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Sommer, Sonne, Schlaganfall

Der gestrige Freitag war im Raum Wien ein Bilderbuch-Sommertag. Also brach ich bereits zu Mittag meine Bürozelte in der Fischkonservenfabrik ab und eilte nach Hause, wo Heidi mit einer ihrer Spezialitäten wartete – Wurstsalat mit Frühlingszwiebeln, Radieschen, Tomaten aus eigener Aufzucht und knackige Gürkchen in einer Marinade aus weißem Balsamico, Honigsenf und Olivenöl. Ein Gedicht, ein kulinarischer Erlkönig, ein lukullisches Vaterunser, ein Hohelied auf die Spezies „Wurstsalat“.

Satt und zufrieden lehnte ich mich nach zwei Portionen der wurstgewordenen Offenbarung zurück. Lächelnd lud Heidi ihr Haupt an meiner starken Schulter ab und streichelte mein kleines Bäuchlein: „Na, hat´s geschmeckt mein Liebling?“ „Ach Heidi, wundervoll!“ „Hast du noch einen Wunsch?“ flüsterte die tüchtige Gemahlin in mein sonnendurchflutetes Ohr und zupfte neckisch an einem Haar, das sich den Weg aus dem dunklen Gehörgang ins helle Sonnenlicht erkämpft hatte. Ich, hoffnungsvoll: „Ja, haben wir noch Vanilleeis im Tiefkühler? Und frische Erdbeeren?“ Langsam wanderte Heidis Händchen Richtung Süden: „Das ist alles?“ Hörte ich da etwa Enttäuschung in ihrer Stimme? „Nein mein Täubchen, vielleicht sind ja noch etwas Schlagobers und Schokosauce vorrätig!“ „Moser!“ rief sie entrüstet und zog so stark an meinem sensiblen Ohrhaar, dass es mir Tränen in die Augen trieb.

Der Wink mit dem Zaunpfahl wirkte und mir fiel ein Artikel ein, den ich unlängst in einem wissenschaftlichen Journal gelesen hatte: Sonne macht Lust auf Sex! Darin ging es um Vitamin D, vermehrte Ausschüttung des Glückshormons Serotonin und gesteigerte Libido. Ah, daher wehte der Wind! Frau Moser hatte am Vormittag wohl ein Sonnenbad genommen. Ich reagierte blitzschnell und setzte meinen unwiderstehlichen Sexy-Blick auf, kniff ein Auge zu, lüpfte die gegenüberliegende Augenbraue und schürzte meine ölverschmierten Lippen zum berühmten Duckface. Das habe ich mir auf Facebook abgeschaut. Offenbar verfehlte meine Casanova-Mimik ihre erotisierende Wirkung, denn Heidi erlitt einen Lachkrampf.  Dabei verirrte sich ein Stück Frühlingslauch in ihrem komplizierten Luft- und Speiseröhrensystem, sie begann zu würgen und zu röcheln. Ihre Augen tränten, quollen hervor und unter bedrohlichem Husten drehte mir Adelheid den Rücken zu und bat: „Schlag mich mal!“ Ich aber verstand in dem ganzen Gewürge „Schlaganfall!!“ und war erschüttert. Mein geliebtes Weib, noch so jung, ein Schlaganfall, oh weh!! Nun kam es auf jede Minute, jede Sekunde an, und ich griff sogleich zum lebensrettenden Smartphone. Sie schlug mir das Telefon aus der Hand, das in der Salatschüssel landete. Sie deutete auf ihren Hals und hustete gurgelnd: „Das muss raus!“ „Krankenhaus??!!“ rief ich, „Sofort, mein Schatz!“ und fischte das Handy aus der öligen Marinade. Noch während ich versuchte, das glitschige Ding zwischen meinen Fingern zu bändigen und den Notruf einzutippen, entließ Heidi mit einem ambitionierten Huster das grüne Lauchröllchen in hohem Bogen in die Freiheit.

Nach diesem Zwischenfall war die knisternde erotische Stimmung natürlich beim Teufel. Aber das Vanilleeis mit Erdbeeren und Schokosauce war köstlich.

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