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Hansi und Burli

Nachdem gestern unser außerirdischer Marcel Hirscher im 1. Durchgang des Riesentorlaufs von Garmisch die mitwedelnde Konkurrenz weit hinter sich gelassen hatte, meinte meine stets aktive und nimmermüde Heidi allen Ernstes: „Ein bisschen Bewegung würde deinem eingerosteten Bürohintern auch nicht schaden, Moser! Machen wir einen kleinen Spaziergang.“ Ich eilte in den Garten, um Wind- und Wetterlage zu prüfen und beschied meiner agilen Gattin: „Windstärke 10! Ein Schneesturm zieht auf. Lass uns den Spaziergang auf März verschieben.“ Leider kennt Heidi ihren bewegungsresistenten Mann nur zu gut, hielt ihr misstrauisches Näschen in das warme Frühlingslüftchen und beschied mir: „Abmarsch in 15 Minuten!“

Wir stapften gerade über eine leicht morastige Wiese Richtung Weinberge, als sich im Osten der Himmel verdunkelte und kurz darauf ein gewaltiges Geschwader schwarzer Krähen (es mögen auch Raben gewesen sein) im Formationsflug wie eine Kunstflugstaffel des Bundesheeres über unsere Köpfe brauste und höhnisch krähte. Nun weiß der treue Stammleser, dass Herr Moser unter ausgeprägter Ornithophobie, also der Angst vor Vögel, leidet. Ich erinnere an den Sommer 2016, an meinen beruflichen Aufenthalt in Schweden, wo eine verirrte Straßentaube durch das offene Fenster in unser Büro segelte und ich in meiner Panik den Feueralarm samt Sprinkleranlage auslöste, was in der Stockholmer Niederlassung zu Chaos und Verderben führte. Ich erwähne dies nur, um Ihnen meine Vogelpanik deutlich vor Augen zu führen.

Beim Anflug der Killerkrähen, die schwarzen spitzen Schnäbel glänzten gefährlich in der tief stehenden Wintersonne, warf ich mich sofort bäuchlings in den Morast, hielt meine Arme schützend über den Kopf und rief Heidi warnend zu: „Deckung!! Rabengeschwader auf drei Uhr!!“ Bewundernd blickte mein Weib der gefiederten Fliegerstaffel hinterher, Alarm zu geben wenn´s so wär, dabei war dort am Horizont, nur eine schwarze Rabenfront.  „Woher rührt deine tiefe Abneigung und Vogelangst eigentlich?“ frug Heidi, als sie mir mit einem Taschentuch und Spucke den Schlamm aus den Augen rieb. Ich erzählte.

