Liebe & Leberkäs

Meine Heimkehr aus Stockholm war ein einziger Triumph und Freudentaumel. Adelheid erwartete mich am Flughafen. Sie trug ihr fliederfarbenes Sonntagskostüm und ihre in Dunkelrot getauchten Lippen boten einen reizvollen Kontrast zur Zuchtperlenkette. Nach endlosen drei Wochen im fernen Stockholm konnte ich mein langjähriges Eheweib endlich wieder in die Arme schließen.

Zu Hause erwartete mich unser blitzblank geputztes Eigenheim, sogar den Rasen hatte sie frisch gemäht, sodass er vor meinen Augen lag wie ein frisch geschorener grüner Pudel. Heilige Heimaterde. Ich tätschelte die letzten überreifen Tomaten an der Staude, naschte die ersten Weintrauben von der Rebe und war im Glück. Ich rieb mich an Frau Moser, während die ersten Takte des Donauwalzers aus dem CD-Player erklangen. Wir tanzten so leichtfüßig wie möglich über den Rasen und ihr Apfelshampoo kitzelte gefällig meine Nase.

Doch ehe wir unseren aufgestauten Trieben freien Lauf  ließen, stand Abendessen auf dem Programm. Bereits im Vorfeld hatte Adelheid mein Wunschmenü für den Tag meiner Ankunft erfragt… und ich hatte mich für eine simple Leberkässemmel mit scharfem Senf entschieden. Den kühlen Schweden ist der heiße Schweineschmaus offenbar unbekannt und entsprechend groß war mein Appetit. Als mir Frau Moser die Delikatesse kredenzte, kam es durch Zungen-Aquaplaning kurzfristig zu Überschwemmungen im Mund. Herzhaft biss ich in die Semmel und kaute mit selig  geschlossenen Augen.

Heidi: „Moser, liebst du mich?“

Moser: „Ach Heidi, mehr als meine Leberkässemmel!“

Advertisements

Fisch ahoi!

Die Fischkonservenbranche ist beinhart und – auch wenn es den geneigten Leser verwundern mag – heiß umkämpft. Veränderte Ernährungsgewohnheiten und ein wahres Füllhorn an neuen, schmackhaften, exotischen Snacks machen uns das Leben schwer. Während früher Ölsardinen und ein Döschen Thunfisch mit Gemüse fixer Bestandteil jeder gestandenen Bauarbeiter- und Kranführer-Jause war, haben heute Döner Sandwiches, Cheeseburger und nahrhafte Müsliriegel Einzug in die gut gefüllte Tupperware gehalten. Die Fischfabrikanten mussten also mit immer neuen Kreationen die hungrige Bevölkerung zur fischigen Dose locken. Einer Berufung, der auch Ihr Herr Moser mit Leib und Seele folgt. Daher bin auch besonders stolz, dass ich mit tatkräftiger Expertise unsere schwedische Niederlassung wieder auf Spur bringen konnte. Mein Einsatz in Stockholm war von Erfolg gekrönt – trotz der schrecklichen Geschehnisse während des Fluges (siehe „Flugangst“), attackierender Tauben (siehe „Ornithophobie“), Überschwemmung im Büro (siehe „Feueralarm“) und anderer Unbill.

All dies ist nun ausgestanden, mein geliebtes Weib Adelheid erbebt bereits in Vorfreude auf meine Heimkehr. Am Montag setze ich meinen Fuß wieder auf Wiener Boden. Und sofern ich den Flug unverletzt überlebe, meldet sich der urlaubsreife Herr Moser demnächst wieder aus den sicheren Gefilden seines Reihenhauses. Bleiben Sie mir gewogen.

Donauwalzer

Wie gestern erwähnt, fidelt mein smartes Phone den 3/4 Takt und signalisiert mir mit dem Strauss-Gassenhauer „Donauwalzer“, dass Frau Moser Sehnsucht nach meiner sonoren Stimme verspürt. Vienna calling. Auch für meinen Chef und Direktor der Fischkonservenfabrik Mag. Erwin Pfotenhauer habe ich einen ganz speziellen Klingelton eingerichtet. Wenn mein Handy mit bedrohlichen Mundharmonika-Klängen das Lied vom Tod spielt, ist der Boss am Apparat und das bedeutet für gewöhnlich nichts gutes. Nicht so heute.

