Erwartungen

Für meine elegante graue Hose mussten weder Tiere noch Pflanzen sterben, sie besteht zu 100% aus Polyester, die Bügelfalte ist so scharf wie ein japanisches Santoku Damastmesser. Der dunkelblaue Blazer mit dem fantasievollen Wappen auf der Brusttasche signalisiert den Mann von Welt, und wird von einem weinrot getupften Seidenhalstuch ergänzt. Ich sprühte etwas Pitralon After Shave hinter die Ohren und warf im Spiegel einen prüfenden Blick auf die mit Styling Gel in Form gebrachte Frisur. „Moser“, lächelte meine angetraute Adelheid und zupfte das locker im Hemdkragen dekorierte Halstuch zurecht. „Diesmal wird es mit der Prämie klappen, du hast in Schweden ganze Arbeit geleistet! Wirst sehen. Und dann können wir uns endlich den tollen Rasenmäher und die Hollywood-Schaukel leisten.“  Ich nickte und warf meinem Spiegelbild ein siegessicheres Lächeln zu. Direktor Pfotenhauer hatte mich für heute Vormittag in sein Büro bestellt und mir dabei verschwörerisch zugezwinkert. Blieb eigentlich nur die Frage, ob es eine satte Erfolgsprämie oder eine Gehaltserhöhung wird. Mein vergoldetes Armkettchen mit Gravur (Zum 10. Hochzeitstag in Liebe Adelheid) klimperte leise, als ich Heidi zum Abschied auf die fettgecremte Wange küsste.

Mag. Erwin Pfotenhauer ließ seinen Direktorenblick mit einem Ausdruck des amüsierten Erstaunens über meine gepflegte Erscheinung schweifen. „Schick, schick, mein lieber Moser“, rümpfte er die Nase. „Ganz so … ääähm fein müssen Sie am Sonntag aber nicht erscheinen. Ich gebe um 17 Uhr einen kleinen Cocktailempfang und würde mich freuen, wenn Sie und ihre liebe Gattin Annefried auf ein Schlückchen vorbeischauen. Wir stoßen auf Ihren erfolgreichen Schwedeneinsatz an!“ „Adelheid“ flüsterte ich. „Wie? Ach ja, Adelheid. Richtig. Bis Sonntag dann!“ entließ mich der Chef mit einem Nicken Richtung Tür.

Mit Schaudern erinnerte ich mich an das letzte Grillfest bei Svetlana und Erwin Pfotenhauer, an das plärrende Baby mit dem Namen eines nordkoreanischen Diktators, an die heimlichen Fußtritte meiner Frau und die schlüpfrigen Witzchen des Gastgebers. Plötzlich fühlte sich meine Stirn fiebrig an und das Schlucken fiel mir schwer. Das wird eine ausgewachsene Angina, jede Wette.

 

 

 

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So ein Theater!

Über die Schwester einer Arbeitskollegin, deren Tante ihre 20jährige Tochter bei ihren experimentellen Theaterambitionen heftigst unterstützt, kam meine allerliebste Adelheid kostenfrei zu Tickets der Uraufführung des Stückes „Fe-mal drei“. Allein schon der Titel hätte mir zu denken geben müssen.

„Moser“, frohlockte die Gattin zwischen Hühnerbeinen und Schokoladepudding, „wir gehen ins Theater! Für lau!“ Als erfahrener Ehemann rang ich mir reflexartig ein erfreutes Lächeln ab, während mir das Blut in den Adern gefror. Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ihr Herr Moser ist durchaus ein Freund der holden Künste, bildend oder darstellend, doch fühle ich mich mehr im klassischen, begreifbaren Metier zu Hause. Abstraktes, Avantgardistisches und Experimentelles verwirrt mich mehr denn es mich unterhält. Und Gratis-Theaterkarten, verabreicht über drei Ecken, ließen mich Böses ahnen.