Meine Großmutter selig, die alte Moser, hielt sich wie die meisten trauernden Witwen in den 60er Jahren zwei Wellensittiche zwecks Vertreibung der Einsamkeit. Der blaue Sittich wurde Hansi gerufen, der grüne Burli. Wann immer der kleine Mosi-Knirps die Oma besuchte, saßen die beiden gesittet und sicher in ihrem Käfig, wetzten ihre Schnäbel an einer Tintenfisch-Schale, pickten Körner und zwitscherten gesellig. Eines Tages wollte ich von der Großmutter wissen, warum die beiden Wellensittiche keine Eier legen. „Weil´s Manderl san“, gab sie ein klein wenig aus ihrem Erfahrungsschatz preis, und beizte dabei den Krautsalat nach böhmischer Art mit reichlich Kristallzucker, Salz und Kümmel. „Sind der Hansi und der Burli zwei Warme?“ bohrte ich mit kindlicher Neugier weiter. Die Worte „schwul“ oder „homosexuell“ existierten im Wienerischen Sprachschatz der 60er und 70er nicht. Wenn sich zwei Männer liebten, wurden sie politisch völlig unkorrekt als „Warme“ bezeichnet. „Bist a Woama?“ war selbst bei mir in der Volksschule schon ein geflügeltes Wort bei unmännlichem, mädchenhaftem Verhalten. Für meine Oma, um die Jahrhundertwende geboren, war ein solch unmoralischer Ausdruck aus dem Mund eines Kindes ein Skandal, und sie forderte mich auf, mir sofort den Mund mit Essig auszuspülen. O tempora, o mores. Später, als die alte Moser den Krautsalat mit ihren knorrigen Fingern ordentlich durchwalkte, erklärte sie mir, dass Hansi und Burli nur gute Freunde seien, die sich eben zufällig einen Käfig teilen. „Aha, also nur Zellengenossen“, gab ich mich verständnisvoll. „Genau“, nickte das Großmütterchen, „und jetzt machen sie ihren täglichen Ausflug!“ Sie öffnete das kleine Türchen aus metallenen Gitterstäben, und rief: „Haaansi! Buuurli! Raus mit euch!“ Dabei spitzte sie ihre runzeligen Lippen und imitierte täuschend echt das Wellensittich-Gezwitscher. Ich hatte Hansi und Burli noch nie in freier Wildbahn erlebt und sah staunend zu, wie die Sittiche quer durch die Küche ins Wohnzimmer segelten, und es sich auf der Gardinenstange gemütlich machten. Dort saßen sie für den Rest des Nachmittags brav und still, legten das blaue und grüne Köpfchen aufmerksam zur Seite und beobachteten das Geschehen, obwohl eigentlich nichts geschah. Oma röstete in einer großen, schwarzen Bratpfanne Speckwürfel für den Krautsalat, ich sortierte in Ermangelung eines Fernsehers ein Paket Spielkarten nach Farben aufsteigend in ihrer Wertigkeit, und trank Kakao. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keinerlei Berührungsängste mit Vögeln.

Schließlich war der Hofgang der beiden Zellengenossen beendet, und meine Großmutter klopfte mit dem Kochlöffel auf die Metallstäbe des Käfigs und rief wieder „Haaansi! Buuurli!“ Der grüne Burli hatte es eilig nach Hause zu kommen und flog auf direktem Weg in seine Behausung, der blaue Hansi drehte noch eine Ehrenrunde über dem Tisch, streifte dabei mein linkes Ohr (was mich zu Tode erschreckte!) und ließ eine weiße Kotbombe in meinen Kakao fallen. Dort schwamm die Hinterlassenschaft zunächst wie ein kleines Schlagobershäubchen, ehe es gurgelnd in den Tiefen der braunen Köstlichkeit verschwand. „Oooooma! Der Hansi hat in meinen Kakao gekackt!“

„Ich nehme an, meine Abneigung gegen die gefiederten Gesellen rührt aus dieser Zeit. Ein kindliches Trauma“, schloss ich meine Erzählung. Heidi und ich brachen den kurzen Spaziergang vorzeitig ab und kehrten bei unserem Lieblingschinesen ein. Ich entschied mich für Knusprige Ente, Heidi wählte Hühnchen Gan Bao mit Reis. Wenn sie still und gewürzt am Teller liegen, habe ich mit Vögeln überhaupt kein Problem.

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Leberwurst des Todes

Als Teilnehmer des Moser´schen Reihenhaus- und Fischkonservenfabriklebens wissen Sie eventuell, dass Ihr geschätzter Abteilungsleiter mit einer Reihe von Phobien zu kämpfen hat. Dazu gehören die Angst vor Vögeln (insbesondere Tauben), die Flugangst, Höhenangst, die Klaustrophobie, die Phobophobie (die Angst vor der Angst), und die Angst vor Injektionen, um nur die wichtigsten zu nennen. Alle anderen Ängste sind nur latent vorhanden bzw. nicht extrem ausgeprägt (Maulwürfe, ungewolltes Urinieren, Clowns, hohe Geschwindigkeit etc.) oder wissenschaftlich nicht belegt. Meine liebende Gattin Adelheid hat im Lauf der Jahrzehnte gelernt, mit diesen kleinen Handicaps umzugehen. Denn auch wenn sie es nie zugeben würde, ist sie selbst mit einer nicht unerheblichen Angst gestraft: der Bacterio- und Bazillophobie, also der Angst vor Bakterien, Bazillen und Mikroben.

