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Tunga Bunga, Teil III

Nach zwanzig Minuten Fußmarsch erreichten sie das Dorf. Männer, Frauen und Kinder umringten die seltsamen Gestalten neugierig und zupften vorsichtig an deren Federn. Onkel Dagobert versuchte, sich die Wilden mit seinem Gehstock vom Hals zu halten und rief: „Wo ist Kabunga? Ich will mit Kabunga sprechen! Häuptling, du verstehen?“

Plötzlich ertönten Buschtrommeln – Bong! Bong! – und aus der größten, mit bunt bemalten Totenköpfen geschmückten Hütte trat ein Mann, der seinen dicken Bauch wie ein dunkelbraunes Bierfass vor sich hertrug. Der Umhang aus prächtigen Papageienfedern war wohl seine Häuptlingsuniform, und – Dagobert traute seinen Augen kaum – in der Nase steckte kein Knochen, sondern ein alter Bleistift. Er war am Ziel. Endlich! Der Heilige Stift. „Düsentrieb, sagen Sie ihm, dass ich ihm ein ausgezeichnetes Tauschgeschäft vorzuschlagen habe – wir verhandeln in seiner Hütte. Sie kommen mit dem Übersetzungsapparat mit. Donald, gib mir den Rucksack mit dem Proviant und den Glasperlen“, ordnete der Krösus an.

Keine halbe Stunde später trat das Trio wieder auf den Dorfplatz. Die Nase des Kabunga war nun schmucklos, dafür kaute er selig lächelnd an einem Schokoriegel und rieb sich den braunen Ranzen. „Hier seht ihr den neuen Besitzer des Heiligen Stiftes!“ triumphierte Dagobert. „Wie ich dich kenne, war der Preis dafür nicht allzu hoch“, feixte Gustav. „In der Tat, ich denke zehn Schokoriegel, drei Tüten Gummientchen und ein Säckchen bunter Glasmurmeln sind nicht überbezahlt“, schmunzelte der Alte. Und plötzlich! Drei maskierte Gauner mit blauen Käppis und roten Shirts stürmten aus dem Dschungel, schnappten sich die überraschten Kids und setzten ihnen dicke Revolver an den Kopf. „Hi Berti“, grinste der unrasierte Typ mit der Nummer 123-4 auf der Brust. „Überraschung! Guckst du, ne? Und jetzt rück den verdammten Stift raus, sonst machen wir aus deinen Neffen ein paar niedliche Bleienten!“ „Die Panzerknacker!“ Donald schlotterte am ganzen Körper. Zitter! „Lasst bitte meine Jungs frei.“ „Die Operation war streng geheim – wie habt ihr uns gefunden?“ wollte Dagobert wissen. „Tja, vielleicht solltest du alter Geizkragen deine Leute anständig bezahlen. Dein Pilot hatte jedenfalls nichts gegen eine kleine Bonuszahlung“, antwortete Nr. 456-7. „Dafür hat er uns per Funk über euren Ausflug informiert.“ Und Nr. 789-0 ergänzte: „Wir ham ein Speedboot gechartert, das hat uns hierher gebracht. Mr. Swan wird uns zurück nach Entenhausen fliegen, und ihr werdet auf der Insel verrotten, ihr Asis.“ „Und jetzt her mit dem Stift“, knurrte 123-4. „Sonst knallt´s.“

„Diesmal habt ihr wohl gewonnen“, seufzte Onkel Dagobert und fischte ein schwarzes, mit Ornamenten reich verziertes Etui aus der Innentasche seiner abgewetzten Jacke. Er klappte den Deckel auf, zum Vorschein kam ein ockerfarbener Bleistift auf rotem Samt. 456-7 krallte sich die Schachtel und stimmte mit seinen Kollegen in ein dreckiges Lachen ein. „Los Brüder, lasst uns verduften!“ rief Nr. 123-4. „Das Flugzeug wartet.“ „Und ein Leben in Saus und Braus!“ ergänzte 789-0. Kurz darauf waren die Panzerknacker im Busch verschwunden.

Dagobert wälzte sich vor Lachen im Staub. „Der Schmerz über den Verlust hat ihm den Verstand geraubt“, erklärte Gustav. „Mir geht es bestens“, gluckste der alte Mann und wischte sich die Lachtränen aus dem Gefieder. „Ab… aber ddder Stift“, stotterte Donald bestürzt. „Ich bin nicht auf den Kopf gefallen – wie hätte ich es sonst zu unermesslichem Reichtum bringen können?“ erklärte Onkel Dagobert. „Ich habe natürlich damit gerechnet, dass dieses Schurkenpack irgendwann auftauchen wird. Also legte ich den Bleistift von Herrn Düsentrieb in eine Schatulle, den echten Heiligen Stift hab ich – ganz unauffällig – in seiner Brusttasche platziert. Darf ich bitten?“ Lächelnd reichte Daniel das Objekt der Begierde an Dagobert, den alten Fuchs. „Mission erfüllt!“ Tick, Trick und Track warfen ihre Baseball-Mützen in die Luft und jubelten: „Jippiiiieh!“