Das „Theater“, in einer kleinen Seitengasse und darüberhinaus im Keller gelegen, bot Platz für etwa 30 Verwandte, Freunde und Verirrte. Es war ein schwüler Augustabend, und für eine Klimatisierung der Räumlichkeiten war offenbar das Budget nicht ausreichend, sodass wir es kuschelig warm hatten. Das dichtgedrängte Ambiente und die feministischen Kampfparolen an den Ziegelwänden (Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!) ließen meine Schweißdrüsen auf Hochtouren arbeiten. Frau Moser klimperte mit den frisch getuschten Wimpern.

Das Bühnenbild bestand aus schwarzen Vorhängen und zwei kofferartigen Aluminium-Kisten, aus denen die Protagonisten bei Bedarf ihre Requisiten hervorzauberten. Die Damen und Herren des Ensembles trugen allesamt olivgrün gefleckte Military-Hosen und weiße Unterleibchen. Dazu schrien sie abwechselnd ihre Texte ins Publikum, rissen die Augen auf und erhoben reckend ihre Fäuste. Ich verstand kein Wort, aber irgendwie waren wir Männer die Bösen in dieser Geschichte. Nach zwanzig Minuten verschwand ich, offiziell zutiefst bedauernd, in Richtung Urinal. Vor dem Theater rauchte ich noch hastig zwei Marlboro light, ehe ich mich seufzend und unter verhaltenem Szenenapplaus zurück auf meinen Platz quetschte.

Im zweiten Teil wurde es nicht besser. Die engagierten Nachwuchs-Mimen schleuderten, ebenfalls schwitzend, mit Geschrei ihre Speicheltröpfchen in die erste Reihe. Ich dachte an den seligen US-Präsidenten und Sklaverei-Abschaffer Abrahm Lincoln, dem das Glück zuteil wurde, während einer Theateraufführung erschossen zu werden. Ich hätte in diesem Moment gern mit ihm getauscht.

 

 

Zentralfriedhof

Wie sich der fantasiebegabte Leser vorzustellen vermag, war ich nach den Stockholmer Wochen punkto heimatlichen fleischlichen Genüssen schwerst auf Entzug – und damit meine ich nicht nur den Leberkäse. Auch meine treue Gattin Adelheid hatte mich in so mancher langen, einsamen Nacht auf das Schmerzlichste vermisst, und mit tränenerstickter Stimme „Ach Moser“ ins Kissen gehaucht.

Nachdem diese Qual nun ein Ende hatte und der Leberkäs verspeist war, wollte ich mich mit Heidi ein wenig vergnügen. Da sie ein Mensch mit ausgeprägtem Hang zur Romantik ist, entzündeten wir alle verfügbaren Duftkerzen (6 Stk. Vanille), strichen uns zärtlich durchs Haar und beobachteten verträumt die pittoresken Schattenspiele von Herrn und Frau Moser an der lindgrün getünchten Wand. „Soll ich ein bisschen Musik machen?“ frug sie rhetorisch und tastete in Richtung unseres Radioempfängers, der seit vielen Jahren auf dem Nussholz-Nachttisch seinen Dienst versieht und unsere Liebe mit sanften Klängen untermalt. „Aber ja“ krächzte ich erwartungsvoll mit aufgeregt belegter Stimme. Doch anstatt von Whiney Houston, Eros Ramazotti oder Julio Iglesias röhrte der von mir früher sehr geschätzte Wolfgang Ambros seinen Uralt-Hit „Es lebe der Zentralfriedhof“ in unser Schlafgemach.

In unserer Unterwäsche wurde es still wie auf besungenem Zentralfriedhof. Aber spätestens bei der Zeile

„… der Moser singts Fiakerliad

und die Schrammeln spün an Woiza…“

bebte die rot geblümte Bettdecke. Auch Lachen kann befreiend wirken.

Liebe & Leberkäs

Meine Heimkehr aus Stockholm war ein einziger Triumph und Freudentaumel. Adelheid erwartete mich am Flughafen. Sie trug ihr fliederfarbenes Sonntagskostüm und ihre in Dunkelrot getauchten Lippen boten einen reizvollen Kontrast zur Zuchtperlenkette. Nach endlosen drei Wochen im fernen Stockholm konnte ich mein langjähriges Eheweib endlich wieder in die Arme schließen.