„Moser!“ versprühte Pfotenhauer beste Laune, „Sie alter Halunke! Die Schweden haben mich gerade angerufen – die neue Rezeptur für Heringsfilets in Dillsauce schlägt bombig ein, die ersten Umsatzzahlen sind vielversprechend. Sie haben exzellente Arbeit geleistet! Nach dem Meeting mit der schwedischen Geschäftsführung können Sie Ihren Heimflug buchen, Mission erfüllt!“ Selig vor Glück stammelte ich meinen Dank und sah mich schon in den Armen von Ach Heidi durch den Garten unseres Reihenhäuschens tanzen. Natürlich den Donauwalzer, den uns Johann Strauss Sohn anno 1867 als unsterbliches musikalisches Präsent hinterließ.  Bald bin ich daheim, an der schönen blauen Donau. Auf dem Rückflug Stockholm – Vienna International Airport werde ich meine rot-weiß-rote Krawatte tragen, zwei Valium gegen Flugangst griffbereit in meiner schwarzledernen Herrenhandtasche.

 

Well done!

Meine liebe Frau Moser, Nabelschnur zur alten Heimatstadt Wien, ließ gestern Abend zu später Stunde mein südkoreanisches Smartphone im Takt des Donauwalzers bimmeln (der spezielle Heidi-Klingelton für meinen schwedischen Aufenthalt).  Nach dem obligatorischen Wie-gehts-dir und Wie-war-dein-Tag Eröffnungsgeplänkel erzählte sie mir aufgeregt von ihrem tollen Abendessen, das sie gemeinsam mit ihrer Freundin Uschi-Maus bei der Floridsdorfer Lokalgröße Zum Wiedehopf genossen hatte, wobei eine Spur Weinseligkeit in ihrer Stimme mitschwang.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Adelheid Moser punkto Ernährungsgewohnheiten eine typische Vertreterin der Gattung Frau ist. Zur Vorspeise liebt sie Tomate-Mozzarella mit Basilikum und ein paar Spritzern Balsamico. Gottlob ist sie keine Vegetarierin oder gar Veganerin, sondern fleischlichen Genüssen durchaus zugetan. Dennoch schlägt beim Thema Fleisch auch ihre Tierliebe durch und Babytiere, wie sie Kälbchen, Lämmchen, Reh & Co. zu nennen pflegt,  sind ein absolutes No Go. Auch ein geschmortes Häschen in Weißwein-Pfeffersauce auf dem Teller würde sie schreiend in die Flucht schlagen. Und beim Rinderfilet ist sie besonders heikel, da dieses stets gut durchgebraten (well done) sein muss – der Anblick nur weniger Tröpfchen roten Fleischsaftes ruft nämlich Bilder von weinenden Kühen und todbringenden Schlachtschussapparaten in ihrem hübschen Köpfchen hervor. Wie überhaupt die Liste jener Zutaten, die bei ihr Augenrollen und Naserümpfen erzeugen, länger als die „Bürgschaft“ von Schiller ist und von Curry über Knoblauch bis Heidelbeeren reicht. Inzwischen ist Heidi ob ihrer Sonderwünsche bei den Servicekräften und Köchen des Wiedehopf gefürchtet wie ein Kritiker des Gault Milliau.

An diesem Abend hatte man sich besondere Mühe gegeben, um die Strohwitwe Moser samt Uschi-Maus lukullisch zu umschmeicheln. Das Filetsteak war knochentrocken und braungrau bis zur Unendlichkeit durchgebraten worden, sogar den verhassten Rosmarin habe man bei den Rosmarin-Kartoffeln ihr zuliebe weggelassen, erzählte Adelheid voller Stolz. Nur bei den Schoko-Nuss-Palatschinken habe sich der Koch geweigert, die geriebenen Haselnüsse aus dem Pfannkuchenteig zu sieben. Ich spendete meiner Gattin fernmündlich ein paar Worte des Trostes, ehe ich ihr Ach Heidi und Måltid (schwed. „Mahlzeit“) zuraunte und mein Ohr vom Handy aufs Kopfkissen verschob. Morgen wird ein harter Tag, ich erwarte die neuen Absatzzahlen unserer rundumerneuerten Heringsfilets in Dillsauce.

