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Erntezeit

Wie der aufmerksame Leser weiß, hat sich der Moser´sche Reihenhausgarten unter den aktuell herrschenden Klimabedingungen zu einem üppig wuchernden Garten Eden entwickelt. Nachdem nun endlich die Weichselernte zur Gänze eingebracht und die Vorratskammer mit Dutzenden Gläsern voll mit Konfitüre und Kompotten ist, bat mich mein liebes Adelheidchen heute früh, die erstmals im Hochbeet gepflanzten Zucchini zu pflücken. Wir wollen mittags Hühnerbrüstchen grillen und ein paar Scheiben des Zucchino, der bekanntlich aus der Familie der Kürbisse stammt, würden hervorragend dazu passen.

Mit Skalpell und Latex-Handschuhen näherte ich mich dem Wochenbeet, um die Mutterpflanze von ihrem Junggemüse per Kaiserschnitt zu entbinden. Doch was mich da erwartete, sprengte meine kühnsten Vorstellungen. Mama Zucchino war mit einem gelben Riesenbaby schwanger, offenbar hatte Heidi in einem Anfall von Jux und Tollerei eine gelbe Sorte anstatt des grünen Klassikers gepflanzt. Und der Goliath hatte noch eine ganze Reihe Geschwisterchen bekommen, zwar nicht ganz so überdimensional, aber noch immer sehr stattliche Apparate. Zuerst kümmerte ich mich um den schon ziemlich erwachsen wirkenden Riesen. Zärtlich trennte ich die Nabelschnur durch und hob das geschätzt 4 Kilo schwere Baby vorsichtig in die warme Sommerluft. Mit einem sanften Klaps auf den gelben Po hieß ich den neuen Erdenbürger in unserem Reihenhaus willkommen.

Ich nahm Zuki, wie ich das Gemüse bereits insgeheim nannte, mit väterlichen Gefühlen liebevoll auf den Arm, und drehte mit ihm eine kleine Runde durch den Garten, um ihm die wundervolle Welt der Mosers zu zeigen. Plötzlich lugte unser Nachbar Walter „Rotkäppchen“ Weinwurm bei seinem morgendlichen Patrouillengang über den Zaun und rief: „Hallo Herr Nachbar! Was ist das? Haben Sie ein Baby aus China adoptiert?“ „Psssst, leise! Es schläft“, gab ich zurück. „Und heute Mittag legen wir es auf den Grill.“ Kopfschüttelnd setzte unser Siedlungsblockwart seine Runde fort.

Wir werden Zuki nicht nur als Gemüsebeilage grillen, sondern auch zu Suppe, Kuchen, Auflauf, Eintopf und Salat verarbeiten. Und den Rest mit Piment, Lorbeer und Senfkörnern süß-sauer einlegen. „In zwei bis drei Wochen beginnen wir mit der Tomatenernte“, meinte Heidi und deutete auf die rasant wuchernde Staude neben der Zucchini-Pflanze, die bereits kindskopfgroße, grüne Früchte trug. „Ach, das sind Tomaten?“ frug ich erstaunt. „Ich dachte, du hast Wassermelonen gepflanzt.“

Foto: Adelheid Moser

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