Zu Hause erwartete mich unser blitzblank geputztes Eigenheim, sogar den Rasen hatte sie frisch gemäht, sodass er vor meinen Augen lag wie ein frisch geschorener grüner Pudel. Heilige Heimaterde. Ich tätschelte die letzten überreifen Tomaten an der Staude, naschte die ersten Weintrauben von der Rebe und war im Glück. Ich rieb mich an Frau Moser, während die ersten Takte des Donauwalzers aus dem CD-Player erklangen. Wir tanzten so leichtfüßig wie möglich über den Rasen und ihr Apfelshampoo kitzelte gefällig meine Nase.

Doch ehe wir unseren aufgestauten Trieben freien Lauf  ließen, stand Abendessen auf dem Programm. Bereits im Vorfeld hatte Adelheid mein Wunschmenü für den Tag meiner Ankunft erfragt… und ich hatte mich für eine simple Leberkässemmel mit scharfem Senf entschieden. Den kühlen Schweden ist der heiße Schweineschmaus offenbar unbekannt und entsprechend groß war mein Appetit. Als mir Frau Moser die Delikatesse kredenzte, kam es durch Zungen-Aquaplaning kurzfristig zu Überschwemmungen im Mund. Herzhaft biss ich in die Semmel und kaute mit selig  geschlossenen Augen.

Heidi: „Moser, liebst du mich?“

Moser: „Ach Heidi, mehr als meine Leberkässemmel!“

Fisch ahoi!

Die Fischkonservenbranche ist beinhart und – auch wenn es den geneigten Leser verwundern mag – heiß umkämpft. Veränderte Ernährungsgewohnheiten und ein wahres Füllhorn an neuen, schmackhaften, exotischen Snacks machen uns das Leben schwer. Während früher Ölsardinen und ein Döschen Thunfisch mit Gemüse fixer Bestandteil jeder gestandenen Bauarbeiter- und Kranführer-Jause war, haben heute Döner Sandwiches, Cheeseburger und nahrhafte Müsliriegel Einzug in die gut gefüllte Tupperware gehalten. Die Fischfabrikanten mussten also mit immer neuen Kreationen die hungrige Bevölkerung zur fischigen Dose locken. Einer Berufung, der auch Ihr Herr Moser mit Leib und Seele folgt. Daher bin auch besonders stolz, dass ich mit tatkräftiger Expertise unsere schwedische Niederlassung wieder auf Spur bringen konnte. Mein Einsatz in Stockholm war von Erfolg gekrönt – trotz der schrecklichen Geschehnisse während des Fluges (siehe „Flugangst“), attackierender Tauben (siehe „Ornithophobie“), Überschwemmung im Büro (siehe „Feueralarm“) und anderer Unbill.

All dies ist nun ausgestanden, mein geliebtes Weib Adelheid erbebt bereits in Vorfreude auf meine Heimkehr. Am Montag setze ich meinen Fuß wieder auf Wiener Boden. Und sofern ich den Flug unverletzt überlebe, meldet sich der urlaubsreife Herr Moser demnächst wieder aus den sicheren Gefilden seines Reihenhauses. Bleiben Sie mir gewogen.

Donauwalzer

Wie gestern erwähnt, fidelt mein smartes Phone den 3/4 Takt und signalisiert mir mit dem Strauss-Gassenhauer „Donauwalzer“, dass Frau Moser Sehnsucht nach meiner sonoren Stimme verspürt. Vienna calling. Auch für meinen Chef und Direktor der Fischkonservenfabrik Mag. Erwin Pfotenhauer habe ich einen ganz speziellen Klingelton eingerichtet. Wenn mein Handy mit bedrohlichen Mundharmonika-Klängen das Lied vom Tod spielt, ist der Boss am Apparat und das bedeutet für gewöhnlich nichts gutes. Nicht so heute.