Schwedenrätsel

Meine angetraute Adelheid ist ja der Meinung, dass man freie Zeit vertreiben muss. Also schmuggelte sie mir zwischen bügelfreie Geschäftshemden und feingerippte Unterwäsche ein Rätselheft ins Reisegepäck. Passenderweise ein Schwedenrätsel. Trotz intensiver Recherche im sonst so allwissenden Internet ist es mir nicht gelungen herauszufinden, warum diese Form des Kreuzworträtsels den titelgebenden „Schweden“ im Namen trägt. Sachdienliche Hinweise bitte an herrmoser@gmx.net

Gestern Abend nach getaner und aufreibender Arbeit im schwedischen Fischwerk,  wagte ich mich mangels Alternative (die österreichischen Olympioniken hatten in Rio und TV unbelohnterweise wieder ihr Bestes gegeben) zum Zeitvertreib über die waag- und senkrechten Suchbegriffe. Der Vorname des von mir geschätzten Musikers Clapton kostete mich ein müdes Lächeln (Eric), ebenso die Sutane als Priestergewand, auch die Tonnage als Rauminhalt eines Schiffes brachte mich nicht zum Schwitzen. Dann, als hätte es Frau Moser geahnt und mir ein Zeichen geschickt, tauchte die Frage nach einer bekannten Kinderbuchfigur der Autorin J. Spyri auf. Und schon waren meine Gedanken wieder bei Heidi. An ihrer Seite aber diesmal nicht der Ziegenpeter, sondern ihr Herr Moser.

Ach Heidi!

Heute morgen sandte mir meine geliebte Adelheid via Whatsapp obiges Foto nach Stockholm und schrieb dazu: „Moser, in unserem Garten komponiert der Sommer in schwedischen Farben und erinnert mich an dich! Bring deinen fischigen 🐟 Auftrag bald zu einem glücklichen Ende. Ich vermisse dich!“

Ach Heidi! ❤

Sieger der Herzen

Mein Auslandseinsatz in Schweden stellt mich täglich vor neue Herausforderungen, nicht nur in beruflich-fachtechnischer, vielmehr auch in sozial-kultureller Hinsicht. Die Interaktion mit fremden Menschen, das Verbrüdern und Schließen neuer Kontakte ist meine Sache nicht. Speziell die Wochenenden in dieser fremden Stadt sind eine Tortour de Tristesse für mich. Letzten Samstag sprang ich über meinen eigenen Schatten und unternahm einen Spaziergang in den Straßen der schwedischen Metropole, ich knipste ein paar Bauwerke und Denkmäler, die verdächtig nach Historie und Kultur rochen. Danach verzehrte ich in einem bürgerlichen Restaurant erstmals in meinem Leben ein Elch-Carpaccio und wollte anschließend wieder meine fein ausgestattete Dienstwohnung aufsuchen (es lebe das überaus soziale Schweden!).  Leider machte mir mein schwach ausgeprägter Orientierungssinn einen Strich durch die abendliche Rechnung, und ich landete 40 Minuten später im Stockholmer Hafen, der entgegengesetzt zu meinem Appartement liegt. Schließlich musste mich ein eifriger und geschwätziger Taxifahrer gegen einen fürstlichen Obolus nach Hause kutschieren.

