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Hamburger in Hamburg

Wie der treue Leser weiß, wurde ich von Heidi zu meinem 1. Seniorengeburtstag mit einem kulinarischen Städtetrip nach Hamburg überrascht. Der Feinspitz Moser sollte nicht nur die touristischen Highlights der Hansestadt erkunden, sondern auch zum ersten Mal live und in Farbe die Restaurants der famosen Fernsehköche Steffen Henssler, Tim Mälzer und Cornelia Poletto besuchen. Mein treues Weib und Organisationswunder Adelheid hatte alles perfekt vorbereitet, am Mittwoch vor Ostern starteten wir in das Abenteuer. Hier nun ein kleiner Rückblick auf die Tour in den hohen Norden.

Es war 05:40, es war noch stockdunkel und es pfiff uns ein eisiger Wind um die Ohren. Ehe wir noch den heiligen Reihenhausboden verlassen hatten, war ich Heidi zutiefst dankbar, dass sie mich in meine wärmste Winterjacke samt Schal und Handschuhen genötigt hatte. Das im Internet vorbestellte Taxi hätte uns pünktlich um 05:30 vor dem Eingang zu unserer Wohnsiedlung abholen und zum Flughafen bringen sollen. Doch auch um 05:45 standen wir noch einsam und verlassen mit unserem Trolley am vereinbarten Treffpunkt, vom billigen Airport-Taxi (supergünstig – rasch – zuverlässig!) keine Spur. Heidi kramte die ausgedruckte Reservierungsbestätigung aus der praktischen Reiseumhängetasche, und rief bei der angegeben Servicetelefonnummer an. Anrufbeantworter. Sie hinterließ eine nicht druckreife Beschwerde, und ein paar Telefonate später hatte das Organisationswunder ein alternatives Fuhrunternehmen aufgetan, dass sich freundlicherweise bereit erklärte, uns in 8 Minuten abzuholen und uns um einen deutlich erhöhten Preis zum Flughafen zu bringen. Es war 05:58, es war immer noch stockdunkel, aber wir erreichten unseren Lufthansa-Flug (operated by Austrian Airlines) gerade noch rechtzeitig.

Wir landeten ohne Verspätung in Hamburch (wie der Hamburcher Hamburg nennt) und erfreut stellten wir fest, dass es eine direkte S-Bahn-Anbindung zu unserem Ziel Wandsbeker Chaussee gab. Aber vorher noch rasch eine Zigarette in der Open-Air Smoking-Area vor dem Abgang zur Bahn. Wir bliesen unsere Tabakwölkchen in den Hamburger Nieselnebel und ich war zum zweiten Mal froh, den Ratschlag meiner umsichtigen Gattin, die dick gefütterte Winterjacke anzulegen, befolgt zu haben. „Jetzt sind wir also hier. In Hamburg. Freust du dich?“ plauderte Adelheid zwanglos vor sich hin. „Ich würde jetzt gerne gründlich meine Ohren spülen“, gab ich zu Protokoll. Dazu sollte man wissen, dass – abgesehen von der Absturzangst – auch der Landevorgang nach überstandenem Flug meinen sensiblen Körper auf eine harte Probe stellt. Hammer, Amboss, Sichel, Schnecke und all das andere Gedöns in meinem Innenohr geraten durch die wechselnden Luftdruckverhältnisse außer Kontrolle. Wie immer hatte es während der Landung in meinem Ohr geknackt und geknistert, als würden die Ohrwürmer ein loderndes Lagerfeuer entzünden. Alle Versuche, der Lage durch Gähnen, Nasezuhalten oder lautes Muuuaah! Muuuaah! Rufen Herr zu werden, waren fehlgeschlagen. Nun juckte es tief innen zwischen linkem und rechtem Ohr, und ich war so gut wie taub. Ich bekam vom beachtlichen Lärmpegel unserer Umgebung fast nichts mit, ich hörte alles wie durch dicke Watteschichten unter Wasser.