Sie müssen sich das folgendermaßen vorstellen: Sobald ein Lebensmittel auch nur in die Nähe des aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatums kommt, rümpft Heidi bereits die Nase. Offene oder bereits angebrochene Köstlichkeiten stehen bei ihr unter Generalverdacht der Ungenießbarkeit, überall wittert Heidi einen heimtückischen Angriff von Killerbakterien. Öffne ich freitags eine Packung Pfirsicheistee, und stelle sie gut verschlossen wieder zurück in den Kühlschrank, lugt sie samstags bereits argwöhnisch mit der Taschenlampe hinein, ob sich über Nacht nicht ein Schimmelteppich gebildet hat. Wurst, Käse, Marmelade und Brot haben bei Bacteriophobikerin Heidi grundsätzlich keine lange Lebensdauer, sobald sie geöffnet oder angeschnitten sind.

In Dutzenden wissenschaftlich fundierten Vorträgen habe ich bereits versucht, ihr die Unsinnigkeit ihres Ticks klarzumachen, und gegen die Verschwendung gewettert: „Butterkäse ist per se nicht böse und verwandelt sich über Nacht auch nicht in ein pelziges, verdorbenes Schimmelpilzmonster! Die Lebensmittelkonzerne sind böse, weil sie das Mindesthaltbarkeitsdatum viel zu früh ansetzen, um leichtgläubige Menschen wie dich in Angst und Schrecken zu versetzen und zum Kauf neuer Produkte zu bewegen. Alles nur Geschäftemacherei! Vertraue deinem Geschmacks- und Geruchssinn!“ Doch wer glaubt schon einem ängstlichen Abteilungsleiter, der im Glashaus sitzt und mit Tauben und Maulwürfen wirft. Heidi nicht.

Ich habe es auch schon mit einer Konfrontationstherapie versucht: Im Sommer versteckte ich im Kühlschrank hinter einem großen Gurkenglas ein Vanille-Joghurt, und zwar zwei Wochen über das aufgedruckte Haltbarkeitsdatum hinaus. An einem heißen Nachmittag richtete ich meiner arglosen Frau ein Schälchen Heidelbeeren, und übergoss es mit dem abgelaufenen Joghurt (natürlich habe ich es zuvor auf seine Unbedenklichkeit überprüft, davon genascht und es für einwandfrei befunden). „Seit wann haben wir Vanille-Joghurt im Kühlschrank?“ frug Heidi misstrauisch und schnupperte am Schälchen. „Hab ich vorhin gekauft. Ich wollte dir mit einer kühlen, gesunden Erfrischung eine Freude bereiten“, log ich ungeniert und sie machte sich freudig über die Beeren her. Es kam keine Reklamation, und ich ließ ein paar Stunden verstreichen ehe ich ihr gestand: „Das war ein kleines Experiment, um dir zu beweisen, dass abgelaufene Lebensmittel nicht automatisch giftig und ungenießbar sind. Das Joghurt ist vor zwei Wochen abgelaufen.“ Schlagartig wurde Heidi von heftigem, psychosomatischem Bauchgrummeln überfallen und sie verbannte mich in dieser Nacht auf die Wohnzimmercouch.

Gestern Abend sahen wir im Fernsehen Ausnahmekönnern der Kochkunst beim großen Wettbewerb „The Taste“ zu. Die begnadeten Damen und Herren zauberten so grandiose Gerichte auf die Löffel, dass sich unser Appetit direkt proportional zur Dauer der Sendung steigerte. In einer der zahlreichen Werbepausen eilte ich in die Küche, um Heidi mit kleinen Häppchen zu überraschen. Ich schnitt luftig-knuspriges Weißbrot und bestrich die Scheiben mit Leberpastete, welche ich ganz frisch aus ihrer luftdichten Verschweißung geholt hatte. Ablaufdatum: 18. 12. 2017. Stolz reichte ich Heidi den mit Rosmarin verziertenTeller mit den Broten und wünschte guten Appetit. „Ist die noch gut? Von wann ist die?“ frug mein Weib und meinte die Leberwurst. „Nein!“ rief ich. „Ich habe sie schon vor zwei Minuten (!!) geöffnet, jetzt ist sie total verdorben und ungenießbar! Auf dem Weg von der Küche ins Wohnzimmer wurde die Leberpastete von winzigen, unsichtbaren Todesbakterien und Schimmelsporen attackiert. Das ist ein heimtückischer Anschlag auf dein Leben!“ Zur Bekräftigung nahm ich einen riesigen Bissen vom nächstliegenden Brot und mampfte dämonisch lachend.

