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Der Himmel über Wien

… zeigt sich heute von seiner wechselhaften Seite. Die Sonne wird zwischendurch von ein paar Quellwolken hofiert; es ist zwar recht warm, aber nicht strapaziös schwül. Es liegt eine träge Leichtigkeit in der Luft. Der Schreibtisch meines Kollegen Cerny ist urlaubsbedingt verwaist, das Fenster offen und ich genieße das unbeschwerte Dahinplätschern der Zeit. Ich bin ein ausgesprochener Freund des Sommerlochs, bin mit ihm auf Du und Du, fühle mich direkt angezogen vom wabernden, freundlichen Nichts. Unsere ukrainische Putzfrau Editha gibt sich über Kopfhörer ihrer Musik hin, denn ich höre sie draußen am Gang hingebungsvoll und falsch „Wind of Change“ von den Scorpions pfeifen.

Nachdem ich zwei Stunden genüsslich im Nichts gebadet hatte, fühlte ich Tatendrang in mir hochsteigen. Mit einer Heldentat wollte ich heute noch meine Anwesenheit im Büro rechtfertigen und klemmte mich ans Telefon. Ich weiß nicht woran es gelegen hat, ob an meiner fast schon buddhistischen Gelassenheit oder dem unerschütterlichen Glauben an meine Fähigkeiten – jedenfalls gelang es mir in einem 20-minütigen Gespräch, einen neuen Großkunden für unsere vegetarische Fischkonserven-Linie an Land zu ziehen. Mit Wiener Schmäh und Charme wickelte ich die Geschäftsführerin einer kleinen Bio-Ladenkette um den Finger, die ab August die von mir ersonnene Innovation der fischlosen Fischkonserven in ihre Regale stellen wird. Ich triumphierte, denn Dr. Jonas Cerny hatte sich an diesem Kunden bereits mehrmals vergeblich die Zähne ausgebissen. Und ich möchte in aller Bescheidenheit anmerken: Herr Moser ist eben das iPhone 9 unter den Fischkonserven-Abteilungsleitern. Selbst wenn man mir meine Bescheidenheit als höchste Form der Arroganz auslegt, ließ ich mich von einem kleinen Freudentanz rund um Cernys Schreibtisch nicht abhalten. Rasch klebte ich meinen genialen Fischzug noch in Form eines gelben Post It-Zettels auf seinen Monitor, dann beschloss ich, den Arbeitstag an seinem Höhepunkt zu beschließen und früher Schluss zu machen. Auf dem Heimweg besorgte ich noch einen bunten Strauß Sommerblumen für meine geliebte Heidi.

Es gibt sie also doch, jene Tage ohne kleine oder große Katastrophen. Von einem solchen durfte ich Ihnen heute berichten, ganz entspannt aus dem Schatten unseres grünen Sonnenschirmmonsters. Es lebe das Sommerloch!

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