Eingepackt in einen Zuckerwatte-Kokon und meine warme Jacke dämmerte ich in der grünen S1 leise vor mich hin, als mich Heidi am Ärmel zupfte. „Westinghouse!“ las ich von ihren Lippen. Erst auf Nachfrage verstand ich ein gedämpftes „Wir steigen aus!“ Mein umsichtiges Adelheidchen hatte das kleine, kuschelige Gästehaus Marco Polo – nur zwei Steinwürfe von der Bahnstation entfernt, um mir lange Fußwege zu ersparen – als Herberge auserkoren. Wir klingelten etwa zehn Minuten an der Tür des orange getünchten Hotels, ehe ein kleiner, schwarzhaariger Inder öffnete und vorsichtig in den stärker werdenden Regen spähte. Wir stellten uns als Familie Moser aus Wien vor und begehrten Einlass. „Zimmer erst ab 14 Uhr!“ beschied uns der zimtfarbene Concierge. „Ja, können wir vielleicht unseren Koffer solange hier abstellen?“ „Zimmer zwei Uhr!“ „Gut, aber Koffer bis 14 Uhr in Hotel lassen?! Bitte?“ Der Inder wurde ungeduldig: „Zimmer nich fäärtich!“ „Nur Koffer!“ deutete Heidi auf den Trolley und dann auf die Tür. „Aaah, Koffer! Ja. Rezeption. Aber Zimmer nix fäärtich!“ Wir drängten aus dem eisigen Regen ins warme Hotelinnere und platzierten das Gepäck neben dem Check-In-Counter. „Wir kommen am Abend, danke!“ „Schlüssel erst ab 14 Uhr!“ „Ja, danke!“ bewies Heidi innere Ruhe und Engelsgeduld. „Komm Moser, wir gehen.“ Ich wandte mich noch kurz an den indischen Marco Polo: „Könnte ich mir eventuell hier irgendwo die Ohren spülen??“

Ungespült zerrte mich Heidi aus dem Hotel. Sie hatte um 18:30 einen Tisch bei Cornelia Poletto reserviert, bis dahin wollten wir ein wenig die Stadt erkunden und mittags ne Currywurst essen. Meine liebe Gattin hatte selbst für diesen Imbiss ausgiebig im Internet recherchiert und herausgefunden, dass ein Lokal namens „Edelcurry“ die beste Wurst der Stadt anbietet. Höchste Bewertungen, sogar das Wissenschaftsmagazin Galileo hatte wohlwollend darüber berichtet. „Wir werden wohl die letzten Wiener Gäste sein, da das Edelcurry am Freitag schließt und an einen anderen Standort übersiedelt“, berichtete Heidi. Danke liebes Internet für diese Information – nicht auszudenken, wir wären vor verschlossenen Türen gestanden! Aber zunächst fuhren wir mit der S-Bahn zum Jungfernstieg, um uns ein paar berühmte Bauwerke wie das Rathaus anzusehen und bei den Landungsbrücken einen ersten Blick auf die raue Nordsee zu werfen. Nach einigen Selfies vor prächtiger Städtekulisse flüchteten wir vor der feuchten, schneidenden Kälte in die Wärme eines Luxuskaufhauses. Mehrmals fuhren wir von den edlen Parfums und Handtaschen im EG mit der Rolltreppe ins 2. OG zur Herrenoberbekleidung und wieder zurück, bis unsere durchgefrorenen Finger wieder Betriebstemperatur hatten. Dann plagte uns ohnehin schon der Hunger, da wir an Bord des Düsenfliegers nur eine plastikverpackte Nussschnecke bekommen hatten, und wir machten uns auf die Suche nach der Bushaltestellte Richtung Edelcurry. Der Regen war inzwischen in dichtes Schneetreiben übergegangen.

Mittels des digitalen Assistenten Google Maps und einer Hamburg-App lotste uns das tapfere Heidilein durch den Großstadtdschungel. Geduckt folgte ich ihr im Windschatten und plötzlich begann es intensiv nach Curry zu duften. Mit der Aussicht auf einen warmen Sitzplatz und eine heiße Wurst lugte ich hinter Heidis Schulter hervor und blickte auf … zwei Handwerker, die eine riesige Dunstabzugshaube demontierten. Am Schaufenster schabte ein Kollege an den Klebebuchstaben von Edelcu, im Inneren schlug man Fliesen von den Wänden. „Häää?“ frug ich meine Gattin bestürzt. „Tja, da haben sie die Übersiedlung wohl etwas vorverlegt“, analysierte sie messerscharf. Ich klopfte mir eine zentimeterdicke Schneeschicht von den Schultern und schlug vor, sie möge ihr kluges Smartphone nach einer Geheimtipp-Alternative durchforsten. Keine zwei Minuten später hatte sie einen Laden namens Otto´s Burger auf dem digitalen Serviertablett. Mir war alles recht, warum nicht auch Hamburger in Hamburg. Hauptsache nicht zu weit weg. „Ein paar Stationen mit dem 5er Bus, und dann 6 Minuten zu Fuß“, stellte Adelheid die baldige Labung in Aussicht.

