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Ein kleiner Regenguss am Abend hatte für ein wenig Abkühlung gesorgt, und so hatte ich letzte Nacht ausnahmsweise wieder mal sehr gut und tief geschlafen. Gähnend und mich wohlig räkelnd taumelte ich die Treppe abwärts, dem verlockenden Duft frischen Kaffees folgend. Und als ich vor dem Frühstückstisch stand, musste ich mir den Schlafsand staunend aus den Augen reiben – Heidi hatte die Tafel nicht nur mit den üblichen Leckereien (Toast, Butter, Weichselmarmelade, Wurst und Käse) gedeckt, sondern überdies noch ein buntes Sträußchen Tulpen sowie einen Schokoriegel mit 1 Geburtstagskerze hinzugefügt. Obwohl noch im Schlummermodus fuhr ich meine Festplatte hoch, um alle relevanten Feier- und Geburtstage aufzurufen und mit dem 12. Juli abzugleichen. No Match found. Hmmm.

„Herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen!“ lächelte Heidi und hielt mir das kleine Yes-Törtchen hin, auf dass ich das brennende Kerzlein ausblasen möge. Ich blies und frug: „Wir haben einen Sohn? Einjährig schon? Das ist aber eine Überraschung!“ „DU hast sozusagen ein Kind und es wird genau heute ein Jahr alt“, erwiderte meine aufmerksame Gattin und wackelte bedeutsam mit den Augenbrauen. „Sein Name ist Herr Moser – Alltägliches und Skurriles aus dem Leben des Abteilungsleiters einer Fischkonservenfabrik!“ Da fiel es mir wie Schuppen aus Cernys Haaren: Heute vor einem Jahr erblickte mein erster Beitrag das Licht der Bloggerwelt! Gerührt dankte ich Heidi, die mich damals in einer lauen Sommernacht bei einem Glas Gumpoldskirchner dazu animiert hatte, meine und unsere Erlebnisse für die Nachwelt festzuhalten. Somit gilt sie auch irgendwie als Mama des Moser-Blogs. Um ihre Überraschung entsprechend zu würdigen, biss ich rasch und herzhaft in den braunen Schoko-Balken. Dabei verbrannte ich mir das rechte Nasenloch am heißen Kerzendocht, doch wo gefeiert wird, fallen Späne.

Natürlich ist der heutige Tag wie kein anderer dazu geeignet, mich in Demut  und Dankbarkeit vor Ihnen, treue Leserinnen und Leser, zu verneigen. Ich bemühe meine hauseigenen Statistiken so gut wie nie, aber aus gegebenem Anlass darf ich mich bei 225 getreuen Moser-Followern bedanken. Ich habe auch keine Ahnung, ob das viel oder wenig, gut oder schlecht ist. Es ist mir auch relativ „blunzn“, wie wir in Wien sagen. Jedenfalls habe ich den Großteil der Gefolgschaft durch meine Schreiberei überzeugt, ganz ohne Rücksicht auf Beitragslängen oder Schlagworte, um über Google besser gefunden zu werden, ohne Gewinnspiele, Re-Blogs oder andere Aktionen. Ich erzähle aus meinem Leben, suche ein passendes Foto aus und veröffentliche. Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. Ganz blauäugig.

Ich freue mich über meine Dauer-Abonnenten der ersten Stunde, über die vielen neu Hinzugekommenen der letzten Monate und Wochen, über jedes Gefällt mir und über jeden eurer originellen Kommentare. Wenn ihr über meine Geschichten schmunzeln oder gar laut lachen könnt, ist das mein schönster Lohn. Meine lieben Leute, heute ist es an der Zeit für mich, euch dafür Danke! zu sagen. Bleibt mir gewogen, ich zähl auf euch.

Familienbande

Zum Abschluss der Feierlichkeiten rund um meinen Geburtstag (an dieser Stelle nochmals ein von Herzen kommendes Dankeschön! für die zahlreichen Glückwünsche meiner treuen Leser) luden meine Eltern am Sonntag zu einer gutbürgerlichen Jause in ihr Altersdomizil. Der Frühling ließ die Muskeln spielen wie ein Halbwüchsiger seinen Bizeps im Strandbad vor dem jungen Bikini-Volk, und wir düsten im tomatenroten Spanier ins sonnige Tullnerfeld. Mit an Bord: Heidis Mama, meine sehr geschätzte Schwiegermutter Inge.