„Moser!“ versprühte Pfotenhauer beste Laune, „Sie alter Halunke! Die Schweden haben mich gerade angerufen – die neue Rezeptur für Heringsfilets in Dillsauce schlägt bombig ein, die ersten Umsatzzahlen sind vielversprechend. Sie haben exzellente Arbeit geleistet! Nach dem Meeting mit der schwedischen Geschäftsführung können Sie Ihren Heimflug buchen, Mission erfüllt!“ Selig vor Glück stammelte ich meinen Dank und sah mich schon in den Armen von Ach Heidi durch den Garten unseres Reihenhäuschens tanzen. Natürlich den Donauwalzer, den uns Johann Strauss Sohn anno 1867 als unsterbliches musikalisches Präsent hinterließ.  Bald bin ich daheim, an der schönen blauen Donau. Auf dem Rückflug Stockholm – Vienna International Airport werde ich meine rot-weiß-rote Krawatte tragen, zwei Valium gegen Flugangst griffbereit in meiner schwarzledernen Herrenhandtasche.

 

Well done!

Meine liebe Frau Moser, Nabelschnur zur alten Heimatstadt Wien, ließ gestern Abend zu später Stunde mein südkoreanisches Smartphone im Takt des Donauwalzers bimmeln (der spezielle Heidi-Klingelton für meinen schwedischen Aufenthalt).  Nach dem obligatorischen Wie-gehts-dir und Wie-war-dein-Tag Eröffnungsgeplänkel erzählte sie mir aufgeregt von ihrem tollen Abendessen, das sie gemeinsam mit ihrer Freundin Uschi-Maus bei der Floridsdorfer Lokalgröße Zum Wiedehopf genossen hatte, wobei eine Spur Weinseligkeit in ihrer Stimme mitschwang.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Adelheid Moser punkto Ernährungsgewohnheiten eine typische Vertreterin der Gattung Frau ist. Zur Vorspeise liebt sie Tomate-Mozzarella mit Basilikum und ein paar Spritzern Balsamico. Gottlob ist sie keine Vegetarierin oder gar Veganerin, sondern fleischlichen Genüssen durchaus zugetan. Dennoch schlägt beim Thema Fleisch auch ihre Tierliebe durch und Babytiere, wie sie Kälbchen, Lämmchen, Reh & Co. zu nennen pflegt,  sind ein absolutes No Go. Auch ein geschmortes Häschen in Weißwein-Pfeffersauce auf dem Teller würde sie schreiend in die Flucht schlagen. Und beim Rinderfilet ist sie besonders heikel, da dieses stets gut durchgebraten (well done) sein muss – der Anblick nur weniger Tröpfchen roten Fleischsaftes ruft nämlich Bilder von weinenden Kühen und todbringenden Schlachtschussapparaten in ihrem hübschen Köpfchen hervor. Wie überhaupt die Liste jener Zutaten, die bei ihr Augenrollen und Naserümpfen erzeugen, länger als die „Bürgschaft“ von Schiller ist und von Curry über Knoblauch bis Heidelbeeren reicht. Inzwischen ist Heidi ob ihrer Sonderwünsche bei den Servicekräften und Köchen des Wiedehopf gefürchtet wie ein Kritiker des Gault Milliau.

An diesem Abend hatte man sich besondere Mühe gegeben, um die Strohwitwe Moser samt Uschi-Maus lukullisch zu umschmeicheln. Das Filetsteak war knochentrocken und braungrau bis zur Unendlichkeit durchgebraten worden, sogar den verhassten Rosmarin habe man bei den Rosmarin-Kartoffeln ihr zuliebe weggelassen, erzählte Adelheid voller Stolz. Nur bei den Schoko-Nuss-Palatschinken habe sich der Koch geweigert, die geriebenen Haselnüsse aus dem Pfannkuchenteig zu sieben. Ich spendete meiner Gattin fernmündlich ein paar Worte des Trostes, ehe ich ihr Ach Heidi und Måltid (schwed. „Mahlzeit“) zuraunte und mein Ohr vom Handy aufs Kopfkissen verschob. Morgen wird ein harter Tag, ich erwarte die neuen Absatzzahlen unserer rundumerneuerten Heringsfilets in Dillsauce.

