänden hingen sogar noch Urlaubsfotos des Ex-Liebespärchens und Drucke von Picasso. Ein paar vertrocknete Zimmerpflanzen ließen traurig ihre braunen Blätter hängen, es roch nach alter Knoblauchpizza und Angstschweiß. Das würde ein hartes Stück Arbeit werden.

Interessiert fragte ich den derangierten Cerny: „Und wann kommen die anderen?“ Er runzelte kurz die Stirn: „Die anderen? Ach so, nun die Sache ist so – Elmar hat angerufen, den hat über Nacht eine Darmgrippe erwischt. Lara muss zu ihrer senilen Großmutter ins Seniorenheim, da gibt es irgendein Problem mit dem Diebstahl von Wertsachen. Und Fred hat mir eine WhatsApp geschrieben, dem macht seiner rechter Arm zu schaffen. Der Wetterumschwung, kann nicht schwer heben.“ Verdammte Axt. „Das heißt, wir beide sollen das Ding ganz alleine rocken? Einpacken, runterschleppen, hinfahren, raufschleppen?? Im Regen??!!“ Ich war geschockt. „Haben Sie wenigstens einen großen Lieferwagen?“ „Ach ja“, seufzte der Kollege schicksalsergeben, „Jürgen lässt sich entschuldigen. Irgendwas mit dem Vergaser. Springt nicht an, die Kiste!“

Bis Mittag hatten wir den größten Teil von Cernys Kram in Kartons verpackt, seine Hawaiihemden und schwarzen Sakkos in einem grauen Hartschalenkoffer verstaut, den Flachbilderfernseher gegen den Regen in Alufolie gewickelt und ein Bücherregal demontiert. Dann stopften wir das Zeug in seinen alten VW Golf und in meinen tomatenroten Spanier, fuhren zu seiner neuen Bleibe (ein stilloser Neubau mit seelenlosen, quadratischen Fenstern) und schleppten es in den dritten Stock. Es gab zwar einen Lift, der sich aber nach der ersten, überladenen Fahrt kampflos ergab und irgendwo zwischen zweitem und drittem Stockwerk steckenblieb. Danach war ich körperlich und seelisch am Ende, trotz der herrschenden Herbstkühle total verschwitzt, müde und hungrig. Und die großen Brocken warteten noch auf uns – ein riesiger Schreibtisch, diverse Stühle, Lampen, ein Ikea-Bett, vier Schachteln mit Geschirr, Töpfen und seine Plattensammlung. „Gehen wir etwas essen? Ich kann nicht mehr!“ schlug ich vor. „Sie zahlen!“ „Klar, schräg gegenüber ist eine Pizzeria. Da können wir uns mit einer Kleinigkeit stärken.“

Ich bestellte eine Familienpizza Don Corleone mit allem – Schinken, Salami, Sardellen, Spinat, Ananas, Artischocken, Spiegelei. Cerny stocherte lustlos in seinen Ravioli, ich schloss mit Tiramisu und einer kleinen Käseplatte den Magen. Nach einem einfachen Espresso und einem doppelten Fernet sehnte ich mich wie noch nie zuvor in meinem Leben nach unserer Couch, nach einem behaglichen Mittagsschläfchen unter dem beruhigenden Motorengedröhne der DTM Tourenwagenmeisterschaft aus dem Fernseher. Während Cerny die üppige Rechnung beglich und ich mit einer Verdauungszigarette gegen säuerliches Aufstoßen kämpfte, frug ich beiläufig: „Wann müssen Sie aus der Wohnung raus sein?“ „Am 1. Oktober“, murmelte der Kollege und gab verstohlen nur 1,20 Trinkgeld. „Waaaas? Dann haben Sie ja noch gut eine Woche Zeit für die Übersiedlung!!“ „Ja, aber je früher ich dort raus bin, desto besser.“

Pünktlich zum Start der Tourenwagen DTM lag ich auf der Couch im Wohnzimmer. Leider mussten wir das Unternehmen Umzug vorzeitig abbrechen, da ich mir auf der Treppe etwas unglücklich „den Knöchel verstaucht“ habe und nicht mehr richtig auftreten konnte. So ein Pech! Sollen doch Elmar, Lara, Fred und Jürgen in den nächsten Tagen mit anpacken. Diese faulen Hunde hatten sich ohnehin mit müden Ausreden vor der Arbeit gedrückt. Heidi untersuchte den verstauchten Fuß, konnte aber weder eine Schwellung noch sonst etwas Beunruhigendes finden. „Das ist ja noch mal gut gegangen“, meinte sie. Ich nickte… sanft ein.

Wodka Maggi

„Moser, du bist doch grundsätzlich ein kluges Kerlchen?“ Mit strengen Augen musterte mich Heidi vom akkuraten Abteilungsleiterscheitel bis zur erdverkrusteten Sohle meiner Gartensandalen. Ich wagte nicht zu widersprechen und nickte vorsichtig. „Du bist doch belesen, intelligent, organisiert, eloquent und einfühlsam?!“ bohrte meine Angetraute weiter. Ich hatte dieser oberflächlichen, jedoch grundsätzlich richtigen Einschätzung nichts hinzuzufügen. „Dann verrate mir doch bitte mal, warum du dich beim Aufhängen der frisch gewaschenen Wäsche anstellst wie ein geistesgestörter 5-Jähriger auf Ecstasy?“ Ich ließ meinen Blick über den Wäscheständer gleiten, wo sich feuchte Socken, Unterhosen, Handtücher und T-Shirts dem grandiosen Prinzip der Chaostheorie unterwarfen. Ein später Picasso könnte man meinen, mit leichten Anleihen aus Dalis surrealistischer Welt der schmelzenden Uhren und brennenden Giraffen. Über Kunst lässt sich aber nicht streiten, und so lenkte ich, dämlich grinsend, ein: „Ich hatte vorhin zwei doppelte Wodka Maggi.“