Nach gut zehn Minuten, wo wir durch winkeliges Gassenwerk geirrt waren, standen wir in einer Sackgasse. Entweder hatte auch unser Freund Google Maps keine Ahnung, wo sich Otto mit seinen Burgern versteckte, oder Heidi hatte irgendwann links und rechts verwechselt. Mit ein wenig Verspätung, meine tauben und juckenden Ohren waren inzwischen angenehm gefühllos, landeten wir in dem angesagten Burger-Laden. Sehr hip, sehr stylish. Graffiti an den zerklüfteten Backsteinwänden, die Kellner trugen allesamt rauschende Holzfällerbärte und ausrasierte Nacken. Alles cool, alles nice, alle per du. Wir wurden über die zahlreichen Kombinationsmöglichkeiten der Saucen, Beilagen und Toppings instruiert, verstanden kein Wort und bestellten einfach Ottos T-Burger mit Süßkartoffel-Pommes und hausgemachte Ingwer-Zitronengras-Limonade. Ich muss zugeben: die Strapazen, die wir dafür auf uns genommen hatten, haben sich gelohnt. Es waren die besten Burger unseres Lebens, und langsam kehrten die Lebensgeister, das Knistern und Jucken in meine Ohren zurück.

Die verbleibenden Stunden bis zu unserer nächsten kulinarischen Station Cornelia Poletto nutzten wir mit einem Besuch der jüngsten Hamburger Sensation, der Elbphilharmonie. Der Schneefall hatte inzwischen nachgelassen, der Wind jedoch an Fahrt aufgenommen. Bei Windstärke 9 genossen wir auf der Aussichtsplattform der Elphi einen grandiosen Ausblick auf Hamburg und den Hafen. In einem unbemerkten Augenblick hielt ich mir die Nase zu und schrie ein lautes, mehrfaches Muuuahh Muuuahh! in den Sturm, um endlich meine verschlagenen Ohren freizubekommen. Und das Wunder geschah. Mit einem dezenten Plopp! lösten sich die angespannten Druckverhältnisse im Innenohr in Wohlgefallen auf. Überglücklich küsste ich den nächstbesten japanischen Touristen und rief: „Ich bin geheilt! Hallelujah! Ich kann wieder hören! Ich danke dir, oh Herr!“ Sollten Sie also demnächst in der Zeitung lesen, dass die Besucherplattform der Elbphilharmonie der neue Wallfahrtsort für hörgeschädigte Gläubige ist, wissen Sie, wer dahinter steckt.

Ich will Ihre Geduld nicht überstrapazieren und Sie nicht mit allen Einzelheiten unseres Hamburg-Aufenthaltes langweilen. Nur so viel: Das Wetter klarte am Freitag soweit auf, dass wir bei Sonnenschein und angenehmen 7° sogar eine Hafenrundfahrt unternehmen konnten, wir absolvierten in einem roten Doppeldeckerbus eine Stadtrundfahrt, und besuchten den Prater-ähnlichen Frühjahrs-Dom. Die kulinarischen Köstlichkeiten bei Henssler, Tim Mälzer und Poletto hielten, was wir uns versprochen hatten und rechtzeitig zum Osterfest kehrten wir am Samstag Mittag erschöpft, aber glücklich in unser Reihenhausparadies zurück. Während Heidi die Schmutzwäsche in die Waschmaschine stopfte, stand ich im Garten und rief den ersten Bienen ein lautes Muuuaah Muuuaah! zu.

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Moin, moin!