Zurück am Strand galt es ein nicht unerhebliches Problem zu lösen: Wie zum Teufel sollten sie ohne Flugzeug zurück nach Entenhausen kommen? „Es sind 900 Seemeilen bis nach Hause, das ist mit dem Schlauchboot und zwei Paddeln nicht zu schaffen“, schien auch Düsentrieb ausnahmsweise ratlos. Gustav Gans, ganz auf sein Glück vertrauend, meinte: „Ich hab erst mal Hunger. Gott sei Dank haben wir ja noch einen Rucksack mit Vorräten im Unterholz versteckt.“

Kreisch!

Schnaubend vor Wut kam Gustav angerannt. „Dieser hirnlose Idiot Don hat statt des Fressbeutels einen Fallschirm in das Boot gepackt! Ich fall vom Glauben ab…“ Die Mitteilung versetzte die Truppe in aufgeregtes Geschnatter. Nur die drei Jungs steckten die Köpfe zusammen und flüsterten aufgeregt. „Leute! Ruhe, hört mal zu!“ riefen die Neffen schließlich. „Onkel Donald hat uns durch sein Missgeschick das Leben gerettet – wir haben zwar nichts zu futtern, dafür eine Möglichkeit nach Hause zu kommen.“ Staun! „Wir entfalten den Fallschirm, knüpfen die Seile an die Ruder-Halterungen des Schlauchbootes… und schon haben wir ein perfektes Segel!“ erläuterten sie ihren Plan. Drei Jahre bei den Pfadfindern von „Fähnlein Fieselschweif“ mussten sich ja irgendwann bezahlt machen. „Der Wind kommt aus Nordwest, das könnte hinkommen“, murmelte Daniel, der auf seinem Helferlein bereits ein Navigationsprogramm geladen hatte und den Kurs berechnete.

Bald darauf stach das knallgelbe Gummiboot in See, gezogen von einem aufgeblähten Fallschirm. Es herrschte eine steife NW-Brise und sie kamen gut voran. Düsentrieb überwachte den Kurs, Gustav hielt eine alte Schnur mit einer verbogenen Büroklammer in die Wellen und zog wenig später einen dicken Fisch raus, Donald gab sich nach all den Strapazen einem wohlverdienten Nickerchen hin, und Onkel Dagobert streichelte selig den Heiligen Stift. Tick, Trick und Track tönten:

„Geil!“

„Krass!“

„Swag!“

 

ENDE

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Tunga Bunga, Teil II

Die Flugzeugmotoren brummten tief und monoton. Donald hatte es sich in der letzten Reihe gemütlich gemacht und veranstaltete ein mehrstimmiges Schnarchkonzert. Chrrrrrr. Düüüüüü. Chrrrrrr. Düüüüüü. Daniel hatte den Laptop am Schoß und programmierte Apps für das Ei-Phone, nebenbei kritzelte er mit seinem Bleistift rätselhafte Formeln in ein Notizheft. Gustav spielte mit Trick und Track Poker um Erdnüsse, während Tick seinen Onkel besuchte, der neben Mr. Swan, dem Piloten, im Cockpit saß.

„Sag, was genau ist eigentlich der Heilige Stift, Onkel Dagobert?“ „Das weißt du nicht?!“ fragte der alte Mann entsetzt. „Was lernt ihr jungen Spunde heute eigentlich in der Schule? Nun gut, hör zu: In den späten 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts schuf Mr. Walter Elias Disney mit Mickey Mouse den Urahn und Stammvater unserer Sippschaft. Disney gilt als Schöpfer unseres einzigartigen Universums und wird verehrt wie ein Gott. Sein Zeichenstift, mit dem er den Grundstein für unser aller Leben legte, gilt als wertvollste Reliquie der gesamten Disneyworld.“ „Was ist mit dem Stift geschehen?“ fragte Tick. „Der Heilige Stift ist nach dem Tod von Mr. Disney verschwunden. Die Legende besagt, dass er vom Orden der Erpelritter an einen geheimen Ort gebracht wurde. Und ich hoffe, dass Tunga Bunga dieser geheime Ort ist.“ „Wow!“ flüsterte der Junge und eilte nach hinten, um seinen Brüder die sagenhafte Geschichte zu erzählen. Ein paar Stunden später setzte das silberfarbene Flugzeug sicher und sanft in einer Bucht vor Tunga Bunga auf. Mr. Swan war ein guter und erfahrener Pilot, das zeigte schon sein weißer Backenbart.