„Du hattest zwei Wodka waaaas?!!“ „Maggi.“ „Moser, was ist mit dir? Erstens: Warum trinkst du am helllichten Tag Wodka und zweitens warum um Himmelswillen mit Suppenwürze?“ frug mein Heidilein mit großen Kulleraugen. In einer früheren Geschichte habe ich mich bereits als Maggi-Junkie geoutet, sodass die Kreation eines einschlägigen Cocktails (4 cl Wodka auf zwei Eiswürfeln, 4 Tropfen Maggi – leicht zu merken) nur noch eine Frage der Zeit war. „Ich bin aufgebracht und musste mich beruhigen“, erklärte ich Heidi den Grund für meine Suppenfahne. „Was ist passiert?“ begehrte mein braves Weib Einlass in Mosers dunkle Gedankenwelt. Sie begann meinen kreativen Textil-Dali sukzessive zu einem biederen Dürer umzuhängen, und sah mich erwartungsvoll an. „Du wirst es nicht glauben! Mein idiotischer Kollege Cerny wurde doch vor ein paar Monaten von seiner Freundin zum Teufel geschickt und sie ist mit Sack und Pack ausgezogen“, berichtete ich. „In der alten gemeinsamen Wohnung wurde der einsame Cerny aber depressiv. Darum hat er sich jetzt in Single-Appartement in der Nähe unserer Fabrik gesucht.“ „Ist doch schön für ihn“, zuckte Heidi mit den Achseln, während sie mit bunten Wäscheklammern die letzten farbigen Akzente setze. „Warum bist du jetzt aufgebracht?“ „Er hat sich erdreistet, mich um Hilfe bei der Übersiedlung zu bitten!“ rief ich empört. „Mich! Hat dieser Mensch keine Freunde?? Warum setze ich seit sechs Jahrzehnten konsequent keinen Fuß in ein Fitnessstudio? Warum habe ich noch kein Gramm einer Hantel gestemmt, noch keinen Zentimeter auf einem Laufband zurückgelegt? Das ist doch alles Teil eines großen übergeordneten Plans, damit ich mir die weichen Rundungen des Kopfarbeiters, des Dichters und Denkers, erhalte und niemand auf die absurde Idee kommt, mich um körperliche Hilfe zu bitten! Ich, der sensible Künstler und Schöngeist, soll Wohnlandschaften abschrauben, staubige Teppiche und Kisten voller Geschirr und Vinylschallplatten schleppen!! Unerhört.“ Heidi ließ einen prüfenden Blick über ihren Handtuch- und Unterhosen-Dürer schweifen und nickte zufrieden: „Du hast hoffentlich zugesagt, mein Lieber?! Der arme Cerny.“ „Ja“, gestand ich widerwillig ein. „Ich bin doch kein Kollegenschwein. Aber dafür ist er mir was schuldig, das schwör ich!! Keine Ahnung, wie er auf die Idee kommt, ich könnte auf meinem geschundenen Rücken Bücherregale und Matratzen transportieren. Am Wochenende!“

Später saßen wir auf der Terrasse, genossen die untergehende Abendsonne und bewunderten den perfekt bestückten Wäscheständer. Manchmal kann das Leben des Abteilungsleiters einer Fischkonservenfabrik ziemlich aufreibend sein. „Ich brauch noch einen Wodka Maggi!“ verkündete ich. „Meine Nerven.“ „Nein“, winkte Heidi entschieden ab. „Du hattest für heute genug Geschmacksverstärker!“

Apfelstrudel & Roboter

Altweibersommer! Die Sonne glänzte wie ein gelber, eitriger Pickel auf der azurblauen Himmelshaut und Heidi harkte das erste Herbstlaub im Moser´schen Reihenhausgarten zu einem adretten Häufchen. Zufrieden lächelnd summte sie eine mir nicht näher bekannte Herbstmelodie, und ich hatte Appetit auf Apfelstrudel mit Schlagobers. Was vielen Lesern nicht bekannt sein dürfte: Ich halte mich für einen genialen Mentalmagier, für einen Meister der Manipulation, und so brachte ich – während sich mein argloses Weib mit dem Rechen dem Apfelbaum näherte – die Sprache auf Blätterteig.

„Der Blätterteig ist die kulinarische Wunderwaffe der Moderne! Dieser mehrlagige Ziehteig ist der Rolls Royce unter den zahllosen köstlichen Teigen dieser Welt“, dozierte ich mit einem gewissen Feuereifer. „Er ist in Europa schon seit der Zeit der Kreuzzüge bekannt und veredelt nahezu jedes Lebensmittel. Der Blätterteig, im Französischen mille feuille also tausend Blätter genannt, erhebt mit seinem goldgelben, knusprigen Kleid jedes noch so banale Essen in den Adelsstand!“ Heidi blinzelte argwöhnisch in meine Richtung. Unbeirrt fuhr ich fort: „Dröger Schafskäse und matschiger Spinat entfalten im Blätterteigstrudel erst ihre wahre Größe; der zartrosafarbene Lachs erfreut uns im Blätterteigmantel, ebenso das wunderbare Filet Wellington! Ein Gaumenschmaus der Extraklasse! Oder die feinen Pasteten, ein Eckpfeiler der klassischen, französischen Gourmetküche.“ Ich spürte, wie das Aquaplaning auf meiner Zunge gefährliche Ausmaße annahm, und musste mehrmals kräftig schlucken ehe ich weitersprach: „Oder denke nur an all die Köstlichkeiten aus der Patisserie – Pastéis de Nata mit Vanillecreme-Füllung, Baklava, Nusskipferl, Marillentaschen… Oh göttlicher Blätterteig!“ Meine fleißige Frau hielt mit der Gartenarbeit kurz inne, kniff ein Auge zu und starrte mich misstrauisch an. Es wurde Zeit, das Finale meines manipulativen Vortrages einzuleiten: „Doch nichts geht über den Klassiker der Wiener Küche – den Apfelstrudel! Knusprig und köstlich duftend mit einem Klecks Schlagobers, dazu eine Tasse Cappuccino … Mmmmmhhhh!“ Ich stand inzwischen unter unserem Apfelbaum und schlängelte meine Arme so gut es ging durch das Geäst. Dazu zischelte ich verführerisch Richtung Heidi: „Eva!! Kosssste vom Baum der Erkenntnisssss… backe deinem Adam einen Apfelstrudel, auf dasssss eure Seligkeit im Paradiiieessss nie enden möge!“ Ich rüttelte ein wenig am Baum der Erkenntnis, worauf drei reife Äpfel zu Boden plumpsten. Natürlich hatte ich mich zuvor überzeugt, dass fertiger Blätterteig im Kühlschrank vorrätig war. Mit hypnotischem Blick linste ich zwischen den Ästen hervor und züngelte: „Apfelstrudel, Apfelstrudel, essen alle Leute gern!“ „Ich hab schon verstanden, Moser! Du kannst dein Laientheater beenden, ich mach dir ja deinen geliebten Apfelstrudel“, lachte Heidi. „Aber erst mähst du wie versprochen den Rasen.“