Wie es nun mal so ist im Leben, gibt es in vielen Bereichen doch gravierende Unterschiede zwischen meinen Eltern und meiner Schwiegermama. So ist beispielsweise der Moser-Papa Poldi (geborener Leopold) der leidenschaftlichste Raucher, der mir je begegnet ist. Seit frühester Jugend hält er an seinem geliebten Laster fest, während Inge als Nichtraucherin zur Welt kam und bis heute blieb. Oder meine Mama Fritzi (geborene Friederike): Sie ist eine Technophobikerin allererster Kajüte, hat in ihrem langen Leben noch nie eine SMS verschickt, geschweige denn eine Computermaus berührt. Einen Anruf auf ihrem Uralt-Handy entgegenzunehmen (falls es mal zufällig eingeschaltet ist) oder die Kaffeemaschine zu entkalken, sind ihr technische Herausforderung genug. Nicht so Schwiegermutter Inge. Sie fotografiert mit ihrem Smartphone die knackigsten Motive, postet ihre kleinen Meisterwerke mit überaus positivem Echo auf Instagram und Facebook, und ist mit der modernen Telekommunikation ganz allgemein auf Du und Du. Während meine Eltern ihre Tage am liebsten in Haus und Garten verbringen, reist Inge fast täglich durch die Weltgeschichte, besucht Ausstellungen, Ostermärkte, Burgen und Schlösser, und lässt sich mit gleichgesinnten Senioren per Bus und Bahn durch die sehenswürdigen Lande kutschieren. Und um noch ein letztes Beispiel der Unterschiede zu nennen: Meine Mama Fritzi färbt ihre Löwenmähne seit Jahr und Tag tizianrot; die Schwiegermutter trägt einen eleganten, silbergrauen Kurzhaarschnitt.

Doch über all diese scheinbaren Grenzen und unterschiedlichen Lebensstile hinweg herrscht bei unseren familiären Zusammenkünften eine Harmonie und Fröhlichkeit, die ihresgleichen sucht. So auch am letzten Sonntag. Wir lachten und scherzten, erhoben das Sektglas auf Abteilungsleiter Moser, den alten Sack, erzählten uns Anekdoten von früher, redeten über Gott und seine Brüder Allah, Buddah & Co, sowie über die vom Klimafieber, Kriegen und irren Machthungrigen gebeutelte Welt. Wir kramten alte, analoge Fotoalben hervor und lachten über den 2-jährigen Nackedei Moser, der schwarzweiß am Ufer eines Wildgewässers plantscht, dort wo heute längst Wohnbetonklötze die Landschaft prägen.

Die Sommerzeit verging wie im Fluge, und als wir bei Einbruch der ungewöhnlich späten Dämmerung heimwärts fuhren, waren unsere Herzen beschwipst und unbeschwert. Dass Heidi und ich unsere sportlichen Nordic-Walking-Aktivitäten zugunsten des Familientreffens blöderweise stornieren mussten, fällt da fast nicht mehr ins Gewicht. Aber Familie geht vor, so leid es mir tut.

Und am Rande, aber wirklich nur ganz am Rande, sei erwähnt, dass Mama Fritzi anlässlich meines Wiegenfestes beim örtlichen Zuckerbäcker eine Pfirsich-Maracuja-Torte inklusive Zuckerröschen und Marzipan-Sternzeichen fertigen ließ (den letzten Rest können Sie auf obigem Foto bewundern). So konnte ich die durch den frühen und plötzlichen Tod von Heidis Schwarzwälder Kirschtorte „Waldi“ verlorenen Kalorien problemlos wieder aufholen.

Die Torte Waldi

Hallo, mein Name ist Waldi und ich bin eine Schwarzwälder Kirschtorte. Ich wurde von einer gewissen Heidi Moser anlässlich des Geburtstages ihres Gatten, Herrn Moser, in die Welt gesetzt. Mein Leben war kurz und leidvoll. Schon als mich Heidi aus dem Brutkasten, sprich Ofen holte, war ich verkrüppelt: Mein kreisrunder, dunkler Körper glich einem Meteoritenkrater oder Vulkankegel, denn meine Mitte war während der Schwangerschaft (= Backzeit) tief eingefallen. Als meine Mama Heidi der Missgeburt ansichtig wurde, jammerte sie laut: „Oh weh! Oh nein! Wie konnte das passieren? Wie soll ich dieses millimeterhohe Häufchen Elend in drei Teile schneiden, um es mit Sauerkirschen und Schlagobers zu füllen?“ Aber Frau Moser, normalerweise eine mehr als passable Kuchenbäckerin, gab nicht auf. Sie befüllte meine Kuhle mit Creme und Kirschen, buk mir ein kleines Schwesterchen und setzte es mir quasi wie einen Deckel auf. Danach verspachtelte sie mich mit Sahne und dekorierte mich mit Sauerkirschen und Schokoraspeln noch zu einem ansehnlichen Törtchen.