Dieser teure und beängstigende Ausflug war mir eine Lehre und ich werde dieses Wochenende keinen Fuß vor die Tür setzen. Auf meinem farbigen und großflächigen Fernsehbildschirm pulsiert diesmal der Sport in all seinen merkwürdigen Facetten. Olympische Spiele im brasilianischen Rio. Es wird geschossen, gerudert, gerungen, geturnt, gesprungen, gelaufen, gestoßen, gefochten, gejubelt, geweint. Meine Heimat Österreich schlägt sich bei diesem Großevent wieder einmal sehr tapfer, aber unglücklich, wovon zahlreiche vierte und fünfte Plätze zeugen. Wir sind die große Pechnation, die Sieger der Herzen. Die Haaresbreiten-Sportler. Österreich hält sich streng an das olympische Motto Dabeisein ist alles! Als Gast-Schwede darf ich mich wenigstens über vier blau-gelbe Medaillen freuen. Ihre Heringfilets in Dillsauce mögen zwar nur Mittelklasse sein, im Wettschwimmen und Wettsingen (Song Contest) sind sie gar nicht mal schlecht.

 

Feueralarm!!!

Urs Hügeli wurde aus der Schweizer Filiale unserer Fischkonservenfabrik abkommandiert, um mir über die erfahrene Expertenschulter zu blicken und meine schwedischen Erkenntnisse punkto Dillsaucen und Dosenheringen den Eidgenossen näher zu bringen. Er ist ein humorloser Pedant, selbst der deutschen Sprache ist er nicht mächtig. Also nicht so richtig… er sagt nämlich Dinge wie „Ich parkiere mein Velo glich beim Lieferantenusgang!“ oder „Hüt  z´morge hanni´sch Hörndele gessa!“

Parkieren! Ha! Ich bin kein Freund dieser Helvetismen, aber gerade dieser parkierende Hügeli erdreistete sich gestern zu folgender Aussage: „Mosr“, zwinkerte er mir unaufgefordert und peinlich vertraulich zu, „Mosr, Sie sind eine echte Katastrophe! Eine Mischung aus Monk, Sheldon Cooper und Mister Bean.“  Ich nehme an, er bezog sich auf den unglücklichen Taubenvorfall, der gestern meine Leserschaft (Beitrag „Ornithophobie“) und meine Bürokollegen in schiere Aufregung versetzte. Etwas beschämt muss ich gestehen, dass ich später in Panik den Feueralarm auslöste, um mit der Sprinkleranlage die gefiederte Pest aus unseren heiligen Hallen zu vertreiben. Zum Glück ist unser Konservenimperium gegen Wasserschaden gut versichert.

Abgesehen davon kenne ich die beiden von Urs Hügeli Erstgenannten (Monk und Sheldon Cooper) gar nicht, doch dieser englische Tollpatsch Mr. Bean hat mir und meiner angetrauten Adelheid schon so manche Lachträne entlockt. Also rückte ich meine blau-gelbe Krawatte zurecht und antwortete mit einem süffisanten Lächeln: „Falsch, mein lieber Hügeli! Mr. Bean hätte den Feueralarm unabsichtlich und aus Dummheit ausgelöst, ich hingegen habe den roten Knopf mit voller Absicht und zu unserer Rettung vor der Taubeninvasion gedrückt. Der Zweck heiligt die Mittel!“ Stolz, dem Mann aus St. Gallen logische Paroli geboten zu haben, lehnte ich mich in meinen schwarzen Kunstleder-Drehstuhl zurück und zündete mir gewohnheitsmäßig eine Zigarette an. Genussvoll blies ich den Rauch zur Decke und konnte mir ein spöttisches Lächeln nicht verkneifen.

Als kurz darauf die Sirenen ertönten und aus der Decke Wasser sprinkelte, war ich schon auf dem Weg zum Lieferantenusgang, wo mein Auto parkierte. Dieser schwyzerdütsche Fatzke hat doch glatt das „e“ in meinem Namen unterschlagen. Mosr. Paahh.

Ornithophobie

Die Angst vor Vögeln (zweideutige Anspielungen sind sofort aus dem Gedächtnis zu streichen!) wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Im zarten Säuglingsalter pflegte mir meine liebe Mama Moser die tägliche Frischluftdosis per Spaziergang im gegenüber liegenden Schönbornpark zu verabreichen. Während ich also eines Tages unschuldig im gut gepolsterten Kinderwagen lag, abwechselnd an Daumen und Trinkflasche nuckelnd, und sorgenvoll die sprießende Flora und Fauna rund um mich betrachtete, verdunkelte ein bedrohlicher Schatten meinen kindlichen Horizont. Und ehe ich meine Stoffwindel vollpupsen konnte, krallte sich ein verschlagener, blutrünstiger Habicht mein Fläschchen mit körperwarmem Himbeersaft. Zurück blieb ein zutiefst verstörter, brüllender Moser junior, der fortan mit einer ausgewachsenen Ornithophobie geschlagen war.