Zwei Stunden später saßen wir auf der Terrasse, genossen Cappuccino und Heidis paradiesischen Apfelstrudel. Erschöpft und gestochen von der ungewöhnlich starken Altweibersonne blickte ich auf den Rasen, der vor uns lag wie ein frisch geschorener grüner Pudel. „Eigentlich ist es ein Irrsinn, dass in unserer hochtechnisierten Zeit nicht ein Roboter die stumpfsinnige Arbeit des Rasenmähens übernimmt“, sinnierte ich insgeheim, wohl wissend, dass Heidi der Anschaffung eines modernen Mähroboters ablehnend gegenüberstand. Sie ist ja immer noch der Meinung, dass mir ein bisschen Bewegung nicht schadet. Es wurde also wieder Zeit für den genialen, übersinnlichen Manipulator, den großen Moseroni! Fast beiläufig lenkte ich das Thema auf die Digitalisierung und Roboterisierung der Welt, sprach eindringlich über Haushalts-, Pflege- und Industrieroboter, über Umbruch, Fortschritt und selbstfahrende Autos. Meine liebe Heidi ist diesbezüglich etwas konservativ eingestellt und argumentierte mit dem Verlust von Arbeitsplätzen dagegen. Ich jedoch ließ mich nicht beirren, beschwor die Visionen des Isaac Asimov, von Jules Vernes und den technologiehörigen Japanern. „Wir dürfen uns dem Fortschritt nicht verschließen“, steuerte ich auf den Höhepunkt meines Vortrages zu. „Lass uns einen Mähroboter kaufen! Er schenkt uns Woche für Woche wertvolle Lebenszeit, die wir gemeinsam auf der Terrasse vertrödeln können!“ Ich sprang auf und brachte mit eckigen, abgehackten Bewegungen die lebensechte Imitation eines intelligenten Roboters zur Aufführung: „Herr Moser, mein Meister, darf ich heute Ihren Rasen mähen?!“ Zur Verstärkung des Effektes ließ ich meine Stimme etwas elektronisch verfremdet klingen, was aber nicht ganz überzeugend gelang und sich mehr nach E.T. auf Speed anhörte. Obwohl ich mein ganzes Talent und enorme Inbrunst in meine Roboterrede gelegt hatte, blieb es ein Kampf gegen Windmühlen. Heidi wich keinen Millimeter von ihrem Standpunkt ab, und ich sank völlig verausgabt in den Gartenstuhl. Um ihre Meinung zu untermauern, grub meine Gattin noch die alte Geschichte von Bobby aus: Im verwichenen Frühjahr wurde ich gegen meinen Willen mit den Agenden des Staubsaugens betraut. Eine stupide Tätigkeit, die ebenso gut eine Maschine übernehmen konnte. Also kaufte ich einen Saugroboter und nannte ihn Bobby (Roboter > Robert > Bob > Bobby). Leider flüchtete der undankbare Kerl schon bei seinem zweiten Einsatz und ward seither nie mehr gesehen. Ich hatte im Vorgarten die Badezimmervorleger ausgeschüttelt und vergessen, die Haustür zu schließen, während Bobby unseren Vorzimmerteppich abgraste. Wie ich zu spät merkte, war der Saugroboter aus der halboffenen Tür geschlüpft und in unserer Reihenhaussiedlung abgetaucht. Ich lief stundenlang durch die Wohnanlage, laut und lockend „Booooby!“ rufend, doch er blieb verschwunden. Ich gestaltete am PC sogar Flugzettel mit dem Foto eines baugleichen Saugroboters, die ich an jeden Laternenpfahl und jeden Gartenzaun der Siedlung klebte: „VERMISST! Unser kleiner Saugroboter, noch keine 6 Wochen alt, ist am Nachmittag des 6. April 2018 unverhofft entlaufen. Er hört auf den Namen Bobby und ist überaus scheu. Bitte nur mit Wollmäusen und Staubflusen füttern, keine harten oder größeren Gegenstände! Sachdienliche Hinweise an Familie Moser, Haus Nr., Tel. Nr. Mail blabla.“ Ergebnis: Spöttisches Getuschel der Nachbarn, doch Bobby war für immer von uns gegangen.