Schwedenrätsel

Meine angetraute Adelheid ist ja der Meinung, dass man freie Zeit vertreiben muss. Also schmuggelte sie mir zwischen bügelfreie Geschäftshemden und feingerippte Unterwäsche ein Rätselheft ins Reisegepäck. Passenderweise ein Schwedenrätsel. Trotz intensiver Recherche im sonst so allwissenden Internet ist es mir nicht gelungen herauszufinden, warum diese Form des Kreuzworträtsels den titelgebenden „Schweden“ im Namen trägt. Sachdienliche Hinweise bitte an herrmoser@gmx.net

Gestern Abend nach getaner und aufreibender Arbeit im schwedischen Fischwerk,  wagte ich mich mangels Alternative (die österreichischen Olympioniken hatten in Rio und TV unbelohnterweise wieder ihr Bestes gegeben) zum Zeitvertreib über die waag- und senkrechten Suchbegriffe. Der Vorname des von mir geschätzten Musikers Clapton kostete mich ein müdes Lächeln (Eric), ebenso die Sutane als Priestergewand, auch die Tonnage als Rauminhalt eines Schiffes brachte mich nicht zum Schwitzen. Dann, als hätte es Frau Moser geahnt und mir ein Zeichen geschickt, tauchte die Frage nach einer bekannten Kinderbuchfigur der Autorin J. Spyri auf. Und schon waren meine Gedanken wieder bei Heidi. An ihrer Seite aber diesmal nicht der Ziegenpeter, sondern ihr Herr Moser.

Ach Heidi!

Heute morgen sandte mir meine geliebte Adelheid via Whatsapp obiges Foto nach Stockholm und schrieb dazu: „Moser, in unserem Garten komponiert der Sommer in schwedischen Farben und erinnert mich an dich! Bring deinen fischigen 🐟 Auftrag bald zu einem glücklichen Ende. Ich vermisse dich!“

Ach Heidi! ❤

Sieger der Herzen

Mein Auslandseinsatz in Schweden stellt mich täglich vor neue Herausforderungen, nicht nur in beruflich-fachtechnischer, vielmehr auch in sozial-kultureller Hinsicht. Die Interaktion mit fremden Menschen, das Verbrüdern und Schließen neuer Kontakte ist meine Sache nicht. Speziell die Wochenenden in dieser fremden Stadt sind eine Tortour de Tristesse für mich. Letzten Samstag sprang ich über meinen eigenen Schatten und unternahm einen Spaziergang in den Straßen der schwedischen Metropole, ich knipste ein paar Bauwerke und Denkmäler, die verdächtig nach Historie und Kultur rochen. Danach verzehrte ich in einem bürgerlichen Restaurant erstmals in meinem Leben ein Elch-Carpaccio und wollte anschließend wieder meine fein ausgestattete Dienstwohnung aufsuchen (es lebe das überaus soziale Schweden!).  Leider machte mir mein schwach ausgeprägter Orientierungssinn einen Strich durch die abendliche Rechnung, und ich landete 40 Minuten später im Stockholmer Hafen, der entgegengesetzt zu meinem Appartement liegt. Schließlich musste mich ein eifriger und geschwätziger Taxifahrer gegen einen fürstlichen Obolus nach Hause kutschieren.

Dieser teure und beängstigende Ausflug war mir eine Lehre und ich werde dieses Wochenende keinen Fuß vor die Tür setzen. Auf meinem farbigen und großflächigen Fernsehbildschirm pulsiert diesmal der Sport in all seinen merkwürdigen Facetten. Olympische Spiele im brasilianischen Rio. Es wird geschossen, gerudert, gerungen, geturnt, gesprungen, gelaufen, gestoßen, gefochten, gejubelt, geweint. Meine Heimat Österreich schlägt sich bei diesem Großevent wieder einmal sehr tapfer, aber unglücklich, wovon zahlreiche vierte und fünfte Plätze zeugen. Wir sind die große Pechnation, die Sieger der Herzen. Die Haaresbreiten-Sportler. Österreich hält sich streng an das olympische Motto Dabeisein ist alles! Als Gast-Schwede darf ich mich wenigstens über vier blau-gelbe Medaillen freuen. Ihre Heringfilets in Dillsauce mögen zwar nur Mittelklasse sein, im Wettschwimmen und Wettsingen (Song Contest) sind sie gar nicht mal schlecht.