Verwichenen Freitag begab es sich um die Mittagsstunde, dass mein vorwitziger Kollege Gunnar Svenson unser Bürofenster öffnete, um den überdurchschnittlichen schwedischen August-Temperaturen Einlass zu gewähren. Es dauerte keine acht Minuten, als ein seltsames, unsympathisches Vogelfeder-Sirren die Luft erfüllte und ein kreisender Schatten auf meinem Bildschirm für Unruhe sorgte. Svenson hatte das graue, gefiederte Grauen in unsere sonst so sicheren Geschäftsräume gelassen. Ich schrie „Taube im Raum, Taube im Raum! Alarm!“ Zwar verstand niemand meiner Schwedenkollegen mein deutsches Gebrüll, doch unsere Controllerin schlüpfte panisch unter ihren silbrigen Kunststoff-Schreibtisch und ein Laufbursche aus den Fertigungshallen vollführte mit einem gelben Aktenordner akrobatisch-kreisende Bewegungen. Svenson kicherte hysterisch, Lohnbuchhalter Lars stellte sich ans offene Fenster und gurrte. Ich schlich auf allen Vieren der Wand entlang zur Toilette, wo ich mich unauffällig einriegelte und Frau Moser per Whats App informierte, dass mein letztes Stündlein geschlagen hat. „Invasion von Außerirdischen in Stockholm?“ frug sie keck zurück. Auf meine Antwort „Nein Taube!“ riet sie mir, in Zeichensprache meine friedvollen Absichten zu bekunden. Dies sei bei Tauben ein probates Mittel. Manchmal beschleicht mich das dumpfe Gefühl, dass mich diese Frau einfach nicht ernst nimmt.

Foto: Tierchenwelt.de

 

World Wide Weg

Durch ein technisches Gebrechen – wobei ich auch Moser´sches Versagen im Umgang mit den allmächtigen Geistern des World Wide Web nicht in Abrede stellen will – wurden meine Erlebnisse auf dem Flug von Wien nach Stockholm verspätet, gar nicht oder in falscher Reihenfolge veröffentlicht. Ich ersuche meine geneigten Leser und Follower demütig, die katastrophalen Ereignisse in chronologisch richtiger Abfolge unter  Flugangst I bis V nachzulesen.

Während ich mich also hier im angenehm frühlingshaften Schweden mit den chemischen Köchen der Dillsaucen-Abteilung abquäle, und mit den Marketingspezialisten der Fischkonservenfabrik in einer Mischung aus radebrechendem Englisch und Zeichensprache neue Strategien austüftle,  ist mein geliebtes Weib Adelheid im fernen Wien völlig auf sich allein gestellt. Da ich aber nun zum erlauchten Kreis der Smartphone-Jünger gehöre, bleibt uns zumindest die spontane Kommunikation per Whats App.

„Moser“, schrieb sie mir via Sprechblase. „Der Schlauch unserer Dusche ist defekt und versprüht an ungeeigneter Stelle einen dünnen Wasserstrahl. Was tun?“ „Besorge im Baumarkt einen neuen Schlauch und tausche ihn aus“, tippte ich und war in Gedanken schon wieder bei Dosenheringen und Absatzzahlen. Zwei Stunden später erreichte mich der digitale Hilferuf „Überflutung!!!“ inklusive eines detailgetreuen Fotos unseres verwüsteten Badezimmers. Der kleine grüne Plastik-Abfalleimer dümpelte friedlich inmitten von Duschgel und Badeschwamm im knietiefen Wasser. Zum Glück ist Frau Moser eine gute Schwimmerin und ich empfahl ihr per Whats App, nach dem nächsten Klempner-Notdienst zu googeln. Die Segnungen der digitalen Kommunikationstechnik haben unser kleines Reihenhäuschen vor dem Untergang gerettet.