Nun rieb mir Heidi diesen tragischen Vorfall wieder unter die Nase und meinte, dass einem Mähroboter wahrscheinlich ein ähnliches Schicksal beschieden sei, weil ich gern die Gartentür offen lasse. „Aber ich würde unseren Mähroboter Shaun nennen!“ warf ich mein letztes Eisen ins Feuer der Diskussion. „Du weißt schon: Mähen > Schaf > Shaun das Schaf. Du liebst die Bücher von Shaun dem Schaf!!! Heidi, bitte!“ Heidi schüttelte den Kopf. Seufzend nahm ich mir ein zweites Stück vom Apfelstrudel.

Manchmal stößt auch der größte Mentalmanipulator an seine Grenzen.

Der Praktikant

Als ich heute Morgen die heiligen Hallen unserer Fischkonservenfabrik enterte, drang mir das markante Stimmorgan unserer Putzperle Editha durch Mark und Bein: „Guten Morgen, Cherr Mosääär! Wieder zurick aus Urlaub! Scheeen!“ Die Ukrainerin wirbelte den feuchten Wischmopp durch die Luft, stürmte auf mich zu und tätschelte mir nach Großmutter-Art in die Wange: „Ist wieder in Biro, mein gutes Cherr Mosäär. Hab ich Freide!“ Überwältigt von so viel Herzlichkeit  drückte ich ihr ein Plastiksackerl, prall gefüllt mit Cocktailtomaten, in die Hand. Eigentlich wollte ich mich damit bei unserer Direktorengattin Svetlana Pfotenhauer einschleimen, aber Editha war der Gabe aus unserem Garten natürlich ebenfalls mehr als würdig. Immerhin hält sie im Rahmen ihrer aufopfernden Wischtätigkeit in der Führungsetage Augen und Ohren offen, um mich mit brandheißen Betriebsinterna zu versorgen. Und auch heute hatte sie Neuigkeiten für mich: „Kommt am Montag a Praktikant, Ferienpraktikant. Soll riechen in Fischgeschäft fir eine Woche. Hab ich gehert wie Präsident Pfotenhauer hat telefoniert.“ Editha ließ eine Cocktailtomate zwischen den Zähnen zerplatzen, stöpselte die Kopfhörer ihres Smartphones ein, rief mir ein lautes „Jetzt Werbung, dann Frihstickspause!“ zu und verschwand Richtung Herrentoilette, wo sie offiziell ihrer beruflichen Tätigkeit nachgeht, inoffiziell aber mit großer Wahrscheinlichkeit einen Joint durchzieht.

Im Büro fuhr ich den Computer hoch und schenkte mir eine Tasse von Heidis Kaffee aus der Thermoskanne ein. Die Mailbox zeigte 329 ungelesene Nachrichten an. Ich seufzte. Verdammter Urlaub. Irgendwie fühlte ich mich noch nicht bereit für das harte Fischkonservengeschäft. Ich öffnete das Fenster, warf einen Blick auf Cernys unaufgeräumten Schreibtisch (der ungeliebte Kollege befindet sich gottlob noch in den Ferien) und in den Kühlschrank, wo eine Packung Milch ihr Ablaufdatum um drei Wochen überschritten hatte. Nachdem ich kurz geschnuppert hatte, stellte ich sie angewidert zurück in die Kühlung und entschied, meinen Kaffee heute ausnahmsweise schwarz zu trinken. Ich fischte die Tageszeitung aus meiner schweinsledernen Aktentasche, überflog die üblichen Horrormeldungen, blätterte zum Sport und schließlich zur Rätselseite.

Bling! 330 ungelesene Nachrichten. Absender: Direktor Mag. Erwin Pfotenhauer. Nichts Gutes ahnend öffnete ich die Mail. Nachdem er einleitend seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, dass ich einen erholsamen Urlaub verbracht habe und nun „in alter Frische zur Tat schreite“, kam er zum Wesentlichen: Ab kommenden Montag, den 27. August, wird ein junger Maturant ein Schnupperpraktikum in unserer Manufaktur absolvieren. Da ich Ihren Fleiß und Einsatz, sowie Ihr jahrzehntelanges Know How sehr schätze, habe ich beschlossen, den jungen Mann Ihnen, lieber Herr Moser, zur Seite zu stellen. Er wird 1 Woche an Ihrer Seite sitzen, beobachten und lernen, welchen Tätigkeiten Sie als Abteilungsleiter in der Administration so nachgehen. Mfg, Dir. Pfotenhauer  

Mit einem Klick löschte ich die Nachricht und widmete mich wieder meiner Zeitung. Ich hoffe, der Typ kann Sudoku.

Das Paradeiserparadies

Ich schätze den schottisch-britischen Autor Robert Louis Stevenson nicht nur wegen seines Jugendbuch-Klassikers „Die Schatzinsel“, er hat der Nachwelt auch einige kluge Aphorismen hinterlassen, wobei ich besonders Müßiggehen verlangt ein starkes Selbstbewusstsein hervorheben möchte.  Wie der intime Kenner des Moser´schen Reihenhaus- und Fischkonservenfabrikslebens vielleicht schon mitbekommen hat, bin ich ein bekennender Verfechter des Müßiggangs. Es vermag daher nicht wirklich zu überraschen, dass ich die auf diesem Blog angekündigte Urlaubssperre über die Maßen in die Länge gezogen und wegen des großen Erfolges bis zum heutigen Tag (22. August, im Übrigen der Tag des Fisches) prolongiert habe. Natürlich war das süße Nichtstun auch der rekordverdächtigen Hitzewelle geschuldet, die mein Abteilungsleiterhirn im eigenen Sud köchelte und in fataler, totaler Antriebslosigkeit mündete. Eigennützig stellte ich mein Wohlbefinden über Leserbindung und Blogpflege, stellte meine Füße in einen Kübel mit kaltem Wasser und vertiefte mich in das Werk des dänischen Philosophen Sören Kierkegaard, anstatt die hungrige Leserschaft mit erbaulichen Beiträgen zu füttern. Heute Morgen jedoch konterkarierte mein geliebtes Weib Heidi den wunderbaren Robert L. Stevenson mit einem banalen deutschen Sprichwort: „Der Müßiggang bringt Schand´ und Not – der Fleiß hingegen Ehr´ und Brot! Moser, es wird Zeit wieder an deine Leser zu denken. Hau in die Tasten!“ Verzweifelt suchte ich nach einer griffigen Ausrede, nahm zwei große Bissen von der Nutella-Semmel, um Zeit zu gewinnen, beklagte mein gedünstetes Gehirn und den Mangel an Themen, an Einfällen, täuschte sogar einen Schwächeanfall vor, da mich vor vier Tagen eine Wespe in den Nacken gestochen hatte…. doch die konsequente Frau Moser ließ keinen Einwand gelten. Also erzähle ich Ihnen – wenn auch noch etwas widerwillig, da ich lieber im Schatten des grünen Sonnenschirmmonsters Kaffee schlürfen und Löcher in die flirrende Luft starren würde – eine kleine Tomatengeschichte.