So war die Freude des Herrn Moser, dem ich mit einer Tasse Kaffee und allerlei kleinen Geschenkpäckchen überreicht wurde, durchaus riesig. Ich war ja gut geschminkt und sah zum Anbeißen aus. Und wenn ich seinen huldigenden Aussagen trauen darf, habe ich dem Geburtstagskind auch durchaus gut gemundet. Dennoch jammerte dieser Moser ständig: „Ach Heidi, diese vielen tausend Kalorien! Meine Diät ist ja nur noch Schall und Rauch! Eine Schwarzwälder Kirsch! Meine Lieblingstorte! Wie du weißt, habe ich seit Beginn unserer Diät noch kein Gramm zugenommen – aber jetzt? Unsere guten Vorsätze sind in ernsthafter Gefahr.“ Meine Mama Heidi strich dem Herrn Abteilungsleiter sanft über das kleine Bäuchlein und meinte liebevoll: „Aber Moser, du hast Geburtstag und darfst in dein Feinkostgewölbe heute ausnahmsweise auch Torte einlagern.“ Ich war also dazu bestimmt, dem Jubilar Genuss ohne Reue zu bereiten. Doch das Schicksal hatte anderes mit mir vor.

Nachdem sich das reizende Paar zwei Stück von mir zum Frühstück einverleibt hatte, bat Heidi ihren Mann, den durchaus ansehnlichen Rest von mir unter der Tortenplastikabdeckhaube zu verschließen und in den Kühlschrank zu stellen. Herr Moser tat wie ihm geheißen, hat aber leider vergessen, durch eine kleine Drehung den Boden des Gefäßes mit der Kuppel zu verbinden. So nahm das Unheil seinen Lauf, denn als mich meine Mama beim nächsten Mal aus der Kühlung holte, packte sie die Abdeckung oben am Henkel… und ich stürzte aus eineinhalb Metern Höhe kopfüber in die Tiefe und zerschellte auf den Küchenfliesen zu einem unförmigen Brei. Plaaatsch!! Heidi schrie mit dem Deckel in der Hand hysterisch nach Moser. Der kam angerannt, sah den Schaden und belehrte seine Frau umgehend: „Du hast die Torte falsch rausgenommen! Du musst sie seitlich am Rand nehmen und rausziehen, nicht einfach oben am Henkel packen!“ Mama fragte ihn, ob er noch bei Trost sei und weinte bittere Tränen über den allzu frühen Unfalltod ihrer süßen Waldi. Doch mein Todessturz hatte auch etwas Gutes: Ich habe diesem Moser einen Haufen Kalorien erspart.

Glatteis

Meine liebe Mama Fritzi (von Friederike) vollendete letztes Wochenende ihr 77. Lebensjahr, und lud aus diesem festlichen Anlass die ganze große Moser-Familie samt Anhang und Freunden in eine vortreffliche Schenke in einem Vorort von Wien. Die Tafelrunde war ausgelassen und fröhlich, wir schmausten Gesottenes und Gebratenes und ließen uns den einen oder anderen Schoppen Wein schmecken. Man überreichte der Jubilarin gar prächtige Blumengebinde und sparte nicht mit Komplimenten ob des fabelhaft jugendlichen Aussehens von Mama Moser. Ja, die alte Dame ist wahrlich noch gut in Schuss und selbst Papa Poldi (von Leopold) hat noch das gewisse Glitzern in den Augen, wenn seine Fritzi ihren Charme spielen lässt. Der liebe Gott hat es wirklich gut mit ihr gemeint, denn auch im Oberstübchen stehen noch alle Tassen unversehrt im Schrank. Um der Wahrheit die Ehre zu geben sei erwähnt, dass sie sich im Lauf der Jahre natürlich auch ein paar Macken zugelegt hat. Nichts liegt mir ferner als ihr Hypochondrie zu unterstellen, doch hat sie zuletzt ein gewisses Faible für Arztbesuche entwickelt. Getreu dem Motto „Vorbeugen ist besser als Heilen“ sucht sie bei jedem Zwicken und Zwacken den zuständigen Spezialisten auf, und kennt alle Schul- und Alternativmediziner im Umland mittlerweile beim Vornamen. Ihr persönlicher Medizinschrank ist größer und umfangreicher als so mancher Schuhschrank modebewusster Damen. Darin finden sich nicht nur Salben und Pillen jeglicher Farbe, Form und Größe, auch Gerätschaften wie Blutzucker- und Blutdruckmessgerät oder Defibrillator gehören zur Grundausstattung. Und auch wenn sich unsere Mutter-Sohn-Telefonate anhören mögen wie die Fachsimpeleien zweier Primarärzte, ist Mama Moser eine wunderbare Frau und ich liebe sie über alles.