Adelheid fand das allerdings nicht lustig. Als ich heute Morgen auf der Couch wach wurde, musste ich mir mein Frühstück selbst richten. Heidi rumorte oben im Bad. Ich schaltete die Kaffeemaschine ein, und schob eine Aufbacksemmel in den Ofen. Ich hatte Lust auf Leberpastete und öffnete den Eiskasten (in der deutschen Synchronfassung dieses erschütternden Berichts würde an dieser Stelle Kühlschrank stehen). Der gestern geöffnete Brotaufstrich lag in einer doppelten Schicht Alufolie verpackt in einem kleinen Tupperware-Döschen. Darauf prangte ein Aufkleber mit der roten Aufschrift: Zu verbrauchen bis spätestens 10. November 2017!!!

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass meine Konfrontationstherapie mit dem Joghurt nicht viel gebracht hat.

Schlaflos in Vienna

Am kommenden Mittwoch habe ich einen Termin beim Zahnarzt. Zugegeben: Mein letzter Besuch in der Ordination von Dr. Schwingenschlögel liegt schon einige Zeit zurück. Aus gutem Grund, denn ich leide an einer ausgewachsenen Zahnarztphobie. Genau genommen bezieht sich meine Phobie nicht auf den Zahnarzt, sondern auf die schmerzhafte Behandlung. Man könnte auch von einer brutalen Dental-Oral-Odontophobie sprechen. Der Gedanke an Finger in Latex-Handschuhen, die in meinem Mund herumfuhrwerken, an Spritzen, Bohrer, Saugschläuche, Tampons und Arztpraxisgerüche löst bei mir schlimme Panikattacken aus. Und Schlaflosigkeit.

Einschlafen kann ich eigentlich immer. Nur letzte Nacht nicht. In meinem Kopfkino lief der Dental-Thriller „Die neuen Leiden des alten Moser“ in Farbe, Dolby Surround und 3D, und der Zahnarzt sah Sir Laurence Olivier  im „Marathon-Mann“ erschreckend ähnlich. Schweißgebadet wälzte ich mich von einer Seite auf die andere, an einschlafen war nicht zu denken. Schließlich ging ich zum Spiegel um nachzusehen, ob ich überhaupt müde bin. Ja, ich sah so müde aus wie immer. Komisch. Ich nahm mein Smartphone zur Hand und sagte sämtliche Verabredungen für die nächsten Tage ab.  Das Einschlafproblem hatte jetzt absolute Priorität. Ich musste fünf Anrufe machen, bis ich zumindest eine Verabredung hatte, die ich dann absagen kann. Danach lag ich weiter auf dem Bett, starrte an die Decke und bekam langsam Hunger. Es war 02:12 früh.

Ich rief bei unseren Nachbarn, den hilfsbereiten Kalteneggers an. Nach endlos langem Getute meldete sich der verschlafene Bruno: „Ha…. (räusper) …llo. Hallo?“ „Ja, hier Moser. Bruno, kannst du für mich den 24-Stunden-Pizzaservice anrufen?“ „Warum zur Hölle machst du das nicht selbst?“ „Ach weißt du, ich bestelle doch immer nur Salami-Pizza, das wird mir langweilig. Such du etwas für mich aus, überrasche mich! Dann hab ich etwas, worauf ich mich freuen kann!“ antwortete ich und legte auf. Immerhin lenkt der Hunger von der Angst ab. Ich wurde spürbar ruhiger, und beim Warten auf den Pizzaboten fast schon schläfrig. Damit ich das Läuten des Lieferanten nicht überhöre, kochte ich mir eine ganze Kanne starken, schwarzen Kaffees und goss sie mir über den Kopf.