Während also in den letzten Wochen ein brüllend heißer Zuwarmi über die halbe Welt fegte, vom Polarkreis über Griechenland bis Kalifornien verbrannte Erde hinterließ, und die Bauernschaft über existenzbedrohende Ernteausfälle klagen musste, blieb unser kleines Reihenhausparadies von Dürre und Missernten verschont. Nicht zuletzt dank Heidis aufopfernder Pflege und Intensivbewässerung blüht und gedeiht unser Garten in sattem Grün, gesprenkelt von den roten und orangen Farbtupfern der Cocktailtomaten. Obwohl wir im Frühjahr die Aussaat der Tomatenpflanzen aufgrund des überüppigen Ertrages in den Vorjahren drastisch reduziert, ja nahezu halbiert hatten, fällt die Ernte überdurchschnittlich gut aus. Nahezu täglich ziehe ich mit nacktem Oberkörper und Strohhut hinaus zum Hochbeet und befülle Schüssel um Schüssel mit den Miniversionen des Nachtschattengewächses, während mir der Schweiß tränengleich über die sonnengegerbten Wangen rinnt und ich die alten Baumwollpflückerlieder unserer Vorfahren summe. Einen Großteil der Ernte verschenken wir mit besten Grüßen an Schwiegermutter Inge, Freunde und die halbe Belegschaft der Fischkonservenmanufaktur, dennoch bleiben uns reichlich Paradeiser für Suppen, Saucen, Schäumchen, Sugo und Sonstiges. Wir Österreicher nennen die Tomate ja poetisch Paradeiser, was von Paradiesapfel abgeleitet wird. Bei den Italienern heißt es pomodoro, also Goldapfel. Die Tomate tauchte erst im 19. Jahrhundert auf und leitet sich von xitomatl aus der Aztekensprache Nahuati ab. Doch egal wie man sie nennt, uns staubt das säuerlich-süße Gemüse schon aus den Ohren. Heidi hat bereits alle Rezepte mit Paradeisern aus dem Internet durchgekocht, sie als Marmelade eingekocht, mit Senfkörnern in Essig eingelegt und sogar Ketchup selbst gemacht.

In den letzten zwei Wochen hatten wir ein Auge auf das Häuschen von Frau Vogelsang, da sie sich eine Mittelmeerkreuzfahrt gönnte. Auf ihre Bitte hin entfernten wir Reklame-Wurfsendungen von ihrer Haustür, sahen nach dem Rechten und gossen die Rosen im Vorgarten. Soweit so gut. Gestern Abend, ich saß mit Heidi eben bei Tomatengelee mit Mozarella und Basilikum, klingelte Frau Vogelsang und bedankte sich überschwänglich für unsere Nachbarschaftsdienste. „Nichts zu danken, Frau Vogelsang. Haben wir doch gern gemacht“, wehrte ich bescheiden ab. „Nein, nein, das ist heutzutage nicht selbstverständlich!“ meinte die liebe Dame und drückte mir als „kleines Dankeschön“ einen riesigen, hübsch geflochtenen und schätzungsweise 5 kg schweren Korb in die Hand. Neugierig lupfte ich das Tuch… und erblickte kiloweise Cocktailtomaten. Mich überfiel ein leiser Brechreiz. „Aus dem Garten, lassen Sie es sich schmecken!“ zwinkerte mir Frau Vogelsang zu und verschwand in der Abenddämmerung.

Heute werden wir nach Sonnenuntergang einen Cocktailtomatencocktail auf der Terrasse genießen. Bei dieser Gelegenheit werde ich für ein Paradeiser-Anbauverbot im nächsten Jahr plädieren.

Urlaubssperre

Die Fischkonservenfabrik und das Moser´sche Reihenhaus bleiben urlaubsbedingt in den nächsten Wochen geschlossen! Herr Moser und seine liebe Gattin Heidi legen sich auf die faule Haut und verbringen ihre Sommerfrische in der grünen St. Eiermarkt. Üppig frühstücken, im Wald Schwammerl pflücken, lesen, die Seele baumeln lassen, ab und an eine Prise Kultur. Leben.

Ich wünsche allen Lesern und Freunden eine erholsame Sommerzeit! Bis irgendwann im Herbst. Herzlichst, Ihr Herr Moser.