„Donald, pack die Rucksäcke mit der Ausrüstung in eines der Schlauchboote und bring sie an Land“, befahl Dagobert. „Wir rudern mit dem zweiten Boot an den Strand.“ „Immer ich, verdammte Entengrütze“, maulte der Neffe leise. Grummel. Stöhn. Wenig später stand die gesamte Truppe am wunderschönen Sandstrand von Tunga Bunga. Dagobert ordnete an, dass sie nur das Notwendigste mitnehmen würden – Wasser, ein wenig Proviant, eine Machete, den Kompass und einen Sack Glasperlen zum Tauschen. Die Kinder sollten die Schlauchboote und die übrigen Rucksäcke im Unterholz verstecken. Mr. Swan würde beim Flugzeug Wache halten. „Falls wir in zwei Tagen nicht zurück sind, holen Sie Hilfe!“ gab Dagobert dem Piloten zu verstehen. Dann setzte sich die Expedition im Gänse- und Entenmarsch in Bewegung.

Seit Stunden kämpften sie sich nun durch das Gehölz des Urwaldes. Es war brütend heiß. „Ich bin gleich knusprig“, ätzte Donald, der natürlich den schweren Rucksack mit den Vorräten tragen musste. Gustav ging voran, mit seinem Glück würde er den richtigen Weg schon finden, war Onkel Dagobert sicher. Immer wieder scheuchten sie riesige Schwärme exotischer knallbunter Vögel hoch, die mit ihrem Gekreische einen Höllenlärm veranstalteten. „Ich muss mal für kleine Gänseriche“, verkündete Gustav und verschwand seitlich in den Büschen. „Geht ruhig weiter, ich komme gleich nach!“

„Dann übernimm du inzwischen die Führung“, quakte Dagobert in Richtung Donald. Der hielt diesmal den Schnabel, dachte an sein Erbe und ging voran. An einer Gabelung entschied er sich für links, weil dort der Weg etwas weniger beschwerlich wirkte. Zwei Minuten später – Rumpel! Polter! – stürzte der ganze Haufen unter wildem Geschnatter in ein tiefes Erdloch, das mit losen Ästen und Palmblättern gut getarnt war. „Das hast du ja wieder mal prima gemacht!“ keifte der Alte seinen Neffen an. Düsentrieb checkte, ob sein Helferlein etwas abbekommen hatte, aber es schien alles in Ordnung. „Wie kommen wir hier je wieder raus?!“ ängstigen sich Tick, Trick und Track. Da erschien der gegelte Schopf von Gustav Gans am Rand der Grube. „Na, meine Lieben? Hat euch Don wieder mal gezeigt, wo es lang geht?“ grinste er. „Halt bloß den Schnabel und hol uns lieber hier raus!“ entgegnete Donald wütend. Kurz darauf ließ Gustav zwei Lianen herab und befreite die Truppe aus der misslichen Lage.

Wenig später – Donald reklamierte eben eine dringend notwendige Rast während Dagobert weiter zur Eile antrieb – blieben die drei Jungs stehen und schnatterten aufgeregt: „Ruhe! Seid mal still! Hört ihr das?“ Alle hielten inne und lauschten. Ein Vogelschrei, knackende Zweige. Und plötzlich, wie aus dem Nichts, standen fünf Wilde vor der Entenhausener Expedition. Schwarze, finster dreinblickende Gesellen, nur mit einem Bastrock bekleidet und mit einem Speer bewaffnet. Quer durch die Nase trugen sie als Schmuck einen kleinen Knochen.

„Katunga Sambala Kabunga!“

Huch!

Onkel Dagobert fasste sich als Erster ein Herz: „Wir kommen in Frieden!“

„Katunga Sambala Kabunga!“ wiederholte einer der Eingeborenen nun lauter und stampfte mit seinem Speer auf den Boden.

„Was quasseln die bloß für ein Kauderwelsch?“

Da meldete sich Düsentrieb zu Wort: „Herr Duck, ich habe da eine kleine Translator-App für unerforschte Dialekte programmiert…“

„Eine was??!!“

„Ein Übersetzungsprogramm…“

„Worauf warten Sie noch, mein lieber Düsentrieb!? Übersetzen Sie!“

Daniel drückte ein paar Mal auf das Display seines Ei-Phones, dann sprach er ins eingebaute Mikrofon: „Katunga Sambala Kabunga“ und schon tönte es aus dem Lautsprecher: „Fremde kommen mit zu Häuptling“.

„Coooool“ staunten die drei Jungs.

„Zeigen Sie den Wilden Ihren Bleistift und fragen Sie, ob sie wissen, wo wir den Heiligen Stift finden.“

„Okay.“ Düsentrieb holte seinen Stift aus seiner Brusttasche, hielt ihn hoch und fragte: „Kennt ihr Heiligen Stift?“

„Otanga Morit Erpato Salango?“ schnarrte das Handy.

Die Augen der fünf Schwarzen wurden riesengroß. „Kabunga Kabunga….“ stammelten sie. „Häuptling, Häuptling…“.

Fortsetzung folgt…

Bild: Disney