Endlich klingelte es und ich öffnete. „Eine Vegetaria Familienpizza mit Extra Oliven und Knoblauch, der Herr! Macht 18 Euro 90.“ Ich gab ihm einen Zwanziger und schloss die Tür. Bruno wusste, dass ich Oliven in jeder Form und Ausprägung hasse. Vegetaria, also fleischlos. Mist. Ich hätte lieber Salami gehabt. Als ich mit der duftenden Pizzaschachtel zurück ins dunkle Schlafzimmer schlich, platzte Heidi der Kragen: „Moser, raus hier bevor ein Unglück geschieht! Vor deinem Zahnarzttermin setzt du keinen Fuß mehr ins Schlafzimmer.“

So saß ich für den Rest der Nacht im Arbeitszimmer, starrte die Wand an und überlegte, in welcher Farbe ich sie eines Tages streichen werde, damit meine Modellautos wirkungsvoll zur Geltung kommen.

Ornithophobie

Die Angst vor Vögeln (zweideutige Anspielungen sind sofort aus dem Gedächtnis zu streichen!) wurde mir quasi in die Wiege gelegt. Im zarten Säuglingsalter pflegte mir meine liebe Mama Moser die tägliche Frischluftdosis per Spaziergang im gegenüber liegenden Schönbornpark zu verabreichen. Während ich also eines Tages unschuldig im gut gepolsterten Kinderwagen lag, abwechselnd an Daumen und Trinkflasche nuckelnd, und sorgenvoll die sprießende Flora und Fauna rund um mich betrachtete, verdunkelte ein bedrohlicher Schatten meinen kindlichen Horizont. Und ehe ich meine Stoffwindel vollpupsen konnte, krallte sich ein verschlagener, blutrünstiger Habicht mein Fläschchen mit körperwarmem Himbeersaft. Zurück blieb ein zutiefst verstörter, brüllender Moser junior, der fortan mit einer ausgewachsenen Ornithophobie geschlagen war.

Verwichenen Freitag begab es sich um die Mittagsstunde, dass mein vorwitziger Kollege Gunnar Svenson unser Bürofenster öffnete, um den überdurchschnittlichen schwedischen August-Temperaturen Einlass zu gewähren. Es dauerte keine acht Minuten, als ein seltsames, unsympathisches Vogelfeder-Sirren die Luft erfüllte und ein kreisender Schatten auf meinem Bildschirm für Unruhe sorgte. Svenson hatte das graue, gefiederte Grauen in unsere sonst so sicheren Geschäftsräume gelassen. Ich schrie „Taube im Raum, Taube im Raum! Alarm!“ Zwar verstand niemand meiner Schwedenkollegen mein deutsches Gebrüll, doch unsere Controllerin schlüpfte panisch unter ihren silbrigen Kunststoff-Schreibtisch und ein Laufbursche aus den Fertigungshallen vollführte mit einem gelben Aktenordner akrobatisch-kreisende Bewegungen. Svenson kicherte hysterisch, Lohnbuchhalter Lars stellte sich ans offene Fenster und gurrte. Ich schlich auf allen Vieren der Wand entlang zur Toilette, wo ich mich unauffällig einriegelte und Frau Moser per Whats App informierte, dass mein letztes Stündlein geschlagen hat. „Invasion von Außerirdischen in Stockholm?“ frug sie keck zurück. Auf meine Antwort „Nein Taube!“ riet sie mir, in Zeichensprache meine friedvollen Absichten zu bekunden. Dies sei bei Tauben ein probates Mittel. Manchmal beschleicht mich das dumpfe Gefühl, dass mich diese Frau einfach nicht ernst nimmt.

Foto: Tierchenwelt.de