Wassermelone, Kirschkerne & Serienkiller

Jim konnte seine Wut nicht mehr bezwingen. Keinen Augenblick länger wollte er sich die Gedanken dieses wahnsinnigen Schlächters anhören. Er stemmte sich gegen die Fesseln und brüllte aus vollem Halse, schrie seinen Hass und seine Qual heraus. Er konnte die Empfindungen, die in ihm brannten wie das Feuer der Hölle, nicht in Worte fassen. Sein Schrei war älter als alle Wörter, primitiver, urtümlicher. Jim rannen Tränen über die Wangen. Es brach ihm schier das Herz, seine Frau und seine kleine Tochter so hilflos und verängstigt zu sehen. Während er vor Wut zitterte, suchte Emily seine Aufmerksamkeit und bedeutete ihm mit einer Bewegung ihrer Augen, nach rechts zu schauen. Jim folgte ihrem Blick. Und schaute in die kalten grauen Augen eines Monstrums…

Atemlos vor Spannung blätterte ich um, meine Nerven waren zum Zerfetzen gespannt. Welche Grausamkeit hatte sich der irre Serienkiller Frank Ackerman jr. diesmal ausgedacht? Würde Police Officer Jim Morgan einen Ausweg aus der hoffnungslosen Situation finden und seine Familie vor den Fängen der Bestie retten können? Ich kauerte seit Stunden auf der Couch, hatte Zeit und Raum rings um mich vergessen und nicht bemerkt, dass inzwischen längst die Dämmerung hereingebrochen war. Just in diesem Augenblick betätigte meine brave Heidi den Lichtschalter und riss mich mit einer 5er-Schiene 65W-LED-Spots aus dem wohligen Lesegrusel schlagartig zurück in die Reihenhaus-Realität: „Moser, lies doch nicht im Dunkeln! Du verdirbst dir die Augen!“ Ein Satz, den ich von meiner lieben Mama Fritzi wohl tausend Mal gehört habe und sofort fühlte ich mich in meine Kindheit versetzt. Der kleine Moser ist ja in einer Welt der Mythen, der Halb- und Unwahrheiten herangewachsen. Ich wurde mit mütterlichen Warnungen geimpft wie gegen Pocken, Zecken und Kinderlähmung. Zog ich beispielsweise eine lustige Grimasse und schielte dabei, kam Mamas „Hör auf damit, sonst bleiben dir die Augen stecken!“ so zuverlässig wie das Amen in der Kirche. Sobald ich mir eine Handvoll Kirschen schnappte, predigte sie mit erhobenem Zeigefinger: „Pass auf Bub, wenn du einen Kirschkern verschluckst, wächst daraus ein Baum in deinem Bauch und die Äste kommen dir aus Mund, Nase und Ohren heraus!“ Auch das Verschlucken eines Kaugummis bedeutete Lebensgefahr, denn er verklebt den Magen, ich würde nie wieder AA machen können und eines qualvollen Todes sterben. (Liebe Mutti! Jetzt kann ich es dir ja verraten: die Verdauungsflüssigkeit im menschlichen Magen besteht zu einem Großteil aus Salzsäure und die zersetzt sogar einen läppischen Kaugummi).

Ebenso todbringend wie Kirschkerne und Kaugummi waren in meiner Kindheit der weiße Rand von Wassermelonen, sowie die weiße Haut zwischen Schale und Frucht bei Orangen und Mandarinen. Laut Mama Moser, der Königin der Angstmacher, strotzten die nur so vor Blausäure. Überhaupt barg das sonst so gesunde und vitaminreiche Obst eine Fülle heimtückischer Gefahren. Ich liebte süße, reife Zwetschken, durfte sie aber nur vernaschen, wenn ich zuvor einen Eid ablegte und schwor, mindestens eine Stunde danach kein Wasser zu trinken. „Sonst bekommst du üble Bauchschmerzen und Durchfall“, warnte die besorgte Mutter. Die 1-Stunden-Regel fand übrigens auch im Schwimmbad Anwendung und ich musste mich für eine Stunde nach Verzehr der mitgebrachten Schnitzel mit Gurkensalat im Schatten aufhalten und durfte mich dem Schwimmbassin nicht mal nähern. Wie ich inzwischen weiß, hat keine Studie je nachgewiesen, dass ein voller Bauch im Wasser negative gesundheitliche Folgen hat. Auch der Mythos von Rückenmarkschwund und Blindheit durch die lustvolle Sportart des Onanierens ist wissenschaftlich nicht haltbar. Ginge es also nach den Weisheiten meiner sonst so geschätzten Frau Mama, wäre ich heute längst tot oder säße zumindest als blinder Krüppel im Rollstuhl, zu nichts anderem fähig als jene Kirschen zu pflücken, die auf dem Baum aus meinem Bauch wachsen.

„Liest du schon wieder diesen Serienmörder-Schmarrn?“ frug Heidi vorwurfsvoll. Ich nickte und brummte unwillig unter dem gleißenden Licht der Wohnzimmer-Spots. „Dieser Irrsinn ist nicht gut für die Psyche, das bleibt alles in deinem Unterbewusstsein“, schüttelte Heidi einen neuen Mythos aus dem Ärmel. Was glaubt mein geliebtes Weib von mir? Dass ich nach der Thriller-Lektüre den biederen Abteilungsleiter abstreife und im Gartenschuppen junge Mädchen erwürge und abhäute? Lächerlich. Ich schnappte mir ein Stück Wassermelone und schnitt den weißen Rand sorgfältig weg. Man weiß ja nie.