Verwundert werden sich nun meine Stammleser fragen, warum der Wiener Abteilungsleiter den norddeutschen Gruß als Headline dieses Beitrags auserkoren hat. Dazu muss ich ein klein wenig ausholen und heute noch ein letztes Mal (!)  auf meinen runden Geburtstag zu sprechen kommen. Am verwichenen Samstag stand das historische Wiegenfest auf der Agenda, und meine liebevolle und fürsorgliche Heidi hatte in unserem Reihenhäuschen tatsächlich eine Party für den alten Moser organisiert. Ich hatte mich zwar bereits im Vorfeld gegen alle übertriebenen Festivitäten und Überraschungen gewehrt, da ich im Grunde meines Herzens ein überaus bescheidener und zurückhaltender Mensch bin, der nur ungern im Mittelpunkt steht. Da man aber „nur einmal 60 wird“, sah sich die gute Adelheid jedoch ermächtigt, eine Ausnahme zu machen und lud eine illustre Gästeschar zum großen Rambazamba. Das Wohnzimmer war in rot-weiß-silbrige Girlanden gehüllt, an denen Dutzende Schildchen mit der magischen 60 prangten, sogar Luftballons mit aufgedrucktem 60er hatte das brave Weib aufgetrieben, damit nur ja niemand vergisst, welchen Geburtstag es zu bejubeln gibt. In emsiger Fleißarbeit hatte Heidi auch ein Buffet im Retro-Style gerichtet. Als kleine Reminiszenz an meine Jugend gab es Käseigel, Schinkenröllchen gefüllt mit Gemüsemayo und Dosenspargel, kleine Fliegenpilze aus hartgekochten Eiern mit Tomatenhäubchen und Mayonnaise-Tupfen, sowie belegte Brötchen, Gulaschsuppe und eine Pfirsich-Erdbeer-Bowle.

Alle waren sie gekommen, mein gesamtes Stammpersonal, das zu einem Großteil bereits seinen Auftritt in meinem heiteren Blog hatte – von meiner geschätzten Schwiegermama Inge über Teenager Luki bis zur Familienfreundin Uschimaus, die alten Moser-Eltern Fritzi und Poldi, und dazu noch jede Menge Freunde, die mir allesamt sehr ans Herzen gewachsen sind, die ich aber aus Platzgründen unmöglich alle hier anführen kann. Sogar mein musikalisches und kreatives Bruderherz Bertl grüßte via WhatsApp-Videotelefonie aus dem fernen Thailandurlaub. Apropos Platzgründe: Heidi hatte bei unserem Haus & Hof Zuckerbäcker eine höchst schmackhafte Nusstorte mit Cointreau-Crème fabrizieren lassen, wobei sie aber aus Platzgründen auf 59 Kerzen verzichtet hatte und mir das kalorienträchtige Kunstwerk unter lauten Jubelgesängen (Happy Birthday to you, happy birthday lieber Moser, happy birthday to youuuu!) mit nur 1 brennenden Kerze überreichte. Der Applaus, als ich das Lichtermeer mit einem einzigen Luftstoß erlöschen ließ, war durchaus gerechtfertigt.

Nun kommen wir zum Wichtigsten bei solchen Geburtstagsfeiern – den Geschenken *zwinker*. Und damit auch zur eingangs erwähnten Auflösung für den norddeutschen Gruß in meinem Titel. Zunächst lassen Sie mich erwähnen, dass ich über den Ideenreichtum der zahlreichen großen und kleinen Gaben durchaus gerührt war. Kein achtlos im Vorbeisurfen im Onlineshop gekaufter Kram, sondern liebevolle und witzige Präsente, die in Bezug zu meiner Person stehen. Und so spannte sich der bunte Reigen von toll gerahmten Lieblingsfotos und Fotocollagen über Anti-Müde-Füße-Lotion bis hin zu einem wunderschönen, sehr persönlichen und selbstverfassten Gedicht. Man möge mir verzeihen, dass ich aus Platzgründen hier nicht all die tollen Geschenke einzeln anführen kann.

Ich war schon platt vor Rührung und Staunen, als meine wunderbare Gattin Heidi ihren großen Auftritt hatte und noch einen drauf setzte: „Mein liebster Moser! Ich wünsche dir zu deinem 60er von Herzen alles erdenklich Gute. Und da ich tagtäglich miterlebe, wie leidenschaftlich gerne du das Treiben der diversen Fernsehköche am Schirm verfolgst, lade ich dich in der Osterwoche zu einem kulinarischen Trip nach Hamburg ein, wo wir nicht nur den Hafen, die Elbphilharmonie, den Fischmarkt und die Reeperbahn besuchen werden, sondern auch die berühmten Restaurants deiner Kochhelden Steffen Henssler, Tim Mälzer und Cornelia Poletto!!“ Unter dem Jubel der Festgäste fiel ich meiner Traumfrau um den Hals und brachte statt einem Dankeschön nur ein gerührtes „Mahlzeit!“ über die Lippen.

Wir fliegen also am Mittwoch in aller Herrgottsfrühe nach Hamburg und kehren erst zur Auferstehung zurück. Allen meinen Lesern und Freunden wünschen wir ein frohes und schönes Osterfest! Moin moin!