Nach dem überaus reichhaltigen Geburtstagsessen lagen mir das Schweinerne und die schokoladige Torte schwer im Magen, sodass ich daheim im warmen Bett kaum in den Schlaf finden konnte. Tausend Gedanken gingen mir durch den Kopf. Auch frug ich mich, welche Marotten ich im höheren Alter wohl an den Tag legen werde. Würde ich an eiskalten Tagen wie diesen am Fenster sitzen und Passanten beobachten, wie sie am blanken Eis ausrutschen und hinfallen? Würde ich eine Liste Männer/Frauen anlegen, damit die Sache spannender wird?  Und wenn es schließlich Rummms! einen Mann mit Einkaufstaschen erwischt, und die Männer uneinholbar 6:3 in Führung liegen – würde ich das Fenster öffnen und rufen: „Nicht traurig sein liebe Frauen, morgen ist wieder ein neues Spiel!“

Aber ich kann Sie beruhigen: Meine Frau würde dies nie zulassen. Bekanntlich ist ihr Name Adelheid, was aus dem Althochdeutschen kommt und so viel wie „von edlem Wesen“ bedeutet.  Und ein edles Geschöpf wie sie würde mir solche Flausen schnell austreiben. Also werde ich an der Seite von Heidi in Würde altern. Mit dem Gedanken, dass ich die Glatteis-Stürze auf Video festhalte und mit den lustigen Filmchen bei „Pleiten, Pech und Pannen“ ein kleines Vermögen verdiene, schlief ich endlich ein.

Alles Gute, Heidi!

Meine geliebte Adelheid begeht heute ihr Wiegenfest. Als echter Gentleman verschweige ich an dieser Stelle natürlich ihr wahres Alter, nur so viel: Es ist kein runder Geburtstag, auch kein eckiger, eher so oval. Jedenfalls hatte ich mir eine ganz besondere Überraschung ausgedacht… ich würde für Heidi erstmals in meinem Leben eine Torte backen. Das Konditorhandwerk ist kein Zuckerschlecken, und darum bereitete ich mich gründlich auf dieses (wahrscheinlich einmalige) Experiment vor. Meine treusorgende Gattin liebt Sachertorte, und wenn Heidi Sachertorte liebt soll sie Sachertorte bekommen. Also durchpflügte ich nächtens heimlich das Internet nach Rezepten, studierte Backanleitungen und zog mir auf Youtube die Lehrfilmchen talentierter Hobbybäcker rein. Dabei wurde mein Gesicht immer länger und ich stellte fest, dass diese Wiener Spezialität in so einer Art Königsklasse der Torten spielt und die Erfolgsaussichten für einen blutigen Anfänger eher gering sind. Daher schwenkte ich auf Schwarzwälder Kirschtorte um. Erstens ist es meine Lieblingstorte und zweitens mag sie mein Heidilein auch ganz gern. Die paar Zutaten zusammenrühren, den Teig backen, und das Ganze mit Sauerkirschen und Schlagobers dekorieren – das konnte ja wahrlich kein Hexenwerk sein.

Der 8. Dezember ist in Österreich arbeitsfreier Feiertag, und so hatte ich genügend Zeit und Muße, mich meiner süßen Überraschung zu widmen. Also verbannte ich Heidi ins Wohnzimmer (sie wollte ohnehin vor Weihnachten noch die Vorhänge abnehmen und waschen) und ging in der Küche optimistisch ans Werk. Das aus dem Internet ausgedruckte Rezept klebte ich in Augenhöhe gut sichtbar an einen Hängeschrank. Ich will nicht verheimlichen, dass mir das eine oder andere Missgeschick passierte, ich Eigelb mit Eiklar und Zucker mit Salz verwechselte, und der erste Tortenboden als Grillkohle dienen hätte können. Aber schon der zweite Versuch brachte ein durchaus respektables Ergebnis zutage, wie Sie auf obigem Beweisfoto sehen können.

Stolz stellte ich das Meisterwerk auf den Wohnzimmertisch, gleich neben den Strauß roter Rosen und die Sektflasche. Dann rief ich nach Heidi, die im Badezimmer noch immer mit den meterlangen Vorhängen kämpfte. Als sie vor den Gabentisch trat, kämpfte sie allerdings mit Tränen und einem aufkeimenden Lachkrampf. Ich rief laut „Tataaaa!“ und warf eine Handvoll Konfetti in die Luft. Dann nahm ich meine Liebste in den Arm, flüsterte ihr meine Glückwünsche ins heiße Damenohr und sagte: „Und jetzt lassen wir es richtig krachen!“ Heidi sah mich entrüstet an: „Moser, doch nicht am helllichten Nachmittag!“ „Nein, wir köpfen den Sekt!“ klärte ich das Missverständnis auf. „Ach so“ lächelte sie und wirkte irgendwie erleichtert.

Wie in Dutzenden Filmen gesehen, schüttelte ich die grüne Flasche ein wenig, richtete sie schräg nach oben und ließ es knallen. Der Korken schoss mit lautem Plooppp!! an die Decke, hinterließ dort eine kleine Delle und kehrte als Querschläger an den Tisch zurück. Leider stand die filigrane Blumenvase im Weg und der harte Plastikstöpsel zerlegte sie in hunderte Glassplitter, die als Verzierung auf der Schwarzwälder Kirschtorte landeten. Dekorativ, aber ungenießbar. Meine schönen roten Rosen lagen wie tot in ihrem Blumenwasser, das langsam vom Tisch tropfte. In meiner Hand spuckte die Sektflasche weißen Schaum.

Während Adelheid das Desaster beseitigte, meinte sie nur: „Moser, Moser! Irgendwie habe ich so etwas befürchtet und selbst einen Schokokuchen gebacken. Bring ihn doch bitte rein, steht im Kühlschrank.“ Sie ist halt einfach die Beste. Ach Heidi, alles Gute zum Geburtstag!

Fettnäpfchen

In den letzten Nächten sah man Frau Moser und mich über dampfenden Töpfen fuhrwerken, allerlei geheimnisvolle Zutaten kleinschneiden, Gewürze und Kräuter mörsern; wir rührten, gelierten, schmeckten ab und  füllten um. In unserer kleinen Hexenküche herrschte Hochbetrieb, und Adelheid schrieb in ihrer filigransten Schönschrift Zwetschgen-Bananen-Marmelade, Holunderblütengelee mit Ingwer, Himbeer-Rhabarber-Konfitüre und Marillen-Kakteenfeigen-Marmelade auf dekorative Selbstklebe-Etiketten. Mit diesen hausgemoserten süßen Köstlichkeiten verfolgte ich nämlich einen perfiden Plan: Damit wollte ich meinem  vorgesetzten Direktor Mag. Erwin Pfotenhauer ein ganz persönliches, liebevolles Geschenk zum 50. Wiegenfest bereiten und mich damit an die Spitze seiner Lieblingsabteilungsleiterliste setzen. Die Gehaltserhöhung ist längst überfällig.

Heute war es soweit. Pfotenhauer tat gerührt und überrascht, als meine Kollegen und Kolleginnen ihre Geburtstagsgaben darbrachten – handgeschnitzte Zigarrenkisten, ein Gutschein für einen Tandem-Fallschirmsprung, ein Candlelight-Dinner in einem Baumhaus-Hotel, russischen Kaviar auf Eis, ein Abonnement seiner Lieblingszeitschrift „Yacht Revue“ und allerhand Plunder mehr. Schließlich hatte ich meinen großen Auftritt. Stolz stellte ich eine golden lackierte Holzkiste auf den Tisch, darin schepperten fünf große Gläser selbstgemachter, ausgefallener Moser-Marmeladen. Meine Backen glänzten, als ich unserem Konservendirektor (als einziger!) Happy Birthday to you! sang und kundtat: „Sehr verehrter Herr Magister! Ein kleiner süßer Geburtstagsgruß von meiner Frau Adelheid und mir. Selbstgemacht!“

Pfotenhauer nahm ein Glas nach dem anderen aus der Kiste und beäugte es skeptisch. Schließlich räusperte er sich und sah mich fragend an: „Spekulieren Sie auf meinen Posten, Moser? Wenn ich das Zeug verputze, erlebe ich meinen nächsten Geburtstag nicht mehr – ich bin schwerer Diabetiker!“ Im Büro herrschte betretenes Schweigen. Eigentlich war Heidis Vorschlag, Pfotenhauer eine silberne Krawattennadel zu schenken, gar nicht so schlecht.