Tanz auf dem Vulkan

Wie die interessierten Vulkanologen unter Ihnen sicherlich aus den Schreckensnachrichten mitbekommen haben, macht derzeit in Guatemala der Volcan de Fuego (Feuervulkan) seinem Namen alle Ehre und speit Feuer, Tod und Verderben. 1,7 Millionen Menschen sind von dem Ausbruch betroffen, Tausende mussten evakuiert werden, rund 100 Verzweifelte fanden einen grauenvollen Tod, ebenso viele gelten noch als vermisst. Jetzt mögen Sie gelangweilt abwinken und einwenden: „Warum erzählt uns der alte Fischkonservenmoser von dieser Naturkatastrophe? Es gibt so viel Leid auf dieser Welt und Guatemala ist weit weg! Wir wollen lieber ein paar humorige Schenkelklopfer über Heidi, die ukrainische Reinigungsfachkraft Editha und den wunderlichen Cerny lesen, ein paar aberwitzige Anekdoten aus dem Reihenhaus-Leben des Abteilungsleiters!“

Geliebtes Leservolk, geschätzte Freunde: Ich erwähne den verheerenden Vulkanausbruch im fernen Mittelamerika nicht ohne Grund. Denn exakt vor einem Jahr, und ich meine exakt, befand ich mich gemeinsam mit meinen Kollegen auf Einladung meines Arbeitgebers auf Incentive-Reise in Guatemala. Bemühen Sie gerne die Archivfunktion dieses Blogs und blättern Sie zurück zum Juni 2017, um meine Abenteuer nachzulesen. Freilich erscheinen der Verlust meines Reisegepäcks, mein epochaler Vortrag in knallbunter Indio-Kleidung, die Heimsuchung durch Montezumas Rache und andere kleine Vorkommnisse völlig lächerlich und irrelevant im Vergleich zu den aktuell herrschenden Zuständen in Guatemala. Bereits im Vorfeld, als unser geschäftsführendes Ehepaar Mag. Erwin und Svetlana Pfotenhauer stolz verkündete, die werte Belegschaft der Konservenfabrik zu einem teambildenden Belohnungstrip ins wilde Guatemala entführen zu wollen, äußerte ich schwere Bedenken. Nicht nur die endlos lange Flugdauer und die Möglichkeit eines Absturzes über dem unwegsamen Dschungel des ehemaligen Maya-Reiches samt drohendem Kannibalismus unter den Überlebenden malte ich mit eindrucksvollen Worten in die Köpfe der potenziellen Reiseteilnehmer, ich warnte auch vor tödlichen Infektionskrankheiten, mörderischen Insektenangriffen und einem fürchterlichen Tod durch den Ausbruch des Volcan de Fuego. Wie Sie sich vorstellen können, war ich ein einsamer Rufer in der Wüste; wurde als Spinner, Hasenfuß, als ein Teufel-an-die-Wand-Maler hingestellt.

Nun ist den hämisch grinsenden Spöttern das Lachen vergangen. Neben der Tatsache, dass unsere Kantine seit vorgestern nun täglich auch ein veganes Menü anbietet, ist der Vulkanausbruch in Guatemala das beherrschende Thema unter den Bürohengsten und –stuten. Nicht auszudenken, Gott hätte aus Langeweile bereits im Juni 2017 auf das Vulkanausbruch-Knöpfchen gedrückt und damit nicht nur hunderte guatemaltekische Leben ausgelöscht, sondern auch eine komplette Wiener Fischkonservenmanufaktur! Welch Ironie des Schicksals, wäre Herr Moser, ein gebürtiger Wiener vom Scheitel bis zur Sohle, in einem pyroklastischen Fluss (Glutlawine aus Lava, Steinbrocken und Gas) qualvoll ertrunken. Ein wahrlich unrühmliches Ende für einen echten Österreicher, der mit einem stilechten Tod durch Herzverfettung, Schlaganfall oder Lungenkrebs rechnen durfte. Und da ich aufgrund meines verlorengegangenen Koffers in bunte Indio-Landestracht gewandet war, wäre meine Asche womöglich in einem guatemaltekischen Katastrophen-Massengrab bestattet worden. Mich schaudert, auch um Heidis Willen.

Als ich heute für die Dauer von zwei Stockwerken die Aufzugskabine mit Svetlana Pfotenhauer teilte, meinte ich zu ihr: „Sollten Sie wieder eine Incentive-Reise planen, ist Guatemala diesmal hoffentlich vom Tisch!“ „Keine Sorge, Herr Moser“, gab sie zurück, „Die Umsätze Ihrer fischlosen Tofufische lassen derzeit zu wünschen übrig. An eine Belohnungsreise auf Firmenkosten ist wirklich nicht zu denken!“ „Eventuell ein kleines Wellness-Resort in der Toskana? Garantiert keine Vulkanausbrücke!“ rief ich Svetlana nach, die bereits Richtung Marketingabteilung schwebte. Doch sie tat, als würde sie mich nicht hören. Undank ist der Welt Lohn.

Fax mal wieder!

Hätte man mir in den 80er Jahren die Frage gestellt: „Was hat drei Buchstaben, endet mit X und ist saugeil??“ wäre meine Antwort mit Sicherheit wie aus der Pistole geschossen gekommen: das FAX! Viele meiner älteren Leser werden das Gerät, das damals unseren Büroalltag revolutionierte, noch kennen. Voller Wehmut erinnere ich mich zurück, als in unserer traditionsreichen Fischkonservenmanufaktur die Faxgeräte Einzug hielten. Ihr Herr Moser war seinerzeit natürlich noch bei weitem kein Abteilungsleiter, sondern bloß ein junger Bürohengst, doch als die ersten Faxmaschinen bei uns installiert wurden, bekam mein Arbeitstag plötzlich einen Sinn. Alles wurde gefaxt, Sätze wie „Natürlich Herr Direktor, ich fax Ihnen das gleich rüber!“ oder „Ja klar, schick mir einfach ein Fax“ wurden tausend Mal täglich ausgesprochen und gehörten bald zum Standard-Sprachschatz der Bürokultur. Ich erinnere mich weiters, dass der größte Teil meiner Arbeitszeit für die Produktion von Schriftstücken draufging, die nur einen Zweck hatten: gefaxt zu werden. Auf meiner elektrischen Schreibmaschine fabrizierte ich Briefe, Aufstellungen und Kalkulationen als Munition für das Faxgerät. Und am Nachmittag fütterte ich die Wundermaschine mit dem am Vormittag Geschriebenen, lauschte dem Rauschen und Zirpen der Telefonleitung und erfreute mich an der Vorstellung, dass mein Brief in dieser Sekunde 1:1 am anderen Ende der Welt aus einem Fax quillt. Natürlich trieben wir mit dem Gerät auch Schabernack, kopierten das Foto eines Revolvers auf ein Blatt Papier, schrieben darunter: Das ist ein ÜBERFAX! Faxen Sie uns sofort Ihr gesamtes Bargeld – keine Polizei! und faxten es an die Bankfiliale vis-à-vis, die heute schon längst ein Wettcafé ist. Den ersten Faxgeräten wohnte auch ein Zauber namens Thermopapier inne und ich staunte nicht schlecht, als mich Direktor Pfotenhauer eines Tages bat, ihm den Vertrag zu bringen, den ein gewisser Kornheisl im Vormonat gefaxt hatte. Der Vertrag bestand aus einer kaum zu glättenden Papierrolle und die Schrift war wie bei Zaubertinte nahezu unsichtbar geworden. Magic! Ich liebte unser Faxgerät und wähnte mich im Olymp der modernen Telekommunikation, endlich in der Zukunft angekommen. Doch dann kamen wenig später die ersten leistbaren Heimcomputer auf den Markt, irgendwann erfand so ein Klugscheißer das Internet und E-Mail, und mein geliebtes Fax verschwand in der Versenkung, nutzlos geworden wie die Tageszeitung von letzter Woche. Oh, wie vermisse ich dieses schrille Pfeifen im Telefonhörer, wenn man irrtümlich die Fax-Durchwahl gewählt hatte!

Ein ähnliches Schicksal war übrigens auch dem in den 80er und 90er Jahren sehr beliebten Anrufbeantworter beschieden. Ein absolutes Must have – als Heidi und ich unsere erste kleine Wohnung bezogen, kaufte sie ihren Zimmerpflanzen pastellfarbene Übertöpfe und ich unserem Festnetzanschluss einen Anrufbeantworter, kurz und hipp AB genannt. Wer damals auf sich hielt, trug Sakkos mit aufgestelltem Kragen, umgekrempelten Ärmeln und Schulterpolstern, die Dauerwelle als „Frisur“ am Kopf, hörte Falco, Nena und Opus und war telefonisch nur über den AB erreichbar. So demonstrierte man damals, wie wichtig und gestresst man war. Wer in den späten Achtzigern bei Familie Moser anrief, bekam bloß Max Raabe ans Telefon, der „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau intressiert sich für mich“ näselte und danach Heidi mit wohlklingendem Timbre: „Hallo, hier sind die Mosers. Wir sind derzeit leider nicht erreichbar, bitte hinterlassen Sie uns eine Nachricht nach dem Biep-Ton! Wir rufen sobald als möglich zurück.“ Eine feine Sache. Nach außen demonstrierte man Unabkömmlichkeit, gleichzeitig konnte man in Ruhe entscheiden, ob man überhaupt zurückrufen will. Doch dann kamen die ersten leistbaren Handys und irgendwann erfand so ein Klugscheißer das Smartphone, und mein geliebter AB verschwand in der Versenkung.

Doch zurück zum Fax. Aus welcher Zeit stammt diese wundervolle Erfindung, was würden Sie spontan schätzen? Wahrscheinlich werden viele von Ihnen auf Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre tippen, oder? Falsch. Das Faxgerät geht zurück auf die 40er Jahre, allerdings nicht 1940 – sondern bereits 1840!! Am 27. Mai 1843 bekam nämlich der schottische Mechaniker und Erfinder Alexander Bain das britische Patent für seine „Verbesserungen in der Herstellung und Regulierung von elektrischen Strömen und Verbesserungen in Uhren und in elektrischen Druck- und Signaltelegrafen“, genauer für einen Kopiertelegrafen. Das war das erste Faxgerät, mit dem man Handschriften oder Zeichnungen elektrisch übertragen konnte. Wir feiern also morgen das unglaubliche Jubiläum „175 Jahre Fax“. Dieses sensationelle Wissen teile ich gerne mit Ihnen und Sie können die kleine Anekdote über die Entstehung des Faxgerätes gerne unentgeltlich als Kracher beim nächsten Party-Smalltalk zünden. Ich verlange dafür kein Honorar, keine Gage, keine Urheberrechtsentgelte, da ich mit diesem kleinen Internet-Tagebuch keine Gewinnabsichten hege und kein Geld verdiene.

Dies führt mich zur Datenschutz-Grundverordnung DSGVO, die in den letzten Wochen für so viel Aufregung unter meinen werten Blogger-Kollegen gesorgt hat und die nun gestern endgültig in allen 28 EU-Staaten in Kraft getreten ist. Zeter & Mordio wurde gerufen, ich schließe meinen Blog, ein Wahnsinn, was muss ich tun, wie soll ich mir 20-Millionen-Abmahnungen leisten, ich hab die Schnauze voll und dergleichen mehr. Es wurde recherchiert, Anwälte und Spezialisten konsultiert, mehrteilige Serien über den richtigen Umgang mit der Verordnung wurden publiziert und die Verwirrung war groß. Wie der treue Leser sicher noch nicht bemerkt hat, gibt es seit dem gestrigen Freitag keinerlei Änderungen auf dem Blog von Herrn Moser. Nada, nix, niente. Ich stelle ein paar kleine Geschichten ins Netz und hoffe, dass sie euch gut unterhalten. Ich verdiene damit aber kein Geld, ich verarbeite keine personenbezogenen Daten und hege auch sonst keine unlauteren Absichten. Wer zur Sicherheit aber trotzdem gerne eine Datenschutzerklärung von mir hätte, kann mir nach dem Biep! gerne eine Nachricht hinterlassen. Ich faxe sie Ihnen dann zu. Biep!

Abbildung: SWR.de