Angebissen!

10 Uhr morgens im Büro. Cerny hatte wohl Probleme mit seinem Stoffwechsel, denn er saß seit 17 Minuten am Klo. Sonst war alles ruhig. Ich wickelte mein Vollkorn-Schinkenbrot mit Käse aus der Alufolie (selbstverständlich kein billiger Analogkäse, sondern feinster holländischer Gouda, rein digital), und nahm genüsslich einen Bissen. Ich bemerkte ein dünn geschnittenes Gürkchen nebst einem Hauch Senf und sprach Heidi innerlich ein Kompliment aus. Sie bereitet köstliche Jausenbrote. In dieser Sekunde spielte mein Handy das Lied vom Tod. Pfotenhauer! „Gun Morn, Moha“ meldete ich mich vollmundig. „Moser! Ich versteh Sie kaum, haben Sie einen Grammelknödel im Mund?“ ließ der Direktor einen seiner müden Scherze in Anspielung auf den Kantinen-Vorfall vom Stapel. „Egal, wenn Sie mal kurz Zeit haben, kommen Sie doch in mein Büro. Sofort. Wir müssen reden!“ Ich kaute in Windeseile, schluckte, und beeilte mich zu versichern: „Natürlich Herr Direktor, Herr Magister, Herr Pfotenhauer. Gerne. Sofort. Ich komme, ich eile!“ Wir müssen reden. Jetzt fängt der Kerl auch noch damit an.

Als ich vor dem Schreibtisch meines Vorgesetzten Haltung angenommen hatte, kam er ohne Umschweife zur Sache. „Moser, wie Sie mitbekommen haben, war unsere letzte Innovation ein Reinfall. Der Hering mit Kürbis-Chutney liegt wie Blei in den Regalen…“ Mein innerer Schweinehund jaulte freudig auf. Jetzt ging es Cerny an den Kragen. Aber es kam noch besser. „Ich habe daher mit dem Vorstand nochmals Ihre Idee einer vegetarischen Produktlinie diskutiert. Diese Tofu-Fische mit Koriandersauce und den ganzen Quatsch. Also, wir haben beschlossen, der Sache eine Chance zu geben. Unsere Experten werden in den nächsten Wochen in unserer Hexenküche experimentieren, und falls Marktforschung und die Meinung der Testesser positiv ausfallen, starten wir damit in 2017.“ Pfotenhauer linste mich über seine schmale Lesebrille forschend an. „Oh, das ist ja phänomenal Herr Direktor! Sie werden sehen, damit haben wir einen echten Goldfisch an der Angel! Das Marktsegment der Vegetarier ist ja…“ „Danke Moser, Sie können gehen.“

Zurück am Schreibtisch nahm meine Fantasie Fahrt auf. Meine vegetarischen Fischkonserven würden Österreich, was sage ich, die Welt erobern! Ich sah bereits die Leitartikel mit meinem Foto in allen namhaften Gourmet-Magazinen vor mir… ich würde Interviews im Radio und im Frühstücksfernsehen geben, unserer alten Fabrik zu neuem Glanz verhelfen. Wie alt war Pfotenhauer? Anfang 60? Die Chancen, dass der alte Knacker bald in Pension geht und ich seine Nachfolge antrete, standen gar nicht schlecht. Natürlich würde es eine geniale Marketingstrategie brauchen, einen knalligen modernen Slogan, TV-Spots und großflächige Plakate, damit meine Revolution nicht das traurige Schicksal von Cernys Kürbis-Chutney erlitt. Nicht auszudenken, wenn meiner Veggie-Innovation kein Erfolg beschieden wäre. Cernys Spott und Hohn wären mir sicher.

witz

Wie aufs Stichwort kehrte der junge Herr Wirtschaftsdoktor von der Toilette zurück. Er wirkte blass und mitgenommen. „Ist Ihnen nicht gut, Herr Dr. Cerny?“ frug ich unschuldig. „Ich fühle mich elend“, antwortete er. „Ich war gestern mit meiner Freundin vegetarisch essen, der Tofu ist mir wohl nicht bekommen.“

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18 Kommentare zu „Angebissen!“

    1. fischkonservenfabrik
      und
      angebissen !
      is klar das ich hier rein schneie
      und in keinem andern beitrag
      hi die bella 🙂 hier
      tofu hab ich ja schon gekostet
      aber ^^
      es geht halt nix über ne frisch gefangene maus
      und nein ich bin keine katze
      aber fisch is auch sehr
      geschmackvoll
      und wenn mein körper meint er braucht mal wieder fisch
      denn fang ich mir einen
      das is allerdings kompiliziertääär wie ne maus zu fangen
      doch für ne jack russel terrine is nix zu schwer
      das ronnyherrchen meint immer
      “ bella wenn du es willst hol es dir “
      es wäre für mich ein kinderspiel
      mich durch ne fischkonservenfabrik
      zu “ fräßen “
      raus komm ich da allemal wieder
      allerdings würde mein bauch wohl auf dem boden schleifen 😀 😀
      allerdings
      ^^
      es gibt schlimmeres 🙂
      gruß bella 🙂

      Gefällt 1 Person

    1. manchmal muß es nur gut riechen
      und nich leben
      und manchmal muß es auchnich frisch sein
      pferdeäpfel zum beispiel fress ICH
      erst wenn´se zwei drei tage sonnengereift sind
      vorher 😦
      sind die gooornüx für meineeine
      und für den fischverarbeitenden abteilungsleiter
      ^^
      wir
      sind nich hier um zu gefallen
      wir sind der schreibenden oder auch schriftlichen
      kommunikation fähig
      ICH und auch das ronnyherrchen ^^
      wir brauchen und nutzen kein “ gefällt mir “ oder häkchen
      in passenden feldern
      wem das nich gefällt der muß leider
      schreiben “ ihr gefallt mir nich “
      und schon sind wir wech
      gruß bella 🙂
      p.s. : ja ich weiß der “ esel “ nennt sich immer zuerst
      oder halt der hund 😀 😛

      Gefällt mir

  1. Lieber Herr Moser!
    Tofufisch ist mit Sicherheit eine absolute Marktlücke. ich würde unbedingt darauf setzen. Spätestens wenn die Meere leergefischt sind und die gezüchteten Fische an antibiotischem Futter krepieren, greift die Welt zu Tofufischen! Hervorragend! 🙂
    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    Gefällt